Christian Günter schießt das 1:0 gegen Hoffenheim (Foto: Imago, imago images/foto2press)

Fußball | Bundesliga Freiburgs Musterschüler Christian Günter - der Streber mit dem Einser-Schnitt

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Eingerahmt von Dortmund und den Bayern steht der SC Freiburg in der Bundesliga auf Rang drei. Kaum zu glauben. Getoppt wird diese Tatsache nur noch davon, dass Christian Günter zum Torjäger wird.

So zielstrebig und zielsicher wie in dieser 11. Spielminute gegen die TSG Hoffenheim war Christian Günter bisher selten in der Bundesliga unterwegs. Pass aus dem Mittelfeld auf Günter und der schloss im Strafraum der Kraichgauer in Torjägermanier zur frühen Freiburger 1:0 Führung ab (Endstand 3:0 für Freiburg). Es war sein dritter Bundesliga-Treffer im 171. Bundesligaspiel.

"Um so älter man wird, wird man vielleicht auch torgefährlicher. Vielleicht ist das bei mir so, dass ich kaltschnäuziger werde und auch Tore auflege," erklärt der 26-Jährige grinsend gegenüber SWR Sport - nach dem Derbysieg war er überglücklich.

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In der Tat, früher hätte Günter wohl nicht den Mumm gehabt aus dieser halblinken Position abzuziehen. Der Mann hat sich weiterentwickelt - genau wie auch der SC Freiburg.

Schnell und was sonst.......?

Die große Stärke von Christian Günter ist seine Schnelligkeit. Manchmal ist er bei seinen Vorstößen in des Gegners Hälfte einfach zu schnell. Er überholt sich selbst, macht sich aussichtsreiche Situationen durch zuviel Hektik kaputt. Dennoch ist er zu einem Top-Vorbereiter seines Teams gereift. Mit etwas mehr Übersicht könnte noch mehr herausspringen. Als Motivator und Kämpfer ist der einmalige Nationalspieler dagegen absolute Spitze.

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"Aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte"

Christian Günter steht für die Tugenden des SC Freiburg. Zäh, willensstark und ehrgeizig. Sein Trainer Christian Streich bekommt beinahe schon leuchtende Augen, wenn er vom Werdegang seines Schützlings erzählt, der noch im zweiten B-Jugend-Jahr in Freiburg kein Stammspieler war. "Ich habe gesagt: Zweitligaspieler wird er auf jeden Fall, weil wir es nicht verhindern können - vielleicht auch Bundesligaspieler. Das habe ich damals schon gewusst. Denn er hatte das, was unbezahlbar ist. Das ist dieser unbändige Wille." Streich sollte mit seiner Vorhersage recht behalten und findet, dass der Junge aus dem tiefsten Schwarzwald eine "außergewöhnliche Erfolgsgeschichte" hinter sich hat.

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"Ich strenge mich bei Interviews schon an"

In Tennenbronn ist Günter groß geworden. In der Schule wurde er noch als 16-Jähriger als Streber bezeichnet, weil er so viele Einser schrieb. Beim FC Tennenbronn spielen noch heute seine "besten Freunde und auch ein paar Cousins" Fußball. Klar, dass der Kontakt dorthin nicht abreißt. Dass Christian überhaupt beim SC Freiburg Fuß fassen konnte, hat er seiner Mama Andrea und seinem Papa Eckhard zu verdanken. Die kutschierten ihn nämlich von 2007 an fünf Jahre lang täglich in die 70 Kilometer entfernte Fußballschule des Sport-Clubs nach Freiburg. Der Aufwand war enorm. Als die Ausbildung zum Industriemechaniker anstand, verließ Christian Günter morgens um 5:30 Uhr das Haus und kam abends um 22 Uhr wieder nach Hause.

Dort in Tennenbronn wird Dialekt geredet, und der ist für Nicht-Tennenbronner zumindest gewöhnungsbedürftig. "Ich strenge mich in Interviews schon an, dass mir die Leute auch folgen können, die nicht aus dem Schwarzwald kommen." Günter wird bundesweit verstanden, ist ein beliebter Interviewpartner geworden, auch weil Fußballer-Phrasen nicht sein Ding sind.

Wahre Liebe

Seit 2007 gehört Christian Günter dem SC Freiburg an, und das wird in den nächsten Jahren wohl auch so bleiben. Für seinen Trainer ist der Mann, der die linke Seite des SC beackert wie kein anderer, ein echtes Stück Freiburg. Bleibt abzuwarten, ob der Dauerrenner jetzt auch zum Freiburger Dauertorschützen wird. Nicht nur ganz Tennenbronn wäre stolz auf Christian Günter.

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