SC-Freiburg-Neuzugang Vincenzo Grifo muss gegen seinen Ex-Klub TSG Hoffenheim von der Tribüne zuschauen (Foto: Imago, imago images / Sven Simon)

Fußball | Meinung Grifo-Klausel ist für alle von Vorteil

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Vincenzo Grifo ist zurück beim SC Freiburg und muss gegen seinen Ex-Klub TSG Hoffenheim zuschauen. Darauf haben sich die Vereine geeinigt. Ein gutes Geschäft, meint SWR Sport-Redakteur Thomas Wehrle.

Vincenzo Grifo kehrt nach Freiburg zurück. Das ist für ihn und den SC eine gute Nachricht. Die vermeintlich schlechte: Sein Comeback verschiebt sich um mindestens eine Woche, weil Grifo gegen seinen Ex-Club Hoffenheim nicht spielen darf. Das ist so zwischen den Clubs vereinbart und bringt Fußball-Romantiker sofort auf die Palme: Hoffenheim habe die Hosen voll, hört man. Sportlich wäre es, ihn auf dem Platz zu bekämpfen, liest man. Sie hätten ihn unter diesen Umständen besser erst gar nicht nach Freiburg verkauft. Ich finde diese Argumente irgendwie sympathisch und naheliegend, aber nüchtern betrachtet, sind sie – sorry! - Quatsch.

Der SC Freiburg hat die Klausel akzeptiert

Die Vereine schließen einen Vertrag, machen ein Geschäft. Beide! Hoffenheim gibt einen Spieler ab, der offensichtlich erneut nicht glücklich geworden ist im Kraichgau. Freiburg nutzt die Gunst der Stunde, investiert für Breisgauer Verhältnisse extrem viel Geld und holt den verlorenen Sohn zurück. Hoffenheim gibt Qualität ab, Freiburg kauft Qualität dazu. Hoffenheim kommt Sport-Club und Grifo entgegen - lässt den Spieler gehen, gibt eventuell sogar ein bisschen Rabatt. Gegenleistung der Freiburger: Sie akzeptieren, dass Grifo den SC erst nach dem Spiel Hoffenheim gegen Freiburg am nächsten Bundesliga-Spieltag verstärkt.

Nur Fußball-Romantiker hadern

Grifo muss also eine Woche warten, der SC und seine Fans auch. Eine Woche, die Grifos spektakuläre Rückkehr erst möglich gemacht hat. Freiburg braucht Grifos fußballerische Qualitäten und Grifo braucht offensichtlich das Freiburger Wohlfühl-Biotop. Hoffenheim macht beide glücklich - mit einer Woche Verspätung. Dafür kassiert Hoffenheim kein Grifo-Tor im badischen Derby. Betreibt sinnvollerweise Schadensbegrenzung. Warum soll Hoffenheim als Verkäufer das Risiko nicht minimieren? Und sind 30 Bundesliga-Spiele mit Vincenzo Grifo nicht auch ein verheißungsvoller Deal für den Sport-Club Freiburg?

Ganz ehrlich: Das ist definitiv kein Auswuchs moderner Sklaverei im Sport, sondern scheint mir für alle Parteien ein gutes Geschäft. Zumindest für fast alle. Für Fußball-Romantiker leider nicht. Aber die haben es im modernen Profifußball mittlerweile fast immer schwer.

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