Ritsu Doan, der neue Japaner des SC Freiburg (Foto: IMAGO, Imago)

Fußball | Bundesliga

Von Antar bis Zkitishvili - der Japaner Doan und die internationalen Stars des SC Freiburg

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Kersten Eichhorn

Am Dienstag verpflichtete der SC Freiburg mit Ritsu Doan von der PSV Eindhoven einen neuen Angreifer. Der 24-Jährige Nationalspieler kommt aus Japan. Eine Nationalität, die es beim Sport-Club in der Bundesliga erst ein Mal gab.

Die Kenner unter den SC-Fans werden sich vielleicht noch an den Namen erinnern: Kisho Yano. Der großgewachsene Angreifer wechselte 2010 von Alibrex Niigata ins Breisgau. Der damals 26-Jährige WM-Teilnehmer war der erste Japaner im Bundesliga-Kader der Freiburger. Das Gastspiel des Nationalspielers war allerdings nicht von großer Zufriedenheit begleitet. Nach nur 15 Spielen und ohne Torerfolg ging Kisho Yano Anfang Februar 2012 wieder zurück in seine Heimat.

Doan kommt mit Bundesliga-Erfahrung nach Freiburg

Jetzt, zehn Jahre später, versucht mit Yanos Landsmann Ritsu Doan der zweite Japaner sein Glück in Freiburg. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Doan, inzwischen längst an den europäischen Fußball gewöhnt, nach seinen starken Auftritten in Eindhoven und zuvor bei Arminia Bielefeld in der Bundesliga nachhaltiger auftrumpfen wird als Kisho Yano.

Der Japaner Kisho Yano, 2012 bis 2012 beim SC Freiburg (Foto: IMAGO, Imago)
Der Japaner Kisho Yano, 2012 bis 2012 beim SC Freiburg Imago

Prima Erfahrungen machte der SC Freiburg zuletzt mit einem Spieler aus einem anderen asiatischen Land: Woo-Yeong Jeong aus Südkorea präsentierte sich vergangene Saison mit starken Leistungen. Der 22-jährige Offensivspieler war vom FC Bayern gekommen und hat sich im Team festgespielt.

Die "Willis" waren Publikumslieblinge an der Dreisam

Die ausländischen Stars in der Bundesliga-Geschichte des SC Freiburg - das ist und war stets eine bunte Mischung aus unzähligen Nationen mit unvergessenen Persönlichkeiten und Geschichten wie etwa den Jungs aus Georgien.

Ende der 90er Jahre begeisterten Alexander Iashwili, Levan Kobiashwili, Levan Zkitishvili und später Otar Chisaneishvili unter Volker Finke das Publikum und prägten die legendäre "Willi-Ära". Spieler, die ins schmale Budget passten, zähe und talentierte Fußballer waren. Einfach gut und günstig.

Beinahe schon Realsatire, dass das damalige Vorzeige-Eigengewächs und Beinahe-Nationalspieler des Sport-Clubs Tobias Willi hieß. Ein echter Freiburger, kein Georgier.

Levan Kobiashvili und Alexander Iashvili 2001 beim SC Freiburg (Foto: IMAGO, Imago)
Levan Kobiashvili und Alexander Iashvili 2001 beim SC Freiburg Imago

Schweizer und Österreicher als Leistungsträger

Auch Spieler aus der nahen Schweiz wechselten immer wieder über die Grenze ins Freiburger Bundesliga-Team. Top-Torhüter Roman Bürki, Stürmer Admir Mehmedi oder Abwehr-Kante Oumar Konde seien hier stellvertretend für viele andere genannt.

Als Leistungsträger präsentierten sich auch einige Profis aus Österreich, der anderen Alpenrepublik. Aktuell hält Philipp Lienhart den Abwehr-Laden zusammen, vor mehr als zehn Jahren überzeugte Andreas Ibertsberger als Linksverteidiger.

Franzose Santamaria als teuerster Einkauf

Auch einige Franzosen, wie aktuell der Elsässer Jonathan Schmid, präsentierten im Breisgau ihr Können. Sie stellen auch den bisherigen Rekord-Transfer: Baptiste Santamaria kam 2020 für kolportierte 10 Millionen Euro aus Angers, verließ Freiburg aber schon ein Jahr später wieder für eine deutlich höhere Transfersumme Richtung Rennes.

Papiss Demba Cisse war der beste Torschütze

Der bislang erfolgreichste Torjäger einer Saison war Papiss Demba Cisse aus dem Senegal. Der elegante Stürmer traf in 65 Spielen für den SC satte 37 Mal. Allein in der Saison 2010/11 gelangen Cisse in 32 Bundesliga-Partien 22 Treffer, damit war er hinter Mario Gomez vom FC Bayern zweitbester Torschütze. In der Winterpause 2011/12 wechselte der vielumworbene Afrikaner dann zu Newcastle United nach England.

Der frühere Freiburger Torjäger Papiss Demba Cisse  (Foto: IMAGO, Imago)
Der frühere Freiburger Torjäger Papiss Demba Cisse Imago

Als echte "Knipser" behaupteten sich in den 90er Jahren auch der Albaner Altin Rraklli (22 Tore), der Niederländer Harry Decheiver (17 Treffer) und zehn Jahre später Mohamadou Idrissou aus dem Kamerun (25 Tore).

Starke Afrikaner unter Volker Finke

Apropos Afrika: Zu Zeiten des Cheftrainers Volker Finke bedienten sich die Kaderplaner der Freiburger mit Vorliebe auf diesem Kontinent. Stürmer Mehdi Ben Slimane und Mittelfeldspieler Zoubaier Baya kamen aus Tunesien, Innenverteidiger Boubacar Diarra (228 Spiele für den SC!) aus Mali, dessen schussstarker Landsmann Soumaila Coulibaly (37 Tore) oder Ibrahim Tanko aus Ghana. Sie alle waren günstig zu haben, aber auch internationale Könner am Ball.

Der Argentinier Cardoso einer der Besten

Als einen der überragenden ausländischen Spieler in der Freiburger Historie muss man in jedem Fall auch Rodolfo Esteban Cardoso nennen. Dem genialen argentinischen Spielmacher gelangen in den ersten Bundesligajahren des Sport-Clubs zwischen 1993 und 1995 immerhin 28 Tore. Danach war Cardoso - wie danach so viele Freiburger Top-Spieler - nicht mehr zu halten und wechselte zu Werder Bremen.

Einer der Besten im Freiburger Dress: Rodolfo Esteban Cardoso (Foto: IMAGO, Imago)
Einer der Besten im Freiburger Dress: Rodolfo Esteban Cardoso Imago

Freiburger Fußball-Exoten aus unzähligen Ländern

Kaum ein Fußball-Land, das nicht auf der Freiburger Bundesliga-Weltkarte zu finden ist. Man erinnere sich nur an Exoten wie Cafu von den Kapverden, an Youssef Mohamad und Roda Antar aus dem Libanon, den Australier Brandon Borello, Mark Fotheringham, letzte Saison Co-Trainer bei Hertha BSC, aus Schottland, Marc Torrejon aus Spanien, den Norweger Vegar Eggen Hedenstad, Paul Caligiuri aus den USA, die Russen Borodjuk und But oder auch Wital Radsiwonau aus Weissrussland. Wer kennt sie noch?

Sie alle haben an der Dreisam internationale Spuren und Flair hinterlassen. Mal mehr, mal weniger. Jetzt sind die SC-Fans gespannt auf die Auftritte von Ritsu Doan, dem zweiten Japaner im Freiburger Bundesliga-Dress.

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Kersten Eichhorn

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