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Der SC Freiburg ist vielversprechend in die Saison gestartet. Hohe Niederlagen gegen die Spitzenteams haben jedoch für einige Sorgenfalten gesorgt. Die wollen sie im Winter glätten.

Die Lage

Wie es um den SC Freiburg steht, lässt sich am besten am Gesicht des Trainers Christian Streich ablesen. Zuletzt bei der Pressekonferenz nach dem Spiel in Leipzig hatten sich tiefe Furchen in die Miene des dienstältesten Coaches der Liga gegraben. Kein Wunder: Der Sportclub ist zwar mit einem 3:2 Sieg beim württembergischen Rivalen VfB Stuttgart gestartet – was im allgemeinen Balsam für die badische Fußballerseele ist. Aber einem starken Anfang folgte ein ebenso starkes Nachlassen. Die Mannschaft konnte nicht nachlegen und war insbesondere bei den Spielen in Dortmund (0:4), gegen Leverkusen (2:4) und in Leipzig (0:3) nicht auf Augenhöhe mit dem Gegner. Vor allem die große Zahl der Gegentreffer macht nachdenklich. Noch in der letzten Saison konnte Freiburg mit hoher Laufintensität und taktischer Disziplin individuelle Qualitätsnachteile wettmachen. Im Herbst 2019 stand Freiburg nach dem siebten Spieltag auf Rang 4, hatte 14 Punkte und 15:7 Tore. Die Zahlen im Herbst 2020 sind deutlich schlechter: Rang 14, 6 Punkte und 8:16 Tore.

Das läuft gut

Das ist relativ schnell erzählt. Der SC Freiburg hat auch in dieser Spielzeit eine durchaus Bundesliga-reife Mannschaft. Und in den Begegnungen gegen gleichwertige Gegner konnte man das auch wahrnehmen. Gut läuft auch, dass mit Dortmund, Leverkusen und Leipzig einige schwere Brocken aus dem Weg sind. Jetzt geht es auch mal gegen Teams wie Mainz, Augsburg oder Bielefeld. Da sind durchaus Punkte drin. Und ebenfalls eine gute Nachricht ist der Deal in der Länderspielpause mit sechs der sieben Nationalspieler wie etwa Vincenzo Grifo. Die müssen bis auf Amir Abrashi jeweils nur für eine der drei Partien abgestellt werden, können also nach negativem Corona-Test nach ihrer Rückkehr sofort wieder ins Training einsteigen.

Das muss besser werden

Die Abwehr, das Mittelfeld und der Sturm. Also beinahe alles, und man kann da eigentlich nur den Torhüter ausnehmen. Florian Müller wurde kurzfristig aus Mainz nach der schweren Verletzung von Mark Flekken geholt – und angesichts der kurzen Einarbeitungszeit erledigt er seine Aufgaben ordentlich. Ansonsten aber gilt es, individuelle Fehler zu verringern. Dass ausgerechnet Nicolas Höfler durch schlampige Abspiele bereits vier Gegentreffer einleitete, hat spürbare Verunsicherung zur Folge. Ihn müssen die Trainer schnellstens wieder stabilisieren. Die Mannschaft braucht jetzt rasch einen Erfolg und eine Belohnung für all das, was sie Spiel für Spiel investiert. Ein Sieg im nächsten Spiel gegen Mainz wäre wichtig für’s Punkte-Konto und noch wichtiger für das angekratzte Selbstvertrauen.

Die Neuen

Am überzeugendsten zeigte sich noch Zehn-Millionen-Einkauf Baptiste Santamaria. Den Auftaktsieg in Stuttgart hatte er noch verpasst, konnte dann aber schon im zweiten Saisonspiel gegen Wolfsburg seine Qualitäten zeigen. Ein gutes Aufbauspiel, solides Zweikampfverhalten und ein gutes Auge für den Abschluss – die zehn Millionen, Rekordeinkauf für den SC Freiburg, sind gut angelegt. Allerdings gilt auch für ihn, dass demnächst wieder ein Sieg her muss – drei Niederlagen und drei Unentschieden stehen auf Santamarias bisheriger Bundesliga-Liste. Da hat er sich sicher mehr versprochen, als er sich für Freiburg entschied, das in der Abschlusstabelle der vergangenen Saison noch den achtbaren achten Rang belegte. Neueinkauf Ermedin Demirović dagegen bekam bislang nur wenig Spielzeit, muss sich erst noch zum bundesligareifen Stürmer entwickeln. Der Bosnier müsse sich an die Bundesliga anpassen, so Streich. Der Niederländer Guus Til kam verletzt nach Freiburg und holt sich derzeit Spielpraxis im zweiten Team des SC. Sehr spannend ist die Personalie Woo-Yeong Jeong. Der junge Außenstürmer aus Südkorea wird als Riesentalent gehandelt – und Christian Streich hat bekanntlich ein Händchen für die Entwicklung junger, vielversprechender Fußballer. Der Weggang von Leistungsträgern wie Robin Koch, Luca Waldschmidt und Alexander Schwolow konnte dennoch bislang nicht kompensiert werden.

Der Trainer

Ist nach wie vor außerhalb jeder Diskussion und wird das auch bleiben. Christian Streich ist einer der beliebtesten Trainer in der Liga – und das mit gutem Grund. Er ist während der neunzig Spielminuten und auch noch danach zwar regelmäßig in einem ungesunden Blutdruckbereich. Aber er gilt als Spielerentwickler, der Fußballer an ihr absolutes Optimum heranführen kann – auch weil sie sich für ihren Trainer zerreißen. Aber er weiß auch, wie nah seine Mannschaft immer mal wieder den Abstiegsplätzen kommen kann – und wie schwierig es wird, wenn erst mal der Zweifel nagt. Deswegen wird auch er alles dafür tun, im nächsten Saisonspiel gegen Mainz einen Dreier zu landen. Und es ist ihm auch dieses Mal zuzutrauen, dass er das wieder schafft. Dann sollten sich auch die Sorgenfalten auf der Stirn des Trainers wieder glätten.

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