Nico Schlotterbeck (Foto: Imago, imago)

Fußball | U21 Nico Schlotterbeck: Der glückliche Asylschwabe in Freiburg

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Nico Schlotterbeck kam als 16-Jähriger in die Fußballschule des SC Freiburg. In Südbaden fühlt sich der Schwabe schon längst total wohl. Die Vorfreude auf das Heimspiel mit der U21-Nationalmannschaft ist groß.

Die vielleicht größte Herausforderung für Nico Schlotterbeck an diesem grauen Novembertag ist der Handyempfang. Gemeinsam mit seiner Freundin will er demnächst innerhalb von Freiburg umziehen und sollte eigentlich mit einer Maklerin telefonieren. Aber im Mannschaftshotel am Freiburger Stadtrand wird das zur Herausforderung. Immerhin klappt das dann draußen, vor der Türe. Drinnen, in der Hotellobby, freut sich der Profi des SC Freiburg über sein bevorstehendes Heimspiel mit der U 21 - Nationalmannschaft: "Da habe ich erstens schon mal nur eine kurze Anreise", sagt er grinsend und ergänzt: "Ich weiß auch, dass die Freiburger sehr fußballverliebt sind und das Stadion voll sein wird!". Bei reduzierter Stadionkapazität sind noch rund 3000 Tickets zu haben, gut 16.000 sind bereits verkauft.

Ein glücklicher Schwabe in Südbaden

Nico kam als 16-Jähriger in die Fußball-Schule des SC Freiburg. Mit der A-Jugend gewann er 2018 den DFB-Pokal. Nicht nur das "Fußball-Freiburg" hat es ihm angetan. "Die Stadt gefällt mir auch sehr, schön klein, da fühlt man sich sehr wohl." Dass er jetzt mit seiner Freundin eine neue Wohnung bezieht, ein Fingerzeig für das Schwabenglück in Südbaden. Ärger gibt es in der schwäbischen Heimat nicht: "Gar nicht, mein Vater war schon immer Freiburg-Fan- und Stuttgarter Kickers natürlich...!" Und selbst die VfB-Fans in der schwäbischen Familienkönnen mit Freiburg als Arbeitgeber von Nico gut leben.

"Zum ersten Mal kommt sogar meine Oma!"

Wenn die deutsche U21-Nationalmannschaft ihr drittes EM-Qualifikationsspiel in Freiburg gegen Belgien bestreitet, dann füllen die Schlotterbecks mal wieder die Tribüne. Dass die Eltern, Mutter Susanne und Vater Marc beim Spiel dabei sind, ist nichts besonderes. An Liga-Wochenenden teilen sich die beiden sogar auf: einer ist bei Nico, einer bei Bruder Keven (ausgeliehen an Union Berlin) live dabei. Aber diesmal gibt es mindestens einen Stargast: "Meine Oma kommt zum ersten Mal live ins Stadion, aus Pforzheim", sagt Nico und auch der Patenonkel, VfB - Fan durch und durch, ist zum ersten Mal in Freiburg dabei. "Das ist mir schon sehr wichtig!". Familiy first - typisch Schlotterbeck!

Die Traumerfüllung - natürlich Familiensache

Wer den über 1,90 Meter großen Nico nach seinem größten Erfolg bislang fragt, der wird möglicherweise von der Antwort überrascht. Nicht etwa der DFB-Pokal-Sieg mit der Freiburger A-Jugend oder das erste Tor im U21-Nationaltrikot im Oktober. Nein. Es war das erste Bundesligaspiel gemeinsam mit Bruder Keven: "...wir sind da in Bremen rausgelaufen, unsere Eltern waren da. Dafür haben wir so lange gearbeitet. Wenn dieser Traum in Erfüllung geht, das ist schon geil!" Der nächste Traum heißt Tokio 2020. "Da hätte ich echt Bock drauf, das kriegt man im Fernsehen ja mit, wie besonders das ist". Als Jahrgang 1999 ist er dort spielberechtigt. Das Vorspielen für Olympia hat in U21 von Trainer Stefan Kuntz längst begonnen.

Weihnachten bei den Schlotterbecks...

Wenn man all diese Geschichten in dieser fußballverrückten Familie hört, kann man sich kaum vorstellen, dass es auch mal andere Themen gibt. Onkel Niels war Profifußballer und betreibt eine Fußballschule, auch Cousin Marvin Zimmermann verdient sein Geld mit dem Kicken. Weihnachten bei den Schlotterbecks heißt also Fußball-Fachgespräche statt Weihnachtsgeschichte? "Nein", sagt Nico und erklärt: "Wir gehen immer zur Familie meiner Mutter, die ist zwar auch sehr fußballverrückt, aber es gibt auch andere Themen". Und das tut auch gut, sagt Nico, der sogar manchmal seinen Vater bremsen muss, "aber wir sind halt so ne Familie, wo sehr viel Fußball ist, dann redet man auch drüber." An diesem Wochenende in Freiburg sowieso.

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