Robin Koch vom SC Freiburg (Foto: Imago, Imago Images)

Fußball | Bundesliga Freiburger Mentalitätsmonster schaffen es bis ins DFB-Team

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Luca Waldschmidt und Robin Koch haben gegen Argentinien ihre Premiere im DFB-Team gefeiert. Gleich zwei Freiburger in der Nationalmannschaft sind ein weiteres Indiz für die herausragende Arbeit, die beim Sportclub geleistet wird.

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Es sind genau zehn. Zehn deutsche Fußball-Nationalspieler hat der SC Freiburg seit seiner Gründung im Jahr 1904 an den DFB abgestellt. Zehn Spieler in 115 Jahren. Und jetzt gleich zwei in diesem einen Spiel gegen Argentinien: Luca Waldschmidt und Robin Koch. Beide können nach dem Spiel getrost davon ausgehen, dass sie wieder spielen werden.

Denn vor allem in der ersten Halbzeit zeigte das junge Team eine reife Leistung. Und Joachim Löw, der den Ausfall von gleich dreizehn arrivieren Spielern zu beklagen hatte, weiß jetzt auch, dass die Neuen keine Notnägel sind.

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Koch und Waldschmidt überzeugen

Mit Robin Koch in der Mitte der Dreier-Abwehrkette stand die Defensive über geraume Zeit sicher. Diese zentrale Abwehrposition spielt er auch beim Sportclub Freiburg – und interpretiert sie so, wie er es beim Freiburger Trainer Christian Streich gelernt hat, mit Ruhe, Ballsicherheit und Übersicht.

Und Luca Waldschmidt ist ein Stürmer, der mit seinem linken Fuß Tore schießt wie man sie sonst von Arjen Robben kannte. Auch im Spiel gegen Argentinien blitzte auf, wie gefährlich er als Stürmer werden kann – auch wenn seine beste Situation nur zu einem Treffer am Außennetz reichte.

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Kernkompetenz Mentalität

Es zeigt sich, dass die aus der Not geborene Mannschaft Zukunftspotenzial haben kann. Auch wegen der beiden Neuen aus Freiburg. Die bringen mit, was im Fußball derzeit so viel besprochen wird: Mentalität. Der Freiburger Trainer Christian Streich fordert die ein – und er meint damit nicht nur hundertprozentige Einsatzbereitschaft und Disziplin – er meint damit auch eine so altbackene Eigenschaft wie Demut. Dinge, die Streich selbst glaubwürdig vorlebt.

Es sind nicht immer die besten Fußball-Techniker, die es in Freiburg ganz nach oben schaffen – aber es sind die gerne so genannten Mentalitätsmonster. Dieser Stabreim hört sich nicht nur gut an, er beschreibt auch gut, was in Freiburg gelingt. Mentalitätsmonster nach Freiburger Muster sind keine Haudraufs im Stile von Stefan Effenberg – sondern Spieler wie Nils Petersen, der auch mal klaglos auf der Bank sitzt, wenn es der Mannschaft hilft. Und auch er schaffte es mit dieser Mentalität bis zum Nationalspieler.

