Matthias Ginter beim Trainingsauftakt des SC Freiburg. (Foto: IMAGO, IMAGO / Eibner)

Fußball | Bundesliga

Hohe Belastung über Jahre: Warum der lange Urlaub für Matthias Ginter so wichtig war

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Kira Rutkowski

Acht Jahre keinen längeren Urlaub und teils mehr als 60 Spiele im Jahr. Christian Streich empfand bei Matthias Ginter vor dessen Wechsel nach Freiburg eine "mentale Erschöpfung".

Christian Streich hatte ihn bei der Begrüßung zum Trainingsauftakt in der Kabine erst kurz vergessen, erzählt er. Es fühlte sich für ihn offensichtlich nicht so an, als sei der offizielle Freiburger Neuzugang wirklich "neu". Ganz im Gegenteil, das gegenseitige Vertrauen zwischen Trainer, Spieler, Mitspieler und Verein scheint direkt da zu sein. Beim ersten Training spürt man Ginters Lust und die Freude wieder für seinen Jugendclub spielen zu können.

Zurück im Breisgau - Heimatgefühle bei Matthias Ginter

Kein Wunder, denn im Schwarzwald ist seine Heimat. Geboren in Freiburg, spielte Matthias Ginter von 2005 bis 2014 für den Sport-Club. Zunächst in den Jugendmannschaften bevor er, einen Tag nach seinem unterschriebenen Profi-Vertrag, gemeinsam mit seinem Jugendtrainer und Mentor Christian Streich das Bundesliga-Debüt gab. Nun seien sofort wieder "Heimatgefühle" da gewesen, erzählt der 28-Jährige: "Ich kenne hier nicht nur das Trainerteam, auch ein paar Spieler, die ganzen Physios und vom Staff auch sehr, sehr viele, die damals schon da waren." Er sei "wahnsinnig glücklich", dass es jetzt geklappt hat und er fühle sich "wahnsinnig gut", hier zu sein.

Matthias Ginter scheint sich nach diesem Moment zurück in Freiburg gesehnt zu haben. Er wollte den Wechsel unbedingt, heißt es. Die vergangene Saison war nicht nur für sein damaliges Team, Borussia Mönchengladbach, enttäuschend. Auch er persönlich beschrieb sein Verhältnis zum damaligen Coach Adi Hütter im "kicker" mit: "Es hat halt einfach nicht gepasst". Hinzu kamen pfeifende Fans bei seinem letzten Spiel für Gladbach. Er habe in der vergangenen Saison leider auch "die unschönen Seiten des Profigeschäfts kennengelernt", so Ginter im "kicker". Enttäuschend war für ihn auch, dass Hansi Flick ihn nicht für die Nations-League-Spiele im Juni nominierte. Sein alter und neuer Trainer Christian Streich empfand das allerdings als "hilfreich und gut" für seinen Schützling.

Aus Streichs Sicht: "Mentale Erschöpfung"

Es sei Streich erst in Gesprächen mit Matthias Ginter bewusst geworden, dass Ginter jetzt acht Jahre lang einfach nie länger als acht oder neun Tage frei gehabt habe, sagt Streich. Sein Pensum mit teils mehr als 60 Spielen im Jahr sei "wirklich Wahnsinn". Er habe bei Ginter im vergangenen Dreivierteljahr aus seiner Sicht eine "mentale Erschöpfung" wahrgenommen: "Wenn du so viele Spiele machst, weißt du schon gar nicht mehr, gegen wen spielst du als Nächstes. Du kannst dich überhaupt nicht richtig freuen".

Ginter: Erschöpfung merkt man im Tunnel nicht

Angesprochen, ob Streich damit Recht habe, atmet Matthias Ginter einmal tief durch und meint dann: "Wenn man in diesem Tunnel ist, wenn man in diesem Trott drin ist, will man sich vielleicht das ein oder andere nicht immer eingestehen. Und so war es bei mir auch." Dass er nicht für die Nationalmannschaft nominiert wurde, hat den ehrgeizigen Freiburger natürlich enttäuscht. Aber im Nachhinein sei es "vielleicht gar nicht so schlecht gewesen, jetzt den ersten längeren Urlaub in meiner Karriere gehabt zu haben".

Nun sei er voller Frische und mit voller Energie auf dem Platz. Das hat ihm auch Christian Streich in der ersten Trainingseinheit angemerkt: "Es war eindeutig, dass er jetzt ausgeruht ist." Dennoch solle er sich nicht zu viel Druck machen, "er soll mit Leichtigkeit zu alter Stärke zurückfinden". Mit dem Sport-Club will Ginter in der kommenden Saison den "maximalen Erfolg" - eine große Herausforderung, für die er sein Team aber gut gewappnet sieht. Er selbst wird wohl in den Testspielen zunächst als Innenverteidiger im Einsatz sein, obwohl er weitere Positionen besetzen kann.

Weiteres Ziel: WM und doch wieder weniger Urlaub

Mit guten Leistungen im Verein klappt es ja dann vielleicht auch noch mit der Nationalmannschaft und einer WM-Teilnahme. Er versuche zumindest alles, was in seiner Macht stehe, zu tun, um "vielleicht die nächsten Jahre nicht mehr so lang Urlaub zu haben", meint er schmunzelnd und geht vom Trainingsplatz in Richtung Kabine. Schon am ersten Tag in Freiburg ist Matthias Ginter beim Sport-Club richtig angekommen.

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Kira Rutkowski

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