Luca Waldschmidt setzte sich bei der U21-EM im letzten Gruppenspiel gegen Österreichs Xaver Schlager durch (Foto: SWR, imago images / DeFodi)

Fußball | Bundesliga Freiburgs Sportdirektor Hartenbach: "Bei Luca Waldschmidt geht definitiv noch mehr"

Luca Waldschmidt trumpft bei der U21-EM ganz groß auf. Wir haben mit SC-Freiburg-Sportdirektor Klemens Hartenbach über das 23-jährige Sturm-Talent gesprochen.

SWR Sport: Mit Robin Koch und Luca Waldschmidt haben Sie noch zwei Eisen im U21-EM-Feuer. Wie bewerten Sie die Leistung Ihrer beiden Schützlinge?

Klemens Hartenbach: Gut. Sehr gut. Luca lässt seine Tore ohnehin für sich sprechen. Und Robin hat während seines Kurzeinsatzes gegen Österreich auch gezeigt, dass er eine gute Alternative ist. Wir hatten kürzlich SMS-Kontakt. Ich habe ihm gesagt: 'Du musst immer bereit sein. Das kann ganz schnell gehen, dann stehst Du in der Anfangsformation.' Beide haben es sich nach der Saison, die sie gespielt haben, aber auch verdient.

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Dass Luca Waldschmidt bei der EM jetzt so auftrumpft, hat viele trotzdem überrascht. Was trauen Sie ihm – auch mit Blick auf die neue Saison – noch zu?

Hartenbach: Es steckt richtig viel in ihm drin. Es ist immer schwierig, das zu sagen, wenn einer in so einem internationalen Wettbewerb so oft getroffen hat, aber es geht bei ihm definitiv noch mehr - in puncto Stabilität und über 90 Minuten nochmal mehr seine Spuren auf dem Feld zu hinterlassen. Und an dem werden wir nächste Saison kräftig arbeiten. Da hat er noch Luft nach oben - obwohl es schon auf einem sehr, sehr guten Niveau ist.

Geht es Ihnen dabei um mehr Konstanz oder muss er auch robuster werden?

Hartenbach: Beides. Das geht miteinander einher. Es geht darum, dass die Zeiten innerhalb der 90 oder 95 Minuten, in denen er nicht zu sehen ist, kürzer werden. Dass er sich nochmal einen Tick mehr in die Räume bewegen kann, in denen er anspielbarer ist, und nochmal mehr in die Ball-Eroberung kommen kann.

Man darf nie vergessen, dass er letzte Saison in etwa so viel Einsatzzeit bekommen hat wie die drei Jahre davor zusammen. Das geht einfach nicht mit einem Fingerschnipsen, dass man da von Null auf Hundert kommt. Und daran arbeiten wir. Aber das braucht seine Zeit.

Die Freiburger Fans freuen sich über den Erfolg ihres Helden. Doch einige fragen sich besorgt, ob er nun nicht von größeren Clubs weggekauft wird. Können Sie diese Fans beruhigen?

Hartenbach: Nein. Wir können in Freiburg niemanden beruhigen. Sei es wegen des Saisonziels oder was einzelne Spieler betrifft. Da sind wir immer den Gesetzen des Marktes unterworfen. Das geht aber ganz vielen so. Marco Richter wurde auch sehr hoch gelobt. Ich weiß nicht, ob der FC Augsburg nicht mit dem gleichen Problem zu kämpfen hätte, wenn die Leistung eines Spielers bei einem internationalen Wettbewerb, auf den alle schauen, so heraussticht. Beruhigen ist nicht. Aber wir sind mit Luca und seinem Umfeld so verblieben, dass ein Jahr Freiburg und ein Jahr Stabilität ihm in seiner gesamten Karriere wahnsinnig helfen würden.

Es gibt also keine Interessenten?

Hartenbach: Nein. Aber es ist ja auch nicht so, dass ein Verein Interesse hat und sofort den SC Freiburg anruft. Das passiert alles ein bisschen im Verborgenen. Über irgendwelche Erstkontakte wissen wir ja gar nicht Bescheid. Es könnte also sein, dass sich viele Vereine Gedanken machen und auch bei Beratungsagenturen nachgefragt haben. Aber zu uns ist nichts Weiteres vorgedrungen.

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Trotzdem ist es sicherlich schön, wenn ein Spieler auf diese Weise seinen Marktwert steigert?

Hartenbach: Ja, es ist schön. Bei der letzten U21-EM hatten wir im Endspiel gegen Spanien drei Spieler vom SC Freiburg auf dem Platz stehen. Gegen Österreich im letzten Vorrundenspiel hatten wir mit Philipp Lienhart auf österreichischer Seite und mit Luca und Robin am Ende auch drei Spieler auf dem Platz. Das ist für den Verein eine schöne Auszeichnung und ein Zeichen an die jungen Spieler, dass sie sich bei uns weiterentwickeln können.

Wenn man bedenkt, woher jeder Einzelne kam: Robin mit nicht einmal 30 Zweitliga-Spielen, Philipp Lienhart aus der dritten spanischen Liga oder Luca aus einer ganz schwierigen Zeit in Hamburg. Und alle haben sich bei uns zu U21-Nationalspielern entwickelt. Das nehmen wir als Verein als Auszeichnung wahr.

Am Donnerstag trifft Waldschmidt mit der U21 auf Rumänien. Ihr Tipp?

Hartenbach: Ich habe die Rumänen in Italien zweimal live gesehen. Sie sind recht unangenehm. Sie geben nie auf und sind auch ein wenig unorthodox in ihrer Spielweise. Aber ich glaube trotzdem, dass die Qualität der deutschen Mannschaft ausreichen müsste, um dann auch ins Finale einzuziehen. Ich gehe fest von einem Sieg aus.

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