Vincenzo Grifo vom SC Freiburg mit gelebtem Fairplay gegen Eintracht Frankfurt (Foto: imago images, Jan Hübner)

Fußball | Bundesliga

SC Freiburg: Wenn schon verlieren, dann mit Anstand

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Der Sportclub Freiburg hat zweimal in Folge verloren, zuletzt gegen Eintracht Frankfurt. Macht nichts, so die Meinung von SWR Sportreporter Günther Schroth. Denn man kann auch "mit Gewinn" verlieren.

Selten habe ich erlebt, dass eine Mannschaft mit so viel Anstand verlieren kann wie jetzt im Stadion des SC Freiburg. Die Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt ist - zumindest moralisch - für mich ein Sieg. Das liegt an der Art und Weise, wie sich nach dem Spiel Trainer und Spieler zur Niederlage geäußert haben. Christian Streich gratulierte dem Gästetrainer Oliver Glasner auf der anschließenden Pressekonferenz zum Sieg. Dass sich ein Trainer eine Gratulation abringt, weil er verloren hat, gibt es öfter. Aber Christian Streich musste sich diese Glückwünsche nicht abringen. Er gratulierte, weil Frankfurt echt guten Fußball spielte und Frankfurts Glasner nahm dieses Kompliment der Trainer-Ikone dankend an. Denn Christian Streich sagt auf solchen Pressekonferenzen was er denkt. Und nicht das, wovon er denkt, dass es beim Publikum am besten ankommt. Daher ist seine Gratulation auch absolut glaubwürdig.

Grifo erklärt Schwalbe zur Schwalbe

Im neuen Freiburger Stadion entsteht viel Nähe. Die Architekten haben die Reporter und das Publikum so nah am Rasen postiert, dass sie in den Gesichtern der Akteure lesen können. Und natürlich war Christian Streich während des Spieles so, wie wir ihn kennen. Ein emotional aufgeladener Breisgau-Vulkan. Erstaunlich ruhig aber blieb er, als Vincenzo Grifo im Strafraum fiel und das Stadion vehement einen Elfmeter forderte. Der Sturz von Grifo war nämlich eine Schwalbe. Fußballer haben das reflexartig in sich, zu fallen, wenn der Gegner im Strafraum nahekommt. Dass Grifo aber anschließend seine Schwalbe zur Schwalbe erklärte und nicht zum Foul, macht die Freiburger Niederlage zu einem sehr seltenen Fußball-Moment. Vom Gegner regnete es Lob, der Schiedsrichter ließ eine mögliche Gelbe Karte stecken und Grifo versuchte es statt mit Fallen mit Fußballspielen.

Ehrlicher Fußball und Sportsgeist

Auch das war nach dem Spiel Thema beim Treffen mit den Journalisten. Wie er das gefunden habe, wurde Streich gefragt. Seine Antwort war kurz, klar und alemannisch: “So isch’s richtig.” Der richtige Fußball, wie er im Breisgau gespielt wird, ist Fußball ohne Allüren, Fußball ohne Tricksereien und Fußball mit einem Anspruch auf Anstand. Frankfurts Glasner lobte denn auch zurück: Der SC Freiburg stehe für ehrlichen Fußball, Fairplay und Sportsgeist. In einer Zeit der pandemischen Aufgeregtheiten um ungeimpfte Profis tut dem Fußball diese „gelungene“ Freiburger Niederlage außerordentlich gut. Freiburg verliert, aber gewinnt weiter an Anerkennung.

Und die Tabelle bestätigt die Freiburger. Da steht der Sportclub immer noch auf Rang drei. Auch wenn die Mannschaft jetzt zweimal in Folge verloren hat, was normalerweise ein Anlass ist, Spieler und Trainer zu hinterfragen. Nur in diesem Fall nicht. Tabellarisch ist der SC Freiburg immer noch zu Recht Dritter. Moralisch ist er für mich Bundesliga-Spitzenreiter.

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