"Spielerbessermacher" Christian Streich wechselt Nils Petersen ein (Foto: IMAGO, Imago Beautiful Sports)

Fußball | Meinung

Der Erfolg des SC Freiburg liegt im "Symbadischen"

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Günther Schroth

Am Samstag kommt es zum Baden-Württemberg Duell. Seit Jahren ist der SC Freiburg dem VfB Stuttgart enteilt. Und es gibt gute Gründe dafür, dass das auch so bleibt, meint SWR-Sportreporter Günther Schroth.

Wenn man über drei Jahrzehnte Sportjournalismus betreibt, dann entwickelt man eine gewisse Unlust, Pressekonferenzen zu besuchen, zusammenzufassen und darüber zu berichten. Ich könnte auch sagen: Seit über 30 Jahren gehe ich auf Pressekonferenzen. Und das meistens, weil ich muss. Aber: Seit über zehn Jahren verfolge ich die Pressekonferenzen des SC Freiburg - und zwar, weil ich will.

Highlight: Christian Streich auf Pressekonferenzen

Das hat einen einfachen Grund: Christian Streich spricht auf diesen Pressekonferenzen. Und bei ihm erfährt man nicht nur, wer gerade verletzt ist und deswegen nicht spielt und dass der Trainer nicht rausgeschmissen wird. Man erfährt bei Christian Streich viel über den Fußball im Allgemeinen und über den Freiburger Fußball im Speziellen. Immer wieder mal erfährt man auch was über’s Leben, etwa wenn es um Pandemie und um Krieg geht. Und als Journalist erfährt man dabei Wertschätzung. Am besten, indem man gescheite Fragen stellt. Aber auch einfach für’s Dabeisein.

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Wertschätzung steht beim SC ganz weit oben

Das erzähle ich, weil ich das für das große Geheimnis des SC Freiburg halte. Dort wurde eine Betriebskultur entwickelt, in der Wertschätzung ganz weit oben steht. Und diese Wertschätzung "kriegen alle ab", auch Journalisten. Von außen betrachtet nehme ich einen Unterschied im Ton wahr. Während im Rest der Fußballrepublik und auch in Schwaben sehr lange sehr gerne das Ruppige und Raue bemüht wurde, hat man in Freiburg mit der Verpflichtung von Christian Streich schon vor zehn Jahren zu einem anderen Umgang gefunden. Allein die Tatsache, dass man dort als Trainer nicht kurzerhand rausgeschmissen wird, wenn man nicht mehr genehm ist, macht für mich einen riesigen Unterschied.

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Freiburg macht Spieler besser

In der Arbeitswelt, im Profifußball und sonst wo, wird in den letzten Jahren ja viel von "new work" gesprochen. Bei "new work" geht es um Wertschätzung, um Vertrauen und Motivation. Und es geht um Potenzialentfaltung. Und genau das ist der Punkt, wo Freiburg anderen um Jahre voraus ist: Potenzialentwicklung. Was Christian Streich und das Freiburger Umfeld für Spieler tun, wie sie die besser machen, gilt in der Fußballrepublik als vorbildlich. Der "Spielerbessermacher" Streich hat mit Vincenco Grifo, Nico Schlotterbeck, Nils Petersen oder aktuell Michael Gregoritsch - um nur ein paar Namen zu nennen - auch den SC Freiburg noch besser gemacht. Es wäre aber irreführend, diesen Freiburger Weg allein Christian Streich zuzuschreiben - im Freiburger Umfeld, im Management, im Staff, im Trainerstab, ist man, um ein altes Wortspiel aufzugreifen, "symbadisch". Natürlich haben auch die "Symbadischen" Konflikte, die sie austragen müssen. Aber sie kriegen das geregelt, ohne wochenlang die Gazetten zu füllen.

Auch der VfB hat das mittlerweile verstanden und mit Sven Mislintat einen gefunden, der wiederum wertzuschätzen weiß, was in Freiburg geleistet wird. Aber für den VfB ist der Weg dorthin noch meilenweit. Egal ob die Freiburger das "Hinspiel" am Samstag gewinnen oder verlieren, für mich geht der inoffizielle baden-württembergische Meistertitel im Fußball jetzt schon seit Jahren an die Dreisam. Und das wird auch noch einige Jahre so bleiben - mindestens so lange, wie Christian Streich dort die Pressekonferenzen macht.