Das sind die zehn Nationalspieler des SC Freiburg

Fußball | Nationalmannschaft Breisgauer Nationalmannschaftsschmiede

Jens Todt führt den Ball während eines Spiels der deutschen Nationalmannschaft. Es ist ein schwarz-weiß Foto. (Foto: Imago, WEREK)
Jens Todt lief dreimal im DFB-Dress auf. Der ehemalige Freiburger ist sogar Europameister. Trainer-Legende Berti Vogts ließ ihn aufgrund vieler Verletzungen für das Finale der Europameisterschaft 1996 einfliegen. Zum Einsatz kam er jedoch nicht. Imago WEREK Bild in Detailansicht öffnen
Als hätte er in die Steckdose gefasst. Jörg Heinrich war beim Länderspiel am 28. April 1999 gegen Schottland voll aufgeladen und 90 Minuten auf dem Platz. Die 0:1-Niederlage konnte der Mittelfeldspieler nicht abwenden. Heinrich machte 37 Spiele für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Ein weiterer Schützling aus Christian Streichs Schule: Matthias Ginter. Der 25-jährige Innenverteidiger gab sein Debüt für die DFB-Elf am 5. März 2014 gegen Chile. In der 89. Minute wurde er für Mesut Özill eingewechselt. 2014 wurde Ginter mit der Nationalmannschaft Weltmeister. Eingesetzt wurde der gebürtige Freiburger beim Turnier in Brasilien von Joachim Löw nicht. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Nils Petersen ist der Joker. Allerdings ist er nicht der Albtraum Batmans, sondern der gegnerischen Abwehr. In der Bundesliga-Geschichte ist er der Spieler mit den meisten Toren nach Einwechslungen. Sein Debüt in der Nationalmannschaft gab er im Juni 2018 beim 1:2 gegen Österreich. Imago Bernd König Bild in Detailansicht öffnen
Ein Länderspiel hat Freiburgs stellvertretender Kapitän Christian Günter absolviert. Der Linksverteidiger ist beim SCF unter Christian Streich nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Bundestrainer Joachim Löw sieht das anders. Deshalb bleibt es wohl erstmal bei dem einen Einsatz 2014 gegen Polen. Imago Avanti Bild in Detailansicht öffnen
Wie Christian Günter kann auch Oliver Sorg lediglich ein Länderspiel vorweisen. Sorg wurde 2014 gegen Polen für eben jenen Günter ausgewechselt. Aktuell spielt der 29-Jährige für den Club aus Nürnberg. Im Sommer 2019 wechselte er von Hannover dorthin. Imago Horstmüller Bild in Detailansicht öffnen
Als Sturmhoffnung bei der Eintracht aus Frankfurt enttäuschte Gian-Luca Waldschmidt, der heute nur noch mit Luca angesprochen werden möchte. Über den Umweg beim Hamburger Sportverein platzte der Knoten im Breisgau. Der 23-Jährige gab am 9. Oktober 2019 sein Debüt im Freundschaftsspiel gegen Argentinien und spielte durch. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Beim SC Freiburg reifte Sebastian Kehl zum Nationalspieler. Fußballerisch war der damals 21-Jährige bei seinem Debüt 2001 gegen die Slowakei bereits top - frisurentechnisch war noch Luft nach oben. Imago Baering Bild in Detailansicht öffnen
Der zehnte deutsche Nationalspieler des SC Freiburg ist Robin Koch. Ebenso wie Waldschmidt machte der Innenverteidiger sein erstes Spiel gegen Argentinien im Oktober 2019. Ob er sich seine Frisur von Sebastian Kehl abgeschaut hat, bleibt sein Gehemnis. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Grund zu jubeln hatte Max Kruse am 11.10.2015 beim EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien. Der Stürmer erzielte den Treffer zum 2:1-Endstand. 14 Spiele machte er für die Nationalmannschaft. Das letzte im November 2015. Bundestrainer Löw schmiss den Hobby-Pokerspieler wegen zahlreicher Eskapaden aus dem Team. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen

Streich formt regelmäßig Nationalspieler

Man muss in Freiburg kein "Breisgaubrasilianer“ mehr sein, um auch dieses Wortspiel mal wieder in Erinnerung zu rufen. Mannschaftsdienlicher Spieler mit Mentalität führt sehr viel weiter. Seit 2012 wird der SC Freiburg mittlerweile von Christian Streich trainiert. In dieser Zeit schafften es auch Max Kruse, Christian Günter, Oliver Sorg und Matthias Ginter in das Team von Jogi Löw. Matthias Ginter, jetzt beim Tabellenführer Mönchengladbach, erreichte seither 28 Länderspiele und war gar Mitglied des WM-Kaders von 2014.

Zehn Freiburger Nationalspieler in 115 Jahren. Sieben davon seit 2013, in der Ägide Christian Streich. Er wird es nicht gerne hören wollen, weil er sich nur ungern loben lässt.  Aber irgendwas macht der Freiburger Trainer da richtig. Es hat wohl etwas mit Mentalität zu tun - auch mit seiner ganz persönlichen.

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