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Malerisch gelegen zwischen Schwarzwaldtannen und Dreisam ist das Schwarzwald-Stadion das Wohnzimmer des SC Freiburg. Das Heimspiel gegen den FC Bayern könnte das offiziell letzte in diesem Stadion werden. Eine Zeitreise.

Für viele Spieler, Trainer und vor allem Fußballfans in Deutschland gehört es sicherlich zu den sehenswertesten Fußballstadien der Republik: Das Freiburger Schwarzwald-Stadion. Umrandet von dichten Nadelbäumen und idyllisch direkt neben der Dreisam gelegen, würde es wohl Platz in jedem Märchen finden.

Sportdirektor Hartenbach: "Pure Stimmung"

Klemens Hartenbach, Sportdirektor des SC Freiburg, kennt das Stadion seit rund drei Jahrzehnten. Ende der 1980er Jahre lief er als Torhüter für den SC Freiburg einige Male im damaligen Dreisamstadion auf, seit 2001 arbeitet Hartenbach abseits des Feldes für den Sport-Club und hat eine enge Verbindung zum heutigen Schwarzwald-Stadion. "Was dann über die Jahre hier entstanden ist, ist schon großartig", sagt Hartenbach, als sein Blick durch das leere Stadion schweift. Und kommt danach ins Schwärmen: "Der Fußballer an sich, wenn er hier auf dem Platz steht und die Stimmung mitgenommen hat - da gibt es nur ganz wenige, denen das nicht gefallen hat. Weil sie sagen: Das ist noch wirklich pure Stimmung gewesen."

Mit einer Kapazität von 24.000 Zuschauerplätzen gehört das Freiburger Stadion zu den kleinsten in der Bundesliga - nur im Stadion von Union Berlin (22.012 Zuschauer) passen weniger Menschen auf die Tribünen. Kurios: Der Freiburger Platz im Stadion ist fast fünf Meter zu kurz und darf deshalb nur mit einer DFL-Sondergenehmigung für Bundesligaspiele genutzt werden. Zudem hat der Platz ein Gefälle - der Höhenunterschied beider Tore beträgt fast einen Meter.

SC-Platz, Dreisamstadion, Schwarzwald-Stadion

Die Geschichte des Stadions reicht weit zurück. Nachdem der SC Freiburg seine vorherige Spielstätte, das Winterer-Stadion, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs für die Luftwaffe räumen musste, blieb der SC bis in die Nachkriegsjahre ohne eigenes Stadion. 1955 weihte der SC das kurz zuvor erbaute Stadion in der Schwarzwaldstraße ein - damals unter dem Namen "SC-Platz". Von 1967 bis 2004 trug die Spielstätte des Sport-Clubs den Namen "Dreisamstadion", den auch heute noch viele Fans für das Stadion verwenden. Nach zwei weiteren Namenswechseln in den folgenden zehn Jahren heißt die Spielstätte seit 2014 Schwarzwald-Stadion - passender geht es wohl kaum.

