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Nach dem vorzeitigen Saisonende in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar dürfen Eintracht Trier und Wormatia Worms auf den Aufstieg in die Regionalliga hoffen, obwohl sie nur wenige Spiele in dieser Saison absolviert haben. Dem 1. FC Kaiserslautern droht dagegen mitten im Abstiegskampf noch die Doppelbelastung durch zwei Pokalspiele.

Für Oliver Herrmann, den Geschäftsführer des Fußball-Regionalverbands Südwest, ist die Sache klar: "Wir hatten schon vor der Saison in unserer Spielordnung festgelegt, dass bei vorzeitiger Beendigung der Saison die bis dahin vorne liegenden Vereine als Aufsteiger und Qualifikanten für die übergeordnete Spielklasse gemeldet werden." Konkret bedeutet das, dass Eintracht Trier nach gerade mal acht absolvierten Spieltagen als Aufsteiger in die Regionalliga Südwest gemeldet wird und Wormatia Worms als Zweiter in der Aufstiegsqualifikation dabei sein wird, falls diese stattfindet.

Regionalliga verweist auf Spielordnung

Aus Sicht von Oliver Hermann ist die Sache für den Südwestdeutschen Fußballverband damit erledigt. Den schwarzen Peter hat jetzt die Regionalliga Südwest. Dort wird nach aktuellem Stand der Dinge die Saison zu Ende gespielt. Und das führt unweigerlich zu folgender Frage: Ist es fair, wenn ein Klub wie Trier, der mit acht Spielen nicht viel mehr als einen guten Saisonstart hatte, aufsteigen darf und dafür Vereine wie etwa der TSV Schott Mainz oder der FK Pirmasens nach einer langen Saison mit 42 Spielen absteigen müssen? Sascha Döther, der Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, verweist auf die Spielordnung. Da ist klar geregelt, dass in dieser Saison in der mit 22 Klubs aufgeblähten Liga sechs Vereine absteigen. Die moralische Frage stellt sich für ihn nicht.

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Parallelen zu Auf- und Abstieg zwischen 3. Liga und Regionalliga

Außerdem verweist Döther auf die völlig identische Gemengelage an der Schnittstelle zwischen 3. Liga und den Regionalligen. Im Südwesten und Westen wird die Saison durchgespielt, im Norden und Nordosten ist noch nicht mal die Hinrunde absolviert. Trotzdem wollen Teams in die 3. Liga aufsteigen und müssen Mannschaften aus selbiger absteigen. Wie hier dann allerdings am Saisonende tatsächlich verfahren wird, ist noch nicht ganz klar. Das wäre für Sascha Döther allerdings die Blaupause für den Umgang mit Auf- und Abstieg zwischen Regionalliga und Oberliga. Bis zu einer endgültigen Entscheidung ist also noch Geduld gefragt - womöglich bis weit in den Mai hinein.

FCK droht Doppelbelastung im Abstiegskampf

Die zweite Baustelle für den Amateurfußball ist der Verbandspokal. Der soll auch nach dem vorzeitigen Saisonende in den Ligen noch ausgespielt werden. Bis zum Finaltag der Amateure am 29. Mai muss das über die Bühne gehen. Und da stellt sich das nächste Problem. Wie viel Vorlauf benötigen die Klubs, die derzeit pausieren müssen, um unter fairen Bedingungen spielbereit zu sein? Laut Oliver Hermann geht der Spielausschuss im Moment aktiv auf die Vereine zu, um diese Frage zu klären. Dabei ist der SWFV noch in einer komfortablen Situation, weil nur noch zwei Pokalrunden ausstehen. In anderen Verbänden sind es noch fünf oder sechs Runden.

Trotzdem könnte auf den 1. FC Kaiserslautern eine Doppelbelastung mitten im Abstiegskampf zukommen. Er müsste dann noch zusätzlich zu den Aufgaben in der 3. Liga bis zu zwei Pokalspiele bestreiten. Möglicherweise müsste der FCK Prioritäten setzen und im Pokalwettbewerb eine B-Elf oder die zweite Mannschaft auf den Platz schicken. Um den Zeitplan zu entzerren, wird auch noch über eine Verlegung des Finaltags der Amateure nachgedacht. Doch eine TV-Übertragung wird wegen der Fußball-EM im Juni und der Olympischen Spiele im Juli zu einem späteren Zeitpunkt schwer zu realisieren sein.

Faire Lösungen schwierig

Die Corona-Pandemie wirbelt den Fußball-Kalender also wieder einmal kräftig durcheinander und hat direkten Einfluss auf das sportliche Geschehen. Die Frage der Fairness und Chancengleichheit stellt sich immer wieder zu Recht. Lösungen, die allen Seiten gerecht werden, dürften allerdings nur schwer zu finden sein.

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