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Vincenzo Grifo funktioniert einfach beim SC Freiburg. Nach Toren gegen Bayern und Schalke vor dem Jahreswechsel will Grifo an diese Leistungen anknüpfen - und mit der Squadra Azzurra im Sommer zur EM.

In den beiden letzten Hinrundenspielen drehte Vincenzo Grifo nochmal auf: ein Tor beim unglücklichen 1:3 gegen die Bayern, ein gechippter "Panenka"-Elfmeter beim 2:2 zum versöhnlichen Jahresausklang auf Schalke. Der Deutsch-Italiener präsentierte sich in Form beim Sport-Club, was ja nichts Neues ist. Denn im Breisgau fühlt sich Vincenzo Grifo wohl, hier ist der gebürtige Pforzheimer zuhause. Vier Scorerpunkte in elf Saisonspielen, in seiner gesamten "SCF-Vita" kommt Grifo nun auf die starke Quote von 28 Toren und 32 Vorlagen in 87 Erst- und Zweitligaspielen.

Grifos Zick-Zack-Kurs durch die Bundesliga

26 Jahre ist der Kreativspieler des SC Freiburg nun alt. Und er hat viel erlebt, war vor allem viel unterwegs: In der Jugend holte ihn der KSC, wo Grifo sich in der U19 ins Rampenlicht spielte. Die TSG Hoffenheim klopfte an und verpflichtete ihn. 2012 feierte er gegen Greuther Fürth sein Bundesliga-Debüt. Es folgten elf weitere Bundesliga-Einsätze, danach stockte die Entwicklung. Über die Stationen Dynamo Dresden und FSV Frankfurt sammelte er in der 2. Liga Spielpraxis, von 2015 bis 2017 spielte Grifo dann erstmals beim SC Freiburg im Breisgau auf. Eine erfolgreiche Zeit.

Nicht glücklich in Gladbach

Weniger erfolgreich war seine Zeit in Gladbach, wo Grifo 2017 den nächsten Entwicklungsschritt machen wollte. Bis 2021 hatte er im Westen unterschrieben, doch ein Jahr und 17 Spiele (null Tore, vier Assists) später war der Mittelfeldspieler schon wieder weg. Sowohl die "Fohlen", als auch Vincenzo Grifo selbst, hatten sich mehr vorgestellt. 2018 kehrt er also zurück nach Hoffenheim, wo er unter Julian Nagelsmann sieben von möglichen 17 Hinrundenspielen machte. Also wieder nicht die erhoffte Spielpraxis erhielt, wieder nicht die erhoffte Leistungsexplosion vollzog.

Dauer

Erst ausgeliehen, dann fest verpflichtet

Grifo wurde für die Rückrunde 2018/2019 in den Breisgau ausgeliehen. Streichs Einschätzung damals: "Er ist einer, der sich zerreißen will. Er geht voraus, das habe ich gewusst. Das Zurückkehren ist immer so eine Sache, aber mit ihm hatte ich null Sorge."

Streich behielt Recht: Grifo lief in der Rückrunde 16 Mal auf und zeigte mit sechs Toren und vier Assists seine Bedeutung für den Sport-Club. Entgegen der Erwartung von Hoffenheims Manager Alexander Rosen kehrte Grifo nach der erfolgreichen Rückrunde kurz vor Transferschluss endgültig zum SC Freiburg zurück.

"Er ist ein absoluter Teamplayer", lobte Streich erneut seinen Zögling. Seine Persönlichkeit, Kritikfähigkeit und seine fußballerischen Fähigkeiten machen ihn laut Streich zu einem besonderen Spieler. Trotzdem machte der Fußballlehrer von Beginn an klar, dass auch Grifo keine Einsatz-Garantie habe.

Debüt mit der "Nummer 10" in der "Squadra Azzurra"

Mit einem bestimmten Einsatz hat Grifo jedenfalls kaum gerechnet: Im November 2018 flossen Tränen bei Vincenzo Grifo - Freudentränen. Denn Italien-Trainer Roberto Mancini nominierte den Deutsch-Italiener Grifo für die "Squadra Azzurra". Am 20. November 2018 debütierte er im Freundschaftsspiel gegen die USA eine Halbzeit lang als Linksaußen. Für Grifo die größte Auszeichnung überhaupt. Weil Lorenzo Insigne krank war, durfte Grifo beim Debüt sogar gleich mit der "10" auflaufen, der Nummer seines großen Vorbilds Roberto Baggio.

Über Leistungen beim SC will sich Vincenzo Grifo für weitere Einsätze in der Nationalmannschaft und dadurch auch für die Europameisterschaft im Sommer empfehlen. Zuletzt spielte der 26-Jährige im Oktober beim 5:0-Sieg über Liechtenstein, wo Grifo ein Tor vorbereitete.

"Die Hymne gebrüllt wie Geisteskranke"

In einem Interview mit dem Magazin "11 Freunde" beschrieb Grifo, wie sehr Italien in seinem Elternhaus eine Rolle spielt: "Zu Hause in Pforzheim wurde Italienisch geredet. Es gibt für mich nicht Größeres als Orecchiette von Mama. Immer lief der Fernseher, Serie A. Ich liebe Inter Mailand. Und wenn ein Länderspiel war, standen Francesco, Pino und ich in einer Reihe. Mit der Hand auf der Brust haben wir die Hymne gebrüllt wie Geisteskranke."

Vincenzo Grifo sieht Rot - Drei Spiele Sperre

Ein unschönes Erlebnis hatte Vincenzo Grifo im November. Nach dem brutalen Bodycheck von Frankfurts David Abraham gegen SC-Trainer Christian Streich verteidigte Grifo seinen Trainer, indem er im Überschwang der Emotionen Frankfurts Verteidiger ins Gesicht langte. Der DFB sperrte daraufhin Grifo für drei Spiele, Abraham wurde für den Rest des Jahres 2019 gesperrt.

Vincenzo Grifo tauchte am 14. Dezember bei der 0:1-Auswärtsniederlage bei Hertha BSC wieder in der Bundesliga auf, danach folgten die Tore gegen Bayern und Schalke. Sollte Vincenzo Grifo auch 2020 an seine Leistungen anknüpfen, wäre dies keine Überraschung. Denn das Herz des Deutsch-Italieners scheint in Freiburg am rechten Fleck zu sein.

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