Von 1955 bis heute: Besondere Momente im Freiburger Stadion

Spielszene des SC Freiburg aus den 1950er-Jahren (Foto: Pressestelle, Archiv des SC Freiburg e.V.)
1950er-Jahre: Im Jahr 1953 erhielt der SC Freiburg ein Gelände im Osten der Stadt, auf dem ein Sportplatz angelegt wurde. Dieser wurde laut Vereinsangaben im Jahr 1955 offiziell als "SC-Platz" eingeweiht. Das Foto zeigt Friedel Egle (Mitte, weißes Trikot), den ersten Torschützen des SC in diesem "Stadion", in Aktion. Pressestelle Archiv des SC Freiburg e.V. Bild in Detailansicht öffnen
15. Mai 1981: Günther Wienhold, Torhüter des SC Freiburg, zeigt eine schöne Parade im Spiel gegen Darmstadt 98. Im Hintergrund gut zu sehen: Das Stadion wurde erkennbar ausgebaut, seit 1980 bot das Stadion an der Dreisam mit neuer Haupttribüne und Stehplatzrängen insgesamt 15.000 Zuschauern Platz. Imago IMAGO / Alfred Harder Bild in Detailansicht öffnen
20. Mai 1989: Joachim Löw erzielt bei der 2:4-Heimniederlage gegen Blau-Weiß 90 Berlin (2. Bundesliga) seinen letzten Treffer im Trikot des SC Freiburg. Der spätere Bundestrainer war mit insgesamt 83 Pflichtspieltoren lange Rekordtorschütze der Freiburger, erst Anfang des Jahres 2020 wurde er von Nils Petersen überholt. Vor allem während seiner Zeit als DFB-Trainer schaute Joachim Löw bei Spielen des Sport-Clubs regelmäßig als Besucher im Freiburger Stadion vorbei. picture alliance / dpa | Rolf Haid Bild in Detailansicht öffnen
22. Mai 1993: Der SC Freiburg feiert mit seinen Fans im damals nur teilweise überdachten Dreisamstadion den ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte und damit ein historisches Ereignis. Trainer damals war Volker Finke (Mitte, schwarzes T-Shirt), der von 1991 bis 2007 beim SC eine Ära prägte. Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
23. August 1994: Am zweiten Spieltag der Saison 1994/1995 ist der FC Bayern München im Dreisamstadion zu Gast. Es soll ein bitterer Dienstagabend für die Münchner werden, denn Freiburg spielt wie entfesselt auf und besiegt den Favoriten mit 5:1. Die Tore für den SC erzielen Martin Spanring, Ralf Kohl, Rodolf Cardoso (2) und Jörg Heinrich. In der damals noch jungen Bundesliga-Geschichte der Freiburger ist es bereits der zweite Sieg im dritten Spiel gegen den Rekordmeister. picture alliance / dpa | Rolf Haid Bild in Detailansicht öffnen
12. September 1995: Im Dreisamstadion wird erstmals europäischer Fußball gespielt. In der ersten Runde des UEFA-Cups 1995/1996 ist Slavia Prag zu Gast in Freiburg. Das Freiburger Team mit Thomas Rath (Mitte, gelbes Trikot) verliert gegen die stark besetzten Tschechen um Karel Poborsky mit 1:2. Durch ein 0:0 im Rückspiel endet die Europapokal-Premiere der Freiburger bereits in der 1. Runde. picture-alliance / dpa | Rolf_Haid Bild in Detailansicht öffnen
1999: Mit der Erweiterung bzw. Errichtung der Nord- und Osttribüne erhält das Stadion die Größe, die es heute noch hat. 24.000 Menschen finden bei Bundesligaspielen im Freiburger Stadion Platz. Nach 1999 wurde das Stadion weiter modernisiert, unter anderem durch zwei Photovoltaik-Kraftwerke, die das Stadion mit Energie versorgen. Kurios: Der Freiburger Platz ist auch heute noch fast fünf Meter zu kurz und darf deshalb nur mit einer DFL-Sondergenehmigung für Bundesligaspiele genutzt werden. Zudem hat der Platz ein Gefälle - der Höhenunterschied beider Tore beträgt fast einen Meter. Imago IMAGO / Heuberger Bild in Detailansicht öffnen
12. April 2000: An einem Mittwochabend empfängt der SC Freiburg im Dreisamstadion den FC Bayern München. In der 90. Minute wird Bayern-Keeper Oliver Kahn kurz vor der Ausführung eines Abstoßes von einem Golfball getroffen, den ein 16-jähriger Freiburger Fan in Richtung des Nationaltorhüters geworfen hatte. Eine klaffende Wunde an der Schläfe ist deutlich zu sehen, später muss sie mit zwei Stichen genäht werden. Die Bayern gewinnen das Spiel mit 2:1, im Gedächtnis blieb aber vor allem der Golfball-Wurf. Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
