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Sechs Klubs hatten vor dem Landgericht Mannheim per einstweiliger Verfügung gegen den Restart der Regionalliga Südwest geklagt, darunter auch TSV Schott Mainz, Astoria Walldorf und der Bahlinger SC. Die Klage wurde abgewiesen. Ein falsches Signal, kommentiert SWR Sport Redakteur Christoph Pietsch.

In der Regionalliga Südwest wird wieder gespielt. Das Landgericht Mannheim gab am Mittwochabend grünes Licht. Just an dem Tag, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel eindrücklich an die deutsche Bevölkerung appelliert, dass alles getan werden müsse, um nicht wieder in ein exponentielles Wachstum zu kommen. Passt das mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Regionalliga, einer viertklassigen Fußballliga zusammen? Ich denke nicht.

Einen Tag zuvor fordert die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die Anti-Corona-Maßnahmen drastisch zu verschärfen. Kontakte sollen „auf das absolute Mindestmaß reduziert“ werden. Macht es vor dem Hintergrund Sinn, 22 Teams aus vier Bundesländern durch die halbe Republik reisen und gegeneinander Fußball spielen zu lassen? Ich denke nicht.

Keine reine Profiliga

Ja, auch an der Regionalliga hängen Jobs. Auch hier geht es um Geld. Die Regionalliga Südwest aber ist keine reine Profiliga. Hier treffen Profiklubs auf Amateurvereine. Der TSV Schott Mainz, der Bahlinger SC oder Astoria Walldorf sind solche Amateurvereine. Die Spieler sind berufstätig, sind Lehrlinge, Studenten oder Schüler. Im Job, in der Uni, an der Schule gilt für sie, was aktuell für uns alle gilt: Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Am Wochenende aber sollen sie jetzt wieder Fußball spielen. Ist diese Entscheidung gegenüber den Amateuren zu verantworten? Ich denke nicht.

Vor jedem Punktspiel in der Regionalliga Südwest müssen in Zukunft Schnelltests bei den Mannschaften samt Trainer- und Betreuerstab durchgeführt werden. Nur diejenigen mit negativem Ergebnis dürfen an den Spielen teilnehmen. Ob und wie viele Spieler sich nach einem positiven Befund in Quarantäne begeben müssen, entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter. Die schon jetzt überlasteten Gesundheitsämter könnten möglicherweise noch mehr belastet, knappe Testkapazitäten noch knapper werden. Ist die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Regionalliga Südwest so einzuordnen, dass dies gerechtfertigt ist? Ich denke nicht.

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Es bleibt ein falsches Signal

Ich denke, dass es ein Fehler ist, in diesen Zeiten Amateurfußballer wieder auf Feld zu schicken. Möglich haben das die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gemacht, die das Trainieren und Spielen der Regionalligisten genehmigt haben. Dieter Bühler, Vorstandsvorsitzender des Bahlinger SC hatte es vor wenigen Tagen in einem offenen Brief sehr treffend formuliert: „Aus dem Handeln der Politik leite ich das Fazit ab: Kontaktbeschränkungen stehen über allem, sie gelten jedoch nicht für alle.“ Ich denke, Dieter Bühler hat recht. Der Restart der Regionalliga Südwest, für mich ein falsches Signal von Politik und Ligaverantwortlichen.

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