Italiens Nationalspieler Wilfried Gnonto (Foto: IMAGO, Imago)

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Italiens Shooting-Star Wilfried Gnonto - einer für den SC Freiburg?

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Kersten Eichhorn

Spätestens nach Tor und Vorlage in den Nations-League-Spielen gegen Deutschland kennen die Fans hierzulande den Namen des jungen Italieners Wilfried Gnonto. Der 18-Jährige wird immer wieder mit dem SC Freiburg in Verbindung gebracht.

Von Freiburg nach Zürich sind es gerade einmal 87 Kilometer Luftlinie. Da wäre es geradezu naiv zu glauben, man würde beim SC Freiburg den Namen Wilfried Gnonto nicht schon etwas länger kennen. Schließlich zählt gerade der Spielermarkt in der nahen Schweiz zu einem der bevorzugten Beobachtungsgebiete des Sport-Club-Scoutings.

Zwei Ausrufezeichen gegen Deutschland

Die meisten Fußballfans hierzulande haben den "Willy", wie er genannt wird, dagegen erst vor wenigen Tagen näher kennengelernt. Und dürften beeindruckt gewesen sein: Gleich zweimal sorgte der erst 18-jährige italienische Angreifer des neuen Schweizer Meisters FC Zürich in der Nations League gegen Deutschland für Aufsehen: Beim 1:1 im Hinspiel in Bologna feierte Gnonto nicht nur sein Debüt für die Squadra Azzura, sondern bereitete als Joker gleich noch wunderbar den 1:1-Ausgleich vor.

Beim 2:5 der Italiener im Rückspiel in Mönchengladbach sorgte der kleine, aber kräftige und antrittsschnelle Stürmer in der Startelf für einigen Wirbel und schoss sein erstes Länderspieltor, er ist damit der jüngste Torschütze überhaupt in Italiens Fußball-Historie. 18 Jahre und 222 Tage. Respekt.

"Willy ist ein phantastischer Junge, er hat große Qualitäten und wird seinen Weg gehen. Ein 18-jähriger Lausbub mit Zahnspange, Schwarm aller Schwiegermütter. Ein guter Typ."

Gerüchte werden in Freiburg nicht kommentiert

Schon seit Wochen wird der SC Freiburg mit einem möglichen Transfer von Wilfried Gnonto in Verbindung gebracht. Die Mutmaßungen, dass der junge Mann in den Breisgau wechseln könnte, halten sich hartnäckig. Die entsprechende Nachfrage von SWR Sport in Freiburg wird mit dem verständlichen Hinweis "Gerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht" beantwortet. Während der Kicker zuletzt berichtete, Freiburg habe von einem Transfer Gnontos Abstand genommen, meldete Sky ein nach wie vor vorhandenes Interesse.

Gnonto die Entedeckung in der Schweizer Liga

Grundsätzlich wäre ein Transfer des hochspannenden Spielers aus mehrerlei Gründen interessant: Zum einen gilt Gnonto nicht nur im italienischen Nationalteam, sondern auch in der Schweizer Liga als eine der großen Entdeckungen der vergangenen Saison. Der junge Profi machte enorme Fortschritte und beteiligte sich mit acht Saisontreffern und mehreren Vorlagen für den FC Zürich am sensationellen Titelgewinn des neuen Meisters. Sein Vertrag ist bis 2023 datiert.

Mit seinem großen Talent und Tempo würde Gnonto bestens in den Freiburger Bundesliga- und Europa-League-Kader passen, unter dem Jugendförderer Christian Streich könnte der Spieler für die nächsten Karriereschritte reifen.

Gute Freiburger Erfahrungen mit Spielern aus der Schweiz

Mit Transfers aus der nahen Schweiz, wo man sich bestens auskennt, haben die Freiburger zudem in der Vergangenheit immer wieder gelungene personelle Transaktionen durchgeführt: Roman Bürki, Admir Mehmedi, Amir Abrashi, Gelson Fernandes und zuletzt Ermedin Demirovic waren aus dem Nachbarland ins Breisgau gekommen. Und auch in den Freiburger Nachwuchsteams tummeln sich derzeit einige vielversprechende Talente aus dem Land der Eidgenossen.