7. Juni 2000: Zum ersten Mal spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Dreisamstadion. Gegner ist das Nationalteam aus Liechtenstein. Die DFB-Elf, für die auch Paulo Rink am Ball war, gewinnt das Tor-Spektakel mit 8:2. picture-alliance / dpa | Bernd_Weißbrod Bild in Detailansicht öffnen
25. November 2000: Es kommt zum nächsten Aufeinandertreffen in Freiburg zwischen dem SC und Bayern München. Auf den Rängen entschuldigen sich Fans des SC Freiburg bei Oliver Kahn für die "Golfball-Attacke". Bereits ein halbes Jahr zuvor hatten Freiburger Fans im Spiel gegen Schalke 04 - es war das erste Heimspiel nach dem Golfball-Eklat - Plakate mit Entschuldigungen in Richtung des Nationaltorhüters aufgehängt. Imago IMAGO / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
23. Mai 2004: Zum 100-jährigen SC-Jubiläum spielt Freiburg gegen ein "SC-Dream-Team". Mit dabei sind unter anderem Andreas Zeyer, Zoubaier Baya, Soumaila Coulibaly, Boubacar Diarra, Axel Sundermann, Michael Frontzeck, Damir Buric, Rodolfo Esteban Cardoso, Harry Decheiver und viele mehr. Imago IMAGO / Heuberger Bild in Detailansicht öffnen
2006: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland residiert die niederländische Nationalmannschaft in Hinterzarten im Schwarzwald. Trainiert wird auf der Anlage des SC Freiburg, unter anderem im Stadion, das damals den Namen "Badenova-Stadion" trägt. picture-alliance/ dpa | Patrick Seeger Bild in Detailansicht öffnen
28. Februar 2008: Acht Jahre nach dem ersten Auftritt der Männer-Nationalmannschaft feiern auch die DFB-Frauen ihr Debüt in Freiburg. Das bislang einzige Frauen-Fußballländerspiel der deutschen Auswahl im Freiburger Stadion gewinnt das Team um Torschützin Petra Wimbersky mit 2:0. Imago IMAGO / foto2press Bild in Detailansicht öffnen
21. Januar 2012: Eine neue Ära auf der Trainerbank im Freiburger Stadion beginnt. Christian Streich feiert sein Debüt als Cheftrainer des SC Freiburg im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Es ist ein erfolgreicher Start einer jahrelangen Ehe zwischen dem Sport-Club und Christian Streich - Freiburg gewinnt beim Trainer-Debüt mit 1:0 durch ein Tor von Matthias Ginter. Zu diesem Zeitpunkt heißt die Heimspielstätte des SC "Mage Solar Stadion". Imago IMAGO / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
8. Mai 2016: Stets dabei sind im Schwarzwald-Stadion (Name seit 2014) die Freiburger Fans, die an diesem Tag das bislang letzte Heimspiel ihrer Mannschaft in der 2. Bundesliga sehen. Ein Jahr nach dem bitteren Abstieg feiert der Sport-Club mit seinen Anhängern die Rückkehr in die Bundesliga. Zum Zweitliga-Abschied aus dem heimischen Stadion gewinnt Freiburg gegen Heidenheim mit 2:0. Imago IMAGO / Fotostand Bild in Detailansicht öffnen
10. November 2019: Am 11. Spieltag der Saison 2019/2020 gibt es im Freiburger Schwarzwald-Stadion einen Eklat: In der Nachspielzeit rammt Frankfurts David Abraham an der Seitenlinie mit einem Brutalo-Check Freiburgs Trainer Christian Streich um. David Abraham muss für die Aktion mit Rot vom Platz, in der anschließenden Rudelbildung sieht auch Vincenzo Grifo die Rote Karte. Im Nachlauf des Spiels folgt die Aussöhnung zwischen Abraham und Streich. Das Spiel gewinnt der SC Freiburg mit 1:0. Imago IMAGO / Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
7. März 2020: Die Fans des SC Freiburg sind vor allem bei Heimspielen ein wichtiger Faktor. Zum bislang letzten Mal spielt der SC Freiburg zu Hause vor vollen Rängen. Das Spiel gegen Union Berlin gewinnt der Sport-Club mit 3:1. Seitdem muss der SC Freiburg, genauso wie alle anderen Profi-Teams, auf die lautstarke Unterstützung aus dem Fanblock verzichten. Imago IMAGO / Eibner Bild in Detailansicht öffnen
5. Juni 2020: Der SC Freiburg muss aufgrund der Corona-Pandemie seine Bundesligaspiele im Schwarzwald-Stadion ohne Zuschauer austragen. Das Foto zeigt das Stadion im Juni 2020 beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Imago IMAGO / Poolfoto Bild in Detailansicht öffnen

Das Stadion erlebte nach vielen Jahren der Unterklassigkeit Anfang der 1980er-Jahre erstmals Profifußball in der zweiten Liga, ehe SC-Trainerlegende Volker Finke 1993 für den ersten Aufstieg in die Bundesliga und später für die ersten Europapokal-Nächte im Freiburger Stadion sorgte. Große Erinnerungen, von deren Bühne sich die Freiburger Fans nun bald verabschieden müssen.

Letztes Spiel gegen Bayern München?

Nachdem 2015 in einem Bürgerentscheid für ein neues Stadion gestimmt wurde, könnte am 33. Spieltag der Saison 2020/2021, sprich am 15. Mai 2021, das letzte offizielle Spiel des SC Freiburg im Schwarzwald-Stadion ausgetragen werden. Gegner ist an diesem Samstag der FC Bayern München. Es wäre ein Abschied ohne Zuschauer. "Es ist brutal. Also ohne Zuschauer, das finde ich irgendwie nicht verdient", sagt ein sichtlich bewegter Klemens Hartenbach.

Ob es wirklich das letzte Heimspiel des Bundesligisten SC Freiburg im Schwarzwald-Stadion wird, ist allerdings noch nicht klar. Zum einen verzögerte sich der Bau des neuen Stadions aufgrund der Corona-Pandemie, zum anderen soll Medienberichten zufolge der Umzug erst stattfinden, wenn wieder Fans in den Stadien zugelassen sind.

Freiburgs Zukunft: Der Fußballtempel am Flugplatz

Ob der SC Freiburg nach dem Spiel gegen Bayern München doch nochmal ins Schwarzwald-Stadion zurückkehrt - zum Beispiel für ein Abschiedsspiel vor Zuschauern - ist noch nicht klar. Klar ist aber, dass die sportliche Zukunft des SC Freiburg mit einem neuen Stadion verbunden ist. Das neue Zuhause des SC kostet rund 76 Millionen Euro und wird Platz für knapp 35.000 Fans bieten.

Mit Blick auf das neue Stadion spricht Freiburgs Sportdirektor von einer "totalen Vorfreude". Und fügt an: "Wenn du etwas Altes hast, was du liebst und geliebt hast, und dann kommt etwas Neues, dann ist immer eine kleine Unsicherheit da. Aber die Freude ist trotzdem da." Wichtig sei, dass man die Stimmung aus dem alten Stadion in die neue Heimspielstätte übertrage. Dafür sieht Hartenbach "sehr gute Chancen".

Große Historie gegen den FC Bayern

Noch ist es aber nicht soweit. Zum letzten Freiburger Heimspiel in dieser Saison kommt der FC Bayern ins Schwarzwald-Stadion (Samstag, 15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion). Gegen den Rekordmeister erwischten die Breisgauer schon einige Male einen echten Sahnetag. Ein Beispiel: Am zweiten Spieltag der Saison 1994/1995 besiegte der noch junge Bundesligist aus Freiburg die großen Bayern im Dreisamstadion mit 5:1. Nun könnte sich der Sport-Club am Samstag mit einem Sieg gegen den Deutschen Meister aus dem Schwarzwald-Stadion verabschieden.

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