Joel Pohjanpalo (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | EM 2021

Joel Pohjanpalo - Finnlands loyaler EM-Held

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Der ehemalige Stürmer des VfR Aalen, Joel Pohjanpalo, hat für die finnische Nationalmannschaft ein historisches Tor geschossen. Gejubelt hat er nicht, aus Respekt vor dem zuvor kollabierten Dänen Christian Eriksen. Auch wegen solcher Aktionen ist sein einstiger Trainer, Stefan Ruthenbeck, Fan des Finnen.

Ein kurze, schnelle Bewegung und Joel Pohjanpalo, der gerade noch hinter seinem Gegenspieler Joakim Mæhle im Strafraum lauerte, schiebt sich vor den Dänen, hechtet der in den Strafraum fliegenden Flanke entgegen und köpft den Ball akrobatisch ins Tor. 1:0 für Finnland gegen Dänemark in der 60. Minute. Es war das erste Tor überhaupt für die finnische Nationalmannschaft bei einer Europameisterschaft, ein historischer Treffer. Für ganz Finnland und Pohjanpalo.

Während die finnischen Fans auf den Rängen in Kopenhagen ausgelassen mit ihren Schals wirbeln, setzