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Christian Günter ist ein Vorzeige-Profi: Einst kickte er als Jugendlicher in der Fußballschule des SC Freiburg. Seit dieser Saison ist er Kapitän beim Team von Trainer Christian Streich. Einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Karriere trägt auch die Nähe zur südbadischen Heimat und seiner Familie bei.

Am Ende war es zu wenig, für Christian Günter und den SC Freiburg. Beim Heimspiel am vierten Bundesliga-Spieltag konnte man den Breisgauern wieder einmal nicht viel vorwerfen: Kampf, Einstellung und Siegeswillen waren da, dennoch fehlte beim 1:1 gegen den SV Werder Bremen der eine, entscheidende Moment: ein Geistesblitz. Den hatte zwar Jonathan Schmid bei seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0, eine Abseitsstellung von Vorlagengeber Roland Sallai verhinderte den Treffer aber.

Auch Kapitän Günter rackerte wieder einmal unermüdlich, eroberte Bälle und warf sich in jeden Zweikampf. Ein echter Leader, der wohl wie kaum ein anderer die SC-Tugenden verkörpert. Seit dieser Saison trägt der 27-Jährige die Kapitänsbinde. Für Papa Eckhard Günter eine ganz besondere Ehre: "Ich habe eine unglaubliche Freude. Gerade weil nicht der Trainer, sondern die Mannschaft bestimmt hat. Das hat einen ganz großen Stellenwert."

Vom Azubi zum Bundesliga-Profi

Groß ist auch die Bindung der Günters zum Verein und zur Schwarzwald-Region. Geboren in Villingen-Schwenningen, wuchs der Linksfuß in Tennenbronn bei Schramberg auf. Über sämtliche Jugendmannschaften des SC Freiburg gelang ihm schließlich 2012 der Sprung in den Bundesliga-Kader. Bevor er allerdings Profi wurde, absolvierte Günter nach der Realschule eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Eher untypisch für einen Bundesligaprofi. Sicherheit und Planbarkeit stand für den jungen Kicker zunächst auf einer Ebene mit dem Fußball. Also pendelte Günter täglich um die 70 Kilometer zwischen Arbeit und Fußballplatz, lernte Stressresistenz und Durchhaltevermögen. Tugenden, von denen er bis heute im schnelllebigen Profigeschäft profitiert.

Und das hat sich gelohnt: Der linke Verteidiger ist kaum mehr wegzudenken aus Freiburg. Günter ist sowas wie der "Dauerbrenner" unter Streich. Nach vier Spieltagen hat der Tennenbronner keine Spielminute verpasst. Auch in der vergangenen Saison stand die Nummer 30, der sich besonders durch seine Laufstärke und seine scharfen und präzisen Flanken auszeichnet, bei allen Bundesligapartien auf dem Spielfeld. Freiburg, Streich und Günter - das passt einfach.

Erziehung hat sich durchgesetzt

Ohnehin ist die Bodenständigkeit bei den Günters deutlich zu spüren. Hört man Christian Günter oder seinen Eltern zu, scheint "meckern" zum Fremdwort zu werden. Andrea und Eckhard Günter sind einfach stolz auf ihren Sohn. Ob er sich verändert hat? "Er ist bodenständig geblieben. Ich glaube, dass er sich wohl fühlt in der Nähe seiner Heimat", sagt Mutter Andrea bei SWR Sport. Eine Stunde Fahrtzeit beträgt der Weg zum Sohnemann nach Freiburg. Daran hätten sie sich inzwischen gewöhnt. Generell ist der Ton in der Familie herzlich und unaufgeregt: Viel Gutes, wenig Schlechtes. Kein Wunder, dass sich der Verteidiger so wohl und wertgeschätzt fühlt: "So wie ich erzogen wurde, so wie das Leben bei uns zu Hause ist, so ist es ähnlich hier. Deshalb bin ich schon so lange da."

Vertrag bis 2022

In seiner Komfortzone wird der 27-Jährige vorerst bis 2022 bleiben. Bis dahin läuft sein Arbeitspapier im Breisgau. Doch was kommt danach? Schwer vorzustellen, dass Freiburg und Günter eines Tages getrennte Wege gehen. "Der Fußball ist schnelllebig. Ich will nie etwas ausschließen, genauso wenig schließe ich aus, dass ich für immer hier bin", so der Kapitän. Das würden auch seine Eltern sicherlich begrüßen. Vor zehn Monaten wurde Christian Günter Papa. Tochter Nele erblickte das Licht der Welt. Dann wollen Oma Andrea und Opa Eckhard auch Zeit mit ihrer Enkeltochter verbringen. "Ich hoffe schon, dass er in Freiburg bleibt", so Andrea Günter bei SWR Sport.

"Wenn ich es nicht sehe, ist alles gut"

So scheint in der Schwarzwald-Idylle bei den Günters weiterhin alles in bester Ordnung zu sein. Allerdings nur so lange, bis der SC Freiburg zum nächsten Spiel antritt. Denn dann schaut nur Papa Eckhard seinem Sohn im Fernsehen beim Kicken zu. Mutter Andrea klinkt sich vor lauter Aufregung aus. "Ich kann's mir einfach nicht angucken. Wenn ich es nicht sehe, ist alles gut." Zu groß sind die Sorgen der Mutter, ob ihr Sohn auch gesund bleibt und ein gutes Spiel macht. Beides hat Christian Günter schon oft bewiesen. Denn auf den Dauerbrenner beim SC Freiburg ist stets Verlass.

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