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Kein Mannschaftstraining in der Corona-Krise, auch beim SC Freiburg wird bis auf Weiteres nur individuell trainiert. Ein Ballzauberer wie Mittelfeldspieler Vincenzo Grifo kann dennoch nicht den Fuß vom Spielgerät lassen.

Die Szenen sind beeindruckend, wie im Fußballzirkus. Vincenzo Grifo tänzelt mit dem Ball in der Luft quer durch die eigene Küche, hin und her und wieder zurück. Noch beeindruckender ist ein anderes Video auf der Instagram-Seite des Freiburgers: Diesmal jongliert der Mittelfeldspieler das Leder auf seinem Kopf, während er sich gleichzeitig die Zähne putzt. Akrobatisch, schön. Gelernt als Kind auf dem Bolzplatz, angewandt in der Corona-bedingten Pause. "Da putzt man sich halt mal die Zähne mit dem Ball, weil man den einfach so vermisst!"

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Vincenzo Grifo, die italienische Frohnatur, macht das Beste aus seinem "Homeoffice" als Fußballprofi. Statt Übungseinheit mit der Mannschaft, wird das Zuhause zum Trainingsplatz. Das Fahrrad auf der Terrasse, Stabi-Einheiten im Wohnzimmer und Joggen natürlich weiter vor der Haustüre. Und Grifos Spezialität, das Freistoß-Schießen? "Da nehm' ich eine Vase im Wohnzimmer und schieße sie ab, und dann ohrfeigt mich mein Frau", sagt er im Interview mit SWR Sport, lacht schelmisch und schiebt gleich hinterher. "Nein, nein, nein!!! Das mache ich natürlich nicht!"

Kontrolle per Chipsensor und Pulsgurt

Jeden Sonntag wird beim SC Freiburg überprüft. Die Profis tragen Pulsgurte und haben Chip-Sensoren. Ein bis zwei Trainings-Einheiten stehen pro Tag an. "Das ist ein bisschen wie in der Winterpause, wenn man Trainingspläne mit nach Hause bekommt." Vincenzo Grifo ist gut strukturiert: Um 11:30 Uhr Laufen, dann Mittagessen, duschen, gegen 15, 16 Uhr die nächste Einheit. Und das wird beim SC Freiburg kontrolliert. Sonntags werden die Daten abgegeben, dann sollte das Trainerteam genug Material zur Analyse haben. Und Grifo bringt es auf den Punkt: "Sobald es weiter geht, wollen wir ja auch fit sein!".

Der "Tedesco" auch in der Nationalelf im Wartestand

Der Kontakt zur Familie in Italien ist eng. Quer durchs Land verstreut hat der SC-Profi dort Verwandtschaft. Bislang geht es den Tanten und Onkels gut, erzählt Grifo, aber spurlos geht das alles nicht an ihm vorbei: "Wenn man im Fernsehen die Bilder der Militärwagen sieht, die Leichen abholen, dann ist das schon beängstigend." Dass er eigentlich gerade mit der italienischen Nationalmannschaft in der Vorbereitung auf den Klassiker gegen Deutschland wäre, ist ganz weit weg. Denn der "Tedesco", wie sie ihn im Kreis der italienischen Nationalmannschaft nennen, ist eben auch Mensch und Realist. "Denn im Moment geht die Gesundheit einfach vor!". Der Profisportler in Grifo nimmt derweil sein Homeoffice ernst. Denn als Bundesliga-Profi, so der Mittelfeldmann, "ist das schon richtig, zuhause diszipliniert zu arbeiten!". Das werden sie beim SC Freiburg gerne hören.

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