Wilfried Gnonto, dessen Eltern von der Elfenbeinküste stammen, ist zwar in Verbania am italienischen Ufer des Lago Maggiore geboren und aufgewachsen und bei Inter Mailand groß geworden, wechselte aber schon mit 16 Jahren in die Jugendakademie des FC Zürich.

Matthias Ginter kommt vom Borussia Mönchengladbach nach Frankfurt (Foto: IMAGO, IMAGO / Sven Simon)
Nach acht Jahren in Nordrhein-Westfalen kehrt Matthias Ginter im Sommer zurück in den Breisgau. Der Weltmeister von 2014 ist ein echtes Freiburger Eigengewächs und kam bereits in der D-Jugend in die Freiburger Fußballschule. Insgesamt bestritt der Innenverteidiger bisher 81 Pflichtspiele für den SC. IMAGO / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Ritsu Doan wechselt vom niederländischen Topklub PSV Eindhoven zu den Breisgauern. Der japanische Nationalspieler kennt die Bundesliga bereits. In der Saison 2020/21 kickte der Flügelspieler auf Leihbasis für Arminia Bielefeld. Über die Ablösemodalitäten machte der SC ebenso wie über die Vertragslaufzeit keine Angaben. IMAGO / ANP Bild in Detailansicht öffnen
Der SC Freiburg hat das Rennen um Daniel-Kofi Kyereh gewonnen. Der begehrte Offensivspieler vom FC St. Pauli wechselt in den Breisgau. Die Ablösesumme soll laut Medienberichten zwischen vier und fünf Millionen Euro liegen. Kyereh hatte durch eine starke Saison mit dem FC St. Pauli das Interesse einiger Bundesligisten geweckt. Wettbewerbsübergreifend kam der ghanaische Nationalspieler für den Kiezklub in der abgelaufenen Spielzeit auf 13 Tore und elf Vorlagen. IMAGO / Uwe Kraft Bild in Detailansicht öffnen
Kann was mit dem Ball am Fuß: Aus Augsburg wechselt Michael Gregoritsch in den Breisgau. Der 28-Jährige hat mit 188 Bundesligaspielen eine Menge Erfahrung und erzielte bislang 40 Tore. Der Österreicher ist bis heute mit 15 Jahren und 361 Tagen jüngster Torschütze in der österreichischen Bundesliga. IMAGO / kolbert-press Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem 18-jährigen Robert Wagner kann sich Freiburg außerdem auf frischen Wind aus den eigenen Reihen freuen. Der U19-Nationalspieler konnte in der zweiten Mannschaft des SC überzeugen und wurde bereits im Januar mit einem Profivertrag ausgestattet. Ab dieser Saison soll er fest zum Bundesligakader des Pokalfinalisten gehören. IMAGO / Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Verabschieden müssen sich die Freiburg-Fans von Nico Schlotterbeck. Der 22-Jährige war einer der Shootingstars der vergangenen Saison, stand 32 Mal in der Startelf des SC. Ab kommender Saison wird er für Borussia Dortmund auflaufen, die den Breisgauern eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro zahlen. IMAGO / Michael Weber Bild in Detailansicht öffnen
Auch Niclas Thiede hat den SC verlassen. Der 23-jährige Torwart war vergangene Saison an den SC Verl ausgeliehen und konnte in der 3. Liga Spielerfahrung sammeln: 29 mal stand er für die Ostwestfalen zwischen den Pfosten. Dort überzeugte er und wurde zur Saison 2022/23 schließlich fest verpflichtet. IMAGO / pmk Bild in Detailansicht öffnen
Sein letzter Schuss: Ermedin Demirovic wird beim DFB-Pokalfinale in Berlin zum tragischen Helden, als er seinen Elfmeter an die Latte wuchtet. Am 8. Juli wird sein Wechsel zum FC Augsburg bekanntgegeben, zeitgleich wechselt Michael Gregoritsch von den Fuggerstädtern nach Freiburg. IMAGO / Picture Point LE Bild in Detailansicht öffnen
Nach sechs Jahren in Freiburg verabschiedet sich Janik Haberer in Richtung Hauptstadt. Der Mittelfeldspieler wechselt ablösefrei zu Union Berlin. Insgesamt 170 Mal lief der 28-Jährige für den Sportclub auf. Dabei erzielte er 14 Tore und bereitete 16 Treffer vor. IMAGO / Langer Bild in Detailansicht öffnen
Auch Luca Itter wird nicht an die Dreisam zurückkehren. Der linke Verteidiger schließt sich Greuther Fürth an. Bereits im Januar 2021 wechselte Itter auf Leihbasis zum Zweitligisten. Zur Saison 2022/2023 wurde er fest verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2025 ausgestattet. Freiburg hat sich neben der Ablösesumme von 300.000 Euro eine Weiterverkaufsbeteiligung gesichert. IMAGO / Zink Bild in Detailansicht öffnen

Viel Lob für Shooting-Star "Willy" in der Schweiz

"Der märchenhafte Aufstieg des FCZ-Stürmers Gnonto", schrieb auch die Neue Zürcher Zeitung vor ein paar Tagen, er sei inzwischen "der wertvollste Fußballer der Super League". Auch der mediale Züricher Branchenführer geht längst davon aus, das Wilfried Gnonto den FC Zürich im Sommer "für eine respektable Ablösesumme verlässt und in eine Topliga wechselt."

Jetzt kommt allerdings das große Aber: Im Gespräch ist eine Ablösesumme von mindestens 10 Millionen Euro. Das ist sehr viel Geld für einen 18-jährigen Jungprofi, zumal nach zwei Corona-Jahren, und könnte ein Freiburger Interesse erkalten lassen. Andererseits aber hätte Gnonto bei guter Entwicklung in der Bundesliga schnell den mehrfachen Marktwert.

Gnontos Förderer Breitenreiter jetzt in Hoffenheim

Zuletzt wurde auch ein möglicher Wechsel von Wilfried Gnonto zum badischen Nachbarn TSG Hoffenheim ins Spiel gebracht. Wen wundert`s, haben doch die Kraichgauer mit ihrem neuen Trainer André Breitenreiter ausgerechnet den letztjährigen Coach und Förderer des Spielers vom FC Zürich verpflichtet. "Willy ist ein phantastischer Junge", schwärmt Breitenreiter gegenüber SWR Sport von Gnonto, "er hat große Qualitäten und wird seinen Weg gehen". Breitenreiter mit einem Schmunzeln: "Ein 18-jähriger Lausbub mit Zahnspange, Schwarm aller Schiegermütter. Ein guter Typ, der noch Tore schießt, was will man mehr".

Die TSG hat andere Transfer-Prioritäten

Nach SWR Informationen hatte die bestens vernetzte TSG den attraktiven jungen Spieler natürlich schon vor seiner Länderspiel-Premiere längst auf dem Merkzettel, das Hoffenheimer Team ist allerdings auf den Offensivpositionen bereits mehr als ausreichend bestückt. "Wir haben andere Prioritäten", sagt Neu-Trainer Breitenreiter kurz und knapp. Beispielsweise in der Innenverteidigung. Zumal Wilfried Gnonto spätestens nach seinen Länderspiel-Einsätzen für Hoffenheim kein "Billigheimer" mehr ist. Aber wer weiß: "Wenn Willy Hilfe oder einen Rat braucht", so Andre Breitenreiter, "dann ruft er mich an...".

Entwicklungshelfer Grifo für Gnonto?

Und so könnte die Spur von Wilfried Gnonto demnächst vielleicht doch Richtung Freiburg führen? Zumal der Sport-Club mit dem Schlotterbeck-Transfer nach Dortmund gutes Geld verdient und - im Gegensatz zu Hoffenheim - weitere wichtige Einnahmen aus der Europa League erwartet.

Und nicht zu vergessen, ein weiteres Argument: Mit Vincenzo Grifo zählt bereits ein italienischer Nationalspieler zu den Führungskräften im Breisgau. Der allseits beliebte "Vince" könnte also bei "Willy" beste Integrations- und Entwicklungshilfe leisten und für entsprechende Heimatgefühle sorgen.

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Kersten Eichhorn

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