Freiburgs Trainer Christian Streich (Foto: Imago, imago images/Laci Perenyi)

Fußball | Bundesliga Christian Streich: Freiburgs Trainer startet ins neunte Jahr

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Er ist der aktuell dienstälteste Trainer in der Fußball-Bundesliga. Christian Streich geht in sein neuntes Jahr am Stück als Cheftrainer des SC Freiburg.

Acht Jahre am Stück bei einem Verein. Das hat inzwischen Seltenheitswert. In Berlin ist Streichs ehemaliger engster Verfolger Pal Dardai - nach immerhin fast fünf Jahren - längst Geschichte. Bei der TSG Hoffenheim hat Julian Nagelsmann mit seinem Wechsel nach Leipzig selbst dafür gesorgt, dass er im Kraichgau keine bundesweiten Trainerrekorde bricht. Bleibt aktuell zum Beispiel Friedhelm Funkel, der im März "Vierjähriges" bei Fortuna Düsseldorf feiert.

Petersen lobt Streich

Also gibt es für Christian Streich gleich zu Jahresbeginn mal wieder verbale Schulterklopfer, auch von seinem Torjäger Nils Petersen: "Er versucht überhaupt nicht kürzer zu treten, ist immer voll da!". Auch nach all den Jahren ist das sein Erfolgsgeheimnis, analysiert Petersen: "Wenn er aktiv ist, sind wir es auch!"

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Welttrainer mit Augenzwinkern

Christian Streich verkörpert noch immer den Trainer der anderen Art. Kein "Special One" wie Jose Mourinho mit Hang zur Arroganz, kein "Normal One" wie der omnipräsente Lautsprecher Jürgen Klopp. Wenn Streich sogar am Spieltag mit dem Fahrrad am Stadion auftaucht, wundert das niemanden. Dass er, noch bevor er in die Kabine geht, Familienmitglieder im öffentlichen Zuschauerbereich begrüßt, ist normal.

Auf den ersten Blick wirkt einer wie Christian Streich alles andere als eitel. Aber auch ein Christian Streich ist nur ein Mensch. Und wem tut ein bisschen Anerkennung nicht mal gut? "Wahnsinn, unglaublich, toll...", war seine Reaktion auf die "kicker"-Abstimmung von Bundesliga-Profis, in der er hinter Jürgen Klopp und Pep Guardiola zum drittbesten Trainer der Welt gewählt worden war. "Ich danke allen fünf oder sechs, die mich gewählt haben", schob er grinsend hinterher. Denn auf Streich fielen unter zwei Prozent der Stimmen. Egal. "Mir ist lieber, ich bin Dritter, als gar nicht erwähnt."

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Vulkan auf dem Platz, Querdenker im Leben

Wo Streich auftaucht, hinterlässt er meist einen bleibenden Eindruck. In seiner Coaching-Zone wird er den Spitznamen "Breisgau-Vulkan" nicht mehr los. "Wir sind schon froh, einen sehr emotionalen Trainer zu haben, der alles was er hat, in seiner Arbeit gibt" sagt Stürmer Nils Petersen. Und er ist ein Trainer, der nicht nur im Stadion einen Eindruck hinterlässt. Bei Lutz Hangartner zum Beispiel. Der ehemalige Fußballdozent an der Uni Freiburg hatte Anfang der 1990er Jahre einen 25-jährigen Studenten, der erst auf dem zweiten Bildungsweg an die Uni kam: Christian Streich. "Er war sehr wissbegierig", erinnert sich Lutz Hangartner an den jungen Streich. "Er hat alles aufgenommen, auch aus dem Umfeld. So wie er das heute auch noch tut."

Streich, der Querdenker. Der, der nicht auch noch im Privatleben über Fußball reden will: "Man muss mal andere Räume betreten. Anderes Thema, andere Temperatur, andere Farbe. Tür zu", sagte Streich unlängst in einem Interview mit dem "Spiegel". Streich-Zitate in Schriftform finden bundesweit Fans. Verbal tun sich auch nach acht Jahren die Menschen außerhalb Südbadens mit seinem Dialekt schwer. Der Alemanne durch und durch bemüht sich zwar, etwas hochdeutscher zu reden, verstellen wird er sich wohl nie. Aber dann wäre es ja auch nicht mehr Christian Streich.

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