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Dem 1. FSV Mainz 05 ist am achten Bundesliga-Spieltag der ersehnte erste Saisonsieg gelungen - und wie. Beim SC Freiburg setzten sich die Rheinhessen mit 3:1 (3:0) durch. Mann des Tages war Angreifer Jean-Philippe Mateta, der bereits in der ersten Halbzeit mit einem lupenreinen Hattrick die Weichen auf Sieg stellte.

Und der Sieg für die Mannschaft von Trainer Jan-Moritz Lichte hätte noch deutlicher ausfallen können. Die 05er ließen in einer stellenweise wilden Partie noch zahlreiche Chancen aus, während sich Freiburg, das nun seit sieben Spielen nicht gewonnen hat, über weite Strecken äußerst schwach präsentierte.

"Ich bin sehr glücklich über meine drei Tore, aber wichtiger war natürlich, die drei Punkte mitzunehmen. Das war ein Sieg der Mannschaft", sagte Mateta, der in der Sommerpause von Ex-Trainer Achim Beierlorzer zwischenzeitlich wegen einiger Verfehlungen suspendiert worden war, nach der Partie.

Freiburg ist Matetas Lieblingsgegner

Der Stürmer traf in der 2., 34. und 40. Minute für die Mainzer, die nun vier Punkte auf dem Konto haben. Für den Angreifer waren es die Tore Nummer sechs bis acht gegen den SC. Der angezählte Coach Lichte hat sich durch den Erfolg eine Atempause verschafft.

Sorgen beim SC immer größer

Dagegen werden die Sorgen in Freiburg größer - der SC weist nach dem siebten Spiel ohne Sieg in Folge nur zwei Zähler mehr als der FSV auf. Daran änderte auch das Tor von Nils Petersen (63.) nichts.

Beim Geisterspiel im Schwarzwaldstadion befand sich die Abwehr der Gastgeber mit den Gedanken noch in der Kabine, da hatte Mateta bereits nach 61 Sekunden sein fünftes Saisontor erzielt. Nur wenige Minuten später hatte der erneut freistehende Angreifer seinen zweiten Treffer auf dem Fuß, vertändelte den Ball aber bei einem versuchten Querpass (9.). Die Freiburger, bei denen der mit dem Coronavirus infizierte Südkoreaner Chang-Hoon Kwon, Amir Abrashi (Quarantäne nach Länderspielreise) sowie Lukas Kübler, Mark Flekken und Janik Haberer fehlten, leisteten sich unglaublich viele Fehler in der Defensive. Mateta scheiterte bei seiner nächsten Großchance an dem von Mainz ausgeliehenen SC-Torwart Florian Müller (12.). Zu diesem Zeitpunkt hätte die Partie schon entschieden sein können.

Mangelhafte Chancenverwertung der Mainzer

Die wieder einmal mangelhafte Chancenverwertung der Mainzer, die ohne ihren gelbgesperrten Kapitän Danny Latza sowie die verletzten Philipp Mwene und Adam Szalai auskommen mussten, war aus Freiburger Sicht das einzig positive Mitte der ersten Hälfte. Über einen Rückstand mit drei oder vier Toren hätte sich der SC nicht beschweren können.

Nach rund einer halben Stunde ließ sich Mateta nach einem Fehler Müllers nicht noch einmal bitten und erzielte den längst fälligen zweiten Treffer. Kurz darauf legte der 23-Jährige sein siebtes Saisontor nach. Mit dem 0:3 zur Pause waren die erschreckend schwachen Breisgauer noch gut bedient.

Zu Beginn der zweiten Hälfte deutete nichts auf eine Freiburger Aufholjagd hin. Die Mainzer überließen den Gastgebern zwar die Kontrolle, gefährlich wurde es im FSV-Strafraum aber zunächst nicht. Nach einer Stunde hatte das Pausenergebnis Bestand. Das lag auch daran, dass Mateta bei seiner nächsten großen Gelegenheit nur den Außenpfosten traf (60.).

Drei Minuten später war wieder Spannung in der Partie, nach dem Petersen abgestaubt hatte. Beim FSV begann das große Zittern, der SC war mehrfach dem Anschlusstreffer nahe. Bei Mainz ging in der Offensive nicht mehr viel.

Petersen: "Wieder mal ein Heimspiel weggeschenkt"

Bei den Hausherren war die Stimmung nach der siebten sieglosen Partie in Serie schlecht. "Wieder mal ein Heimspiel weggeschenkt. Das ist ernüchternd", sagte Stürmer Petersen bei SWR Sport: "Da überlegt man dann schon, gegen wen man eigentlich noch gewinnen will."

Ähnlich sah es Freiburgs Keeper Florian Müller, der von Mainz 05 ausgeliehen ist. "Die erste Halbzeit war eine Katastrophe. Wir können froh sein, dass es zur Pause nicht 4:0 oder 5:0 stand", sagte der Torhüter: "Das war viel zu wenig, auch wenn es in der zweiten Halbzeit ein bisschen besser war."

Streich: "Waren nicht gut genug, um Mainz zu schlagen"

Trainer Christian Streich monierte die Abwehrschwächen seiner Mannschaft. "Wir waren uns bewusst über die Konterstärke von Mainz. Aber es war ein ganz schlechtes Zweikampfverhalten in der Umschaltbewegung", kritisierte der SC-Coach: "Wir haben in der zweiten Halbzeit alles probiert. Aber wir sind nicht torgefährlich genug gewesen. Und wir waren in der Summe - auch wenn einige Entscheidungen gegen uns gingen - nicht gut genug, um Mainz zu schlagen."

Hack: "Heute haben wir es endlich auf den Platz gebracht"

Bei den Mainzern war die Gefühlslage natürlich eine andere. "Wir hätten den Deckel früher drauf machen müssen", sagte Abwehrspieler Alexander Hack: "Ansonsten war das von vorne bis hinten eine gute Leistung. Daran heißt es jetzt anzuknüpfen. Garstig sein, Bälle erobern, unser Konterspiel aufzuziehen. Daran arbeiten wir schon seit Wochen - und heute haben wir es endlich auf den Platz gebracht."

"Wir sind sehr zufrieden, auch wenn nicht alles zu 100 Prozent gepasst hat", analysierte Mainz-Coach Lichte: ""Wir sind sehr froh, dass wir den ersten Saisonsieg einfahren konnten. Wir waren mit dem Start des Spiels sehr gut bedient. Wenn du zur Pause 3:0 führst, hast du viel richtig gemacht. Ich finde, dass es ein verdienter Sieg war."

Auf die Frage, ob er jetzt entspannter arbeiten könne angesichts des ersten Siegs, antwortete er: "Ich hab den Druck jetzt nicht so gespürt. Auch, weil ich einen Sportvorstand Rouven Schröder habe, der hinter mir steht."

"Woche für Woche hart arbeiten"

Der Knoten, so Lichte weiter, sei noch nicht unbedingt gelöst: "Es wird jetzt nicht von selbst laufen. Wir müssen hart arbeiten, Woche für Woche, dann werden wir auch erfolgreich sein."

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