Christian Streich, Trainer SC Freiburg (Foto: imago images, imago images/foto2press)

Fußball | Bundesliga

Freiburgs Christian Streich: "Ich bin schon verbogen, aber nicht total!“

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Wer über Christian Streich redet, der redet über ihn gerne mal als "Kult-Trainer". Er selbst kann nach neun Jahren als Profi-Cheftrainer in Freiburg damit wenig anfangen.

Ein englischer Künstler hat Christian Streich einmal eine Postkarte geschickt. Darauf malerisch festgehalten ist der Moment, als der Freiburger Trainer in der Saison 2019/20 am Spielfeldrand von Frankfurts Kapitän David Abraham umgerempelt wird, ins Straucheln gerät und zu Boden geht. "Der David Abraham ist ja eigentlich o.k., nur nicht, wenn er in der 89. Minute 0:1 zurückliegt, da ist er ver-rückt, also da hat er sich 'ver-rückt'", erklärt gestenreich im exklusiven SWR-Interview, fuchtelt mit den Händen in der Luft und sagt dann noch, "ich hab mich aber bestimmt auch schon mal ver-rückt!". Hat er. Auch deswegen ist Christian Streich für viele "Kult"! Streich selbst findet sich "schon verbogen, aber nicht total." Aber Kult? "Da musst doch schon ein bisschen älter sein, wie Mick Jagger", sagt der 55-Jährige und lacht.

Am Anfang war der Schal....

In diesen Tagen wird Christian Streich oft nach seinen Anfängen als Cheftrainer der Profis des SC Freiburg im Januar 2012 gefragt. Neun beeindruckende Jahre ist das her, dass er vom Co-Trainer von Marcus Sorg zu dessen Nachfolger aufstieg.

"Ich hab mich dann schon geschämt, dass ich Cheftrainer wurde und vorher so ein schlechter Co-Trainer war…“

Seine Herangehensweise von damals, ist das, was ihm noch heute Anerkennung verschafft. "Die wenigen Punkte (13) waren keine Last (....), weil man etwas schaffen konnte, was nicht erwartet wurde", erinnert sich Streich an den späteren Klassenerhalt in dieser Saison 2011/12. Und er verrät auch, dass sein grauer Schal bei seiner ersten Pressekonferenz ein Schutz war. Wärmend und wohlig-gut.

Neues Stadion, neuer Vertrag?

Auch nach neun Jahren bleiben sie sich in Freiburg treu. Keine langfristigen Verträge, lieber tiefes Vertrauen. Und Ehrlichkeit. Auch wenn es mal irgendwann zu Ende gehen sollte. "Ich will gehen und möchte mich von den Leuten verabschieden und zwar wie unter Freunden", erklärt Streich das Spezielle: "Und es ist möglich so!" So war es, und deswegen klappt es immer noch. "Sie mussten es halt mit mir aushalten!", sagt er zwinkernd zum Neunjährigen.


Das neue Stadion ist für Streich noch ziemlich weit weg. "Ich muss hier schauen, was los ist", sagt er und mit "hier" ist das Schwarzwaldstadion gemeint. "Hier müssen wir gewinnen und Niederlagen verdauen." Neulich war mal so ein seltener Besuch am neuen Stadion. "Es fühlt sich ganz leicht an, wenn du es siehst", schwärmt Streich. Als er dort war, hat ihn im Rohbau der Geräuschpegel eines Gummihammers beeindruckt. Und dann träumt sich der Realist Streich doch mal kurz in die Zukunft: "Wenn ich mir vorstelle, wenn 35.000 drin sind und einer trommelt, boah..." Davon abhängig machen wird er seine Zukunft in Freiburg aber nicht.

"Ich will nochmal träumen..."

Wer Christian Streich zum Jahresbeginn 2021 nach seinen sportlichen Zielen fragt, der sieht einen grinsenden Freiburger Trainer vor sich, der sich "den Klassenerhalt des SC Freiburg wünscht." Was er noch erreichen will und wovon er träumt, bleibt bei ihm: "Sonst ist es kaputt, ist weg. Ich will nochmal träumen, heute, morgen und auch danach…"

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