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Christian Streich gehört zum SC Freiburg wie der Dom nach Köln. Seit genau acht Jahren ist der 54-Jährige Cheftrainer der Südbadener. Bei Streichs Debüt spielte Matthias Ginter eine wichtige Rolle.

Es war am 21. Januar 2012 - vor genau acht Jahren. Christian Streichs erstes Bundesligaspiel als Cheftrainer des SC Freiburg. Die Krönung eines langen Aufstiegs - denn der Coach hatte sich beim SC "hochgedient".

Eigentlich wollte Streich nach seiner Profi-Karriere Lehrer für Sport, Germanistik und Geschichte werden. Doch er entschied sich dann für die Trainerlaufbahn beim SC Freiburg. Dort war Streich viele Jahre Nachwuchscoach, wurde drei Mal Pokalsieger und gewann mit den A-Junioren den deutschen Meistertitel.

Aus Nachwuchs-Spielern machte er Profis

Im Sommer 2007 wurde Streich unter Profi-Chefcoach Robin Dutt zum Trainerassistenten befördert. Seine Hauptarbeit lag weiterhin aber beim Nachwuchs. Unter seiner Regie schafften Jugendspieler wie Dennis Aogo, Ömer Toprak und Oliver Baumann den Sprung zu den Profis. Zu Beginn der Saison 2011/12 wurde Streich Co-Trainer bei den Profis unter dem neuen Chefcoach Marcus Sorg. Nur wenig später, am 29. Dezember 2011, übernahm Streich selbst die Verantwortung für die Profimannschaft.

Streichs goldenes Händchen bei Ginters Bundesliga-Debüt

Somit feierte er - eben genau am 21. Januar - sein Debüt als Profitrainer. Freiburg empfing den FC Augsburg zum Kellerduell - der Letzte traf auf den Vorletzten. Und selbst in einem so vorentscheidenden Spiel im Kampf um den Klassenerhalt hatte Streich den Mut, auf junge Spieler zu setzen. Den gerade erst zwei Tage vorher 18 Jahre alt gewordenen Matthias Ginter wechselte Streich in der 70. Minute beim Stand von 0:0 ein, der Youngster entschied schließlich das Spiel in der 88. Minute mit seinem Treffer zum 1:0-Endstand.

Matthias Ginter bejubelt seinen Treffer zum 1:0 für den SC Freiburg gegen den FC Augsburg (Foto: Imago, Sven Simon)
Matthias Ginter bejubelt seinen Treffer zum 1:0 für den SC Freiburg gegen den FC Augsburg Imago Sven Simon

Der Rest ist bekannt: Freiburg legte unter Streich eine fulminante Aufholjagd hin und wurde am Ende Zwölfter. Ginter startete eine Karriere, die ihn unter anderem 2014 den WM-Titel bescherte und auf Klubebene zu Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach führte. Auch ein Verdienst von Streich, der den jungen Profi formte.

Deshalb lässt sich auch nach acht Jahren noch sagen: Ohne Streich wäre die Fußballszene in Deutschland um einiges ärmer. Die authentische Art vom "Mann des Jahres 2017" (Wahl der "kicker"-Redaktion) ist eine große Bereicherung - egal ob am Spielfeldrand oder auf Pressekonferenzen. Manchmal gibt sich der aktuell dienstälteste Trainer der Bundesliga zurückhaltend ("Ich bin auf der Bank. Mein Name ist Streich"), mal legt er eine ordentliche Schippe drauf und redet Klartext - egal ob es sich um das Thema AfD, die Flüchtlingsdebatte oder um die Arbeit der Schiedsrichter handelt. Seine Sätze garniert er mit einer Prise badischem Dialekt. Ein echtes Original.

Dauer

Nicht nur seine legendären Sprüche, sondern auch sein Engagement zeichnen den Freiburger Cheftrainer aus. Deshalb wird er von vielen Trainer-Kollegen besonders geschätzt:

"Christian Streich ist der Vater aller Spieler ... Für mich ist er eigentlich jedes Jahr, wenn sie nicht absteigen, Trainer des Jahres."

Ottmar Hitzfeld im SWR-Interview

"Streich zeichnet ein sicherer Blick für Talente aus. Zudem schafft er es, aus seiner Mannschaft stets das Maximum herauszuholen - und schont sich dabei selbst nicht. Da steckt unheimlich viel Herzblut drin."

Jupp Heynckes

Ob Bücherprojekt (Streich wurde vom Börsenverein des Deuschen Buchhandels zum "Bücherfreund des Jahres 2017" gewählt), ob ein Trikot von Manuel Neuer für seinen Sohn ergattern oder ob Fußballcoach: Wenn Christian Streich etwas anpackt, dann macht er das zu hundert Prozent.

Eine stabile Beziehung

Weil die Uhren in Freiburg etwas anders ticken als bei den übrigen Bundesligaklubs, hielt die Vereinsführung auch an Streich fest, als das Team im Sommer 2015 aus dem Fußball-Oberhaus abstieg. 2017 - in der ersten Bundesligasaison nach dem Wiederaufstieg - gelang dem Trainer mit seinem Team fast schon sensationell die Qualifikation für die Europa-League. Auch in dieser Saison läuft es Top, Freiburg ist nach 18 Spieltagen Sechster. Der SC Freiburg und Christian Streich - das ist eine stabile Beziehung, auch wenn es sportlich mal nicht so läuft.

Nun hat er bereits acht Jahre auf dem Buckel, seit er erstmals in einem Pflichtspiel auf der Bank der Freiburger Profis saß. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Die SC-Trainer-Ikone Volker Finke ist allerdings noch in weiter Ferne. Finke trainierte die Breisgauer 16 Jahre lang. Da Freiburg ohne Streich nicht vorstellbar ist, ist allerdings selbst diese Marke für den 54-Jährigen nicht unrealistisch.

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