06.11.1993 - 15. Spieltag. Was für eine Überraschung: der favorisierte VfB Stuttgart verlor auswärts beim Aufsteiger SC Freiburg mit 1:2. Da war nicht nicht nur VfB-Meistercoach Christoph Daum fassungslos. Oliver Freund, Maximilian Heidenreich (ET) und Uwe Wassmer besorgten die Tore. VfB-Torhüter Eike Immel konnte noch einen von Rodolfo Cardoso getretenen Foulelfmeter parieren und so die Niederlage der Schwaben in Grenzen halten. (Foto: IMAGO, Sportfoto Rudel)
06.11.1993, 15. Spieltag: Was für eine Überraschung; der favorisierte VfB Stuttgart verlor auswärts beim Aufsteiger SC Freiburg mit 1:2. Da war nicht nicht nur VfB-Meistercoach Christoph Daum fassungslos. Oliver Freund, Maximilian Heidenreich (ET) und Uwe Wassmer besorgten die Tore. VfB-Torhüter Eike Immel konnte noch einen von Rodolfo Cardoso getretenen Foulelfmeter parieren und so die Niederlage der Schwaben in Grenzen halten. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
23.04.1994, 32. Spieltag: Wer jetzt gedacht hatte, der VfB würde im Rückspiel mit allen Mittel versuchen, die Scharte auszuwetzen, sah sich getäuscht. Der SC Freiburg siegte auch in Stuttgart. Und das deutlich mit 4:0. Je zwei Treffer steuerten zu diesem Coup Rodolfo Cardoso und Ralf Kohl (Spitzname "Kanzler") bei. Nach 34 Spieltagen belegte der VfB den 7. Platz. Der SC rettete sich als Neuling, dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem 1. FC Nürnberg, noch auf Rang 15. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
28.11.2014, 13. Spieltag: Besonders gern im Dress mit dem Brustring schoss Martin Harnik Tore gegen den SC Freiburg. In seiner Zeit bei den Schwaben (01.07.2010 - 18.07.2016) traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga achtmal für den VfB gegen den SCF. Im Winter 2014 zeigte er im Dreisamstadion zweimal seinen "Thor-Jubel" beim 4:1-Erfolg seines VfB. 28.11.2014 - 13. Spieltag. Besonders gern im Dress mit dem Brustring traf Martin Harnik gegen den SC Freiburg. In seiner Zeit bei den Schwaben (01.07.2010 - 18.07.2016) traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga achtmal für den VfB gegen den SCF. Im Winter 2014 zeigte er im Dreisamstadion zweimal seinen "Thor-Jubel". Bild in Detailansicht öffnen
29.10.2017, 10. Spieltag: Das war eines der brisantesten Duelle zwischen dem VfB und dem SCF. Bereits nach zwölf Minuten sah Freiburgs Caglar Söyuncü die rote Karte wegen Handspiels nach Videobeweis. Die Freiburger waren konsterniert und danach völlig von der Rolle. Es entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor - das von Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow. Daniel Gincek, Benjamin Pavard und Simon Terodde schossen letzendlich einen deutlichen 3:0-Sieg des VfB Stuttgart heraus. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
16.03.2018, 27. Spieltag: An diesem Tag hat der VfB Stuttgart zum letzten Mal ein Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg gewonnen. Mario Gomez gelangen beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Freiburg. Der Beweis, dass sich Geschichte wiederholt: In der Abschlusstabelle belegte der VfB, genau wie 1994 ,den siebten Platz und Freiburg wurde wieder 15.. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
22.01.2022, 20. Spieltag: Die letzte Partie gewann der SC Freiburg im neuen Stadion mit 2:0. Tatsuya Ito (ET) und Kevin Schade waren für die Treffer des Spiels verantwortlich. Spätestens nach dieser Partie darf man sich die Frage stellen, ob der SC Freiburg dem VfB Stuttgart endgültig sportlich den Rang abgelaufen hat. Von den letzten sechs Bundesliga-Spielen haben die Freiburger vier gewonnen und keines verloren. Eibner Bild in Detailansicht öffnen

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