Jubel der Freiburger Spieler beim Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken (2:1). (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck SC Freiburg: Geht mehr als der Klassenerhalt?

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Die Freiburger geben sich vor jeder Saison in der Bundesliga bescheiden: Der Klassenerhalt ist das Ziel. In der vergangenen Spielzeit ist das mit 45 Punkten und Platz zehn mehr als gelungen - aber wohin geht es für den Sport-Club diesmal?

So lief die vergangene Saison

Den Klassenerhalt haben die Freiburger in der vergangenen Saison locker geschafft. In der Hinrunde gab es sogar einen neuen Rekord. Mit dem 5:0-Sieg gegen den 1. FC Köln schaffte der SC den fünften Bundesliga-Sieg in Serie - das hatte es bis dahin im Verein noch nie gegeben. Im Winter lagen die Freiburger mit 24 Punkten auf Tabellenplatz neun und schnupperten sogar an den Europacup-Plätzen. In der zweiten Saisonhälfte ließ die Konstanz etwas nach, das Zweikampfverhalten und die Aufmerksamkeit waren insgesamt schlechter. Trotzdem holte der SC noch 21 Punkte und landete schließlich mit 45 Punkten auf dem zehnten Platz - der Klassenerhalt war nicht gefährdet.

 Wer kommt, wer geht?

Im Vergleich zur vergangenen Saison als beispielsweise Luca Waldschmidt und Robin Koch den Verein verließen, sind in diesem Jahr bislang alle Leistungsträger geblieben: Grifo, Schmid, Günter, Höler, Höfler, Sallai - der Kern der Mannschaft steht und das Teamgefüge stimmt. Nur die schon ausgeliehenen Amir Abrashi, Florian Kath und Brandon Borrello sowie Chang-Hoon Kwon haben den Verein verlassen. Nico Schlotterbeck hingegen ist von seiner Leihe an Union Berlin zurückgekommen.

Der Abwehrmann war zwar immer wieder auch beim VfB Stuttgart oder Bayer Leverkusen im Gespräch - noch allerdings ist das reine Spekulationen. Im SWR-Interview Ende Juli hatte er seinen Verbleib in Freiburg offen gelassen.

Veränderungen gab es allerdings auf der Torwartposition: Der in der vergangenen Saison aus Mainz geliehene Florian Müller wechselte nun zum VfB Stuttgart. Mark Flekken will nach seiner Verletzung in der kommenden Saison wieder angreifen und ist auf dem besten Weg zur Nummer eins. Er bildet zusammen mit Benjamin Uphoff und dem 19-jährigen Talent Noah Atubolu das Torwart-Trio. Atubolu rückte von der zweiten Mannschaft in den Profikader auf, soll aber weiterhin auch Spiele in der 3. Liga bestreiten. Der gebürtige Freiburger ist eines von insgesamt sechs Talenten, die der SC in den Profikader aufgenommen hat:

Auch Innenverteidiger Kimberly Ezekwem (20 Jahre alt) hat in der zweiten Mannschaft überzeugt, seinen Vertrag vorzeitig verlängert und ist in die erste Mannschaft aufgerückt. Kiliann Sildillia und Noah Weißhaupt, beide 19 Jahre alt, haben im Testspiel sogar schon bei den Profis getroffen und sind nun Bestandteil des Kaders. Die beiden Offensivspieler Nishan Burkart (21) und Kevin Schade (19) sind ebenfalls in die erste Mannschaft gerückt.

Alle sollen weiterhin in der 3. Liga Spielpraxis sammeln und behutsam an die Bundesliga herangeführt werden. Das sei Freiburg, sagte Christian Streich im SWR-Interview, in der Fußballschule sei gut gearbeitet worden. Die Komplexität entstehe jetzt durch die 3. Liga, so der Coach weiter, weil sie zwischen zwei Mannschaften pendeln. "Sie sollen voll zu uns dazu gehören, aber sie sollen viel Spielpraxis kriegen", da müsse man sehr viele mentale Geschichten berücksichtigen und offen mit den Spielern kommunizieren. Es könne dann beispielsweise sein, dass ein Spieler bei den Profis einen Einsatz bekommt, zwei Wochen später in der 3. Liga aber nicht in der Startelf steht und "da probieren wir, dass wir das gemeinsam besprechen können", so Streich.

Auch wenn der SC keine zu hohen Erwartungen aufbauen möchte, ist es gut möglich, dass der ein oder andere schon in der Hinrunde im Bundesliga-Kader steht. Sportvorstand Jochen Saier hat angekündigt, dass er noch nach einer Verstärkung im Sturmzentrum Ausschau hält.

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Trainer Christian Streich: System nicht entscheidend

Er gilt als einer der sympathischsten Trainer der Bundesliga: Christian Streich. Der 56-Jährige ist der dienstälteste Coach in der Liga und geht in seine elfte Saison als Cheftrainer beim SC. Nach der Corona-Saison 2020/21, die er als sehr kräftezehrend erlebt hatte, habe er nun wieder "richtig Luschd", wie er im Gespräch mit SWR Sport zum Trainingsauftakt sagte. Der Urlaub sei auch schön gewesen, vor allem, nach dem harten Corona-Jahr, so Streich. "Aber nun bin ich froh, dass es wieder losgeht."

Wohl kaum ein anderer Bundesliga-Trainer ist so mit seinem Verein verwurzelt wie Christian Streich. Anfang des Jahres hatte der Verein mitgeteilt, den Vertrag verlängert zu haben. Über die Vertragslaufzeit machte der Club zwar wie gewohnt keine Angaben, dennoch wird Christian Streich wohl auch in seiner elfte Saison an der Seitenlinie Vollgas geben und mit seiner unbändigen Energie die Mannschaft antreiben.

Angesprochen auf das Spielsystem meinte Christian Streich in einer Medienrunde im Trainingslager, dass das formale System nicht entscheidend ist. Unabhängig, wie man die Formationen nennt, geht es ihm mehr um das richtige Verschieben der Spieler. So könne es sein, dass die Mannschaft bei einem 3-4-3 so tief stehen müssen, dass formal ein 5-2-3 zu erkennen ist. "So ändert sich in der Draufsicht die Wahrnehmung der Systeme". Entscheidend sei, "wie wir uns in der jeweiligen Situation verhalten und in welcher Phase des Spiels wir sind." Deshalb sei es wichtiger, Abläufe zu haben, die sich an der Situation orientieren, statt eine Flexibilität mit mehreren Systemen, so der Coach.

Erwartungen an die Saison

Die Vorbereitung lief für die Mannschaft bislang nach Plan. Keine lange verletzten Spieler und nachdem EM-Fahrer Christian Günter etwas später zum Trainingslager hinzugekommen ist, konnte die Mannschaft nahezu komplett durch die Vorbereitung gehen. Nur Verteidiger Keven Schlotterbeck verpasste einige Einheiten wegen seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio. Bei den Testspielen, vor allem gegen Liga-Konkurrent Bayer Leverkusen zum Abschluss des Trainingslagers (0:0) zeigten die Breisgauer gute Leistungen. Beim Doppeltest gegen den französischen Erstligisten Racing Straßburg eine Woche vor dem Pokalspiel gab es einen Sieg und eine Niederlage.

Da die Leistungsträger geblieben sind und das Teamgefüge stabil ist, musste Trainer Christian Streich in der Vorbereitung nicht bei Null anfangen. Es gibt also viele Gründe dafür, dass der SC sein Minimalziel "Klassenerhalt" schafft.

Es ist ein realistisches Ziel. Und wer weiß, wenn der ein oder andere Höhenflug über ein paar Wochen anhält und der SC auch knappe Spiele für sich entscheiden kann, ist ja vielleicht auch etwas mehr drin als "nur" der Klassenerhalt.

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