Fans und Spieler feiern in Freiburg  (Foto: Imago, imago images/Beautiful Sports)

Fußball | Bundesliga SC Freiburg: So weit die Füße tragen...

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Trotz des besten Saisonstarts in der Bundesliga-Geschichte des SC Freiburg bleiben sie im Breisgau ihrer Linie treu. Der Klassenerhalt bleibt das oberste Ziel. Noch..

Ein Freiburger Spieler soll mal hinter vorgehaltener Hand gesagt haben, dass es manchmal fast schon nerve, "wenn du absteigst und die Leute in Freiburg trotzdem noch nett zu dir sind." Aktuell ist der SC Freiburg weiter vom Abstieg entfernt, als je zuvor in der Bundesliga-Geschichte zu diesem Zeitpunkt in der Saison. 18 Punkte nach 10 Spieltagen, so gut ist der SC noch nie gestartet.

Und trotzdem dominiert auch in Tagen wie diesen die wohl unveränderbare "Freiburg-DNA": Demut statt Hochmut. "Der Klassenerhalt bleibt unser oberstes Ziel", hatte SC-Sportvorstand Jochen Saier im SWR1-Stadion- Interview auch am vergangenen Spieltag gesagt. Was Kritiker als Kokettieren bezeichnen, passt Saier realistisch der Situation an: "Das heißt ja nicht, dass wir 15. werden wollen. Wir müssen schauen, wie weit uns die Füße tragen!"

Ich finde schon, dass wir das in den letzten Wochen nicht so schlecht gemacht haben.

Jochen Saier, Sportvorstand SC Freiburg

Gute Wochenenden für die Seele

Einer, der Christian Streich stets mit etwas anderem Blick beobachtet, ist Christoph Ruf. Der freie Journalist hatte in den letzten 15 Jahren die Gelegenheit, den Klub und Christian Streich zu begleiten. Daraus entstanden ist sein in diesem Jahr veröffentlichtes Buch 'Bundesliga anders: Der SC Freiburg und die Ära Streich'. "Man merkt ihm Ergebnisse immer an", beschreibt Ruf, wie ein Christian Streich fast schon beschwingt nach einem Sieg nach der Pressekonferenz vom Stuhl aufsteht. "Wenn die gewonnen haben, ist sein Wochenende gut!".

Pessimismus aus Erfahrung

Gute Wochenenden hat Streich so viele, wie noch nie in seiner fast achtjährigen Zeit als Cheftrainer der Profis. Seine auffallend beständige Zurückhaltung verwundert Ruf aber nicht. "Da ist er ein pessimistischer Mensch. Er würde z.B. bei einer 2:0 Führung nicht offensiv wechseln, um aufs nächste Tor zu gehen." Pessimismus, der auf Vorsicht und nicht auf Zweifel basiert. Und auf Erfahrung. "Das ist ein totales Trauma", sagt Ruf und spricht dabei die Erfolge an: 2013 qualifizierte sich der SC fast schon sensationell für die Europaleague, 2014 schaffte Freiburg mit Ach und Krach den Klassenerhalt und stieg 2015 dann sogar ab. Erfolg war zu oft mit einer Doppelbelastung verbunden, die in Freiburg mit immer wieder wechselndem Kader schwer zu stemmen war.

Freiburg 2019: Mit Substanz und Moral zum Erfolg

Und das eben ist bislang anders in dieser Saison. Entscheidend anders. Freiburg hat Alternativen. Weil z.B.ein Supertalent wie Luca Waldschmidt geblieben ist. Oder einer wie Vincenzo Grifo doch noch zurück gekommen ist. Weil die Freiburger selbst damit aber gar nicht unbedingt gerechnet hatten, wurden auch noch andere Spieler geholt. Damit ist der Kader in der Breite so gut, wie vielleicht nie zuvor.

Dazu kommt für Christoph Ruf die sorgfältige Arbeit der Scouting-Abteilung: "Wenn Spieler kommen, dann zählt auch das Private", sagt Ruf und verweist wie Streich auf Teamgeist, auf die funktionierende Gruppe. "Freiburg-sozialisiert" nennt Ruf das und hat das Paradebeispiel parat: Nils Petersen. Ein Torjäger, der sich für die Bank nicht zu schade ist. Als Teil eines Teams, dass mit Moral u.a. schon vier Mal nach Rückstand gepunktet hat: acht Zähler, das hat kein anderer Bundesligist geschafft. Acht der insgesamt 19 Tore schoss Freiburg in den letzten zehn Minuten, auch das kriegt kein anderer Bundesligist so gut hin. Freiburg 2019 ist anders erfolgreich. Und trotzdem gilt im Schwarzwald das Wort von Sportvorstand Jochen Saier: "Wir müssen schauen, wie weit uns die Beine tragen!"

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