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Die Fußballverbände in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben ihre Saison abgebrochen - oder stehen kurz davor. Dabei soll es in den regionalen Ligen erneut keine Absteiger geben.

Null Punkte, 61 Gegentore, letzter Tabellenplatz. Die erste Mannschaft des FC Viktoria Backnang hatte in dieser Saison mit Sicherheit wenig Hoffnung auf einen Ligaverbleib. Doch der Verein aus der Nähe von Stuttgart bringt vermutlich das Kunstwerk zustande, trotz aussichtsloser Situation die Liga zu halten. Und das bereits zum zweiten Mal.   

Denn ein Jahr zuvor war die Bilanz des ehemaligen Clubs von Ralf Rangnick ähnlich ernüchternd: 14 Spiele, 4 Punkte, 14:67 Tore, abgeschlagen am Tabellenende. Damals profitierte der FCV von der Entscheidung, die Saison ohne absteigende Mannschaften frühzeitig zu beenden.

Viele Vereine hoffen auf einen Saisonabbruch

Für die Fortsetzung der aktuellen Saison hatte der Württembergische Fußballverband (wfv) bereits Anfang Februar einen Stufenplan ausgearbeitet. Dieser beinhaltet: Sollte bis zum 9. Mai 2021 der Spielbetrieb nicht wieder aufgenommen werden können, wird die Saison ohne Auf- und Absteiger annulliert.

Somit könnten die Backnanger die Kreisliga A erneut halten, obwohl sie aus sportlicher Sicht das zweite Jahr in Folge hoffnungslos unterlegen sind. Wie der FCV hoffen viele Vereine aus den unteren Tabellendritteln der regionalen Ligen auf einen solchen Saisonabbruch, um im nächsten Jahr einen Neuanfang starten zu können. Das ist sportlich kaum zu vertreten.  

Wer darf aufsteigen?

Auch die Aufstiege könnten in dieser Saison kompliziert werden. In der vorherigen Saison wurden in den regionalen Ligen die aufsteigenden Mannschaften nach einer Quotienten-Regel ermittelt. Im Gegensatz zu den letztjährigen Beschlüssen soll es jedoch in dieser Saison bis zur Verbandsliga-Ebene keine Aufsteiger geben.

Die Vertreter der Oberliga Baden-Württemberg (wfv, bfv und sbfv) hingegen könnten einen möglichen Aufsteiger in die Regionalliga stellen. Zwar liegt das letzte Punktspiel der Vereine bereits über fünf Monate zurück, doch die Oberliga profitiert von einer Sonderregelung der nächsthöheren Regionalliga.

Sonderreglung für Regionalliga

Denn dort werden, aufgrund der Fortsetzung des Spielbetriebs in der Regionalliga Südwest, zum Ende der Saison sechs Plätze für mögliche Aufsteiger frei, die normalerweise von den Gewinnern der Oberligen Rheinland-Pfalz/Saar, Hessen und Baden-Württemberg besetzt werden. Ein weiterer Aufsteiger wird in einer Relegation unter den Vizemeistern ausgespielt.

Das Problem dabei: In der Oberliga sind, wie in den meisten anderen regionalen Ligen, nur 13 Spieltage absolviert. Das macht eine sportliche faire Auswertung eigentlich nicht möglich. Die Vertreter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar haben bereits bekanntgegeben, den Tabellenführer und Tabellenzweiten für einen möglich Aufstieg in die Regionalliga zu melden. Das setzt die Verbände in Baden-Württemberg unter Druck.

Zwei Vereine mit professionellen Strukturen

Mit dem SGV Freiberg und den Stuttgarter Kickers stehen zwei Vereine mit professionellen Strukturen an der Tabellenspitze, die vor der Saison keinen Hehl daraus gemacht haben, unbedingt aufsteigen zu wollen. Es wurde viel Geld in neue Spieler investiert. Beide Klubs werden ebenfalls versuchen, Druck auf den Verband auszuüben.

Das gilt allerdings auch für viele Mannschaften in den Verbandsligen, für die es keine Sonderregelung gibt. Viele der Vereine haben ebenfalls einen hohen finanziellen und sportlichen Aufwand und dürften über die Nichtberücksichtigung verärgert sein.

Fehlende Planung für die Zukunft

Ob Auf- oder Abstieg. Die Situation in den regionalen Ligen in Baden-Württemberg ist kompliziert. Die Vereine sehnen sich nach einheitlichen Regelungen, die auch für die Zukunft gelten. Denn so sehr manche sich das auch wünschen mögen, es ist nicht in Stein gemeißelt, dass der anstehende Saisonabbruch der vorerst letzte bleiben wird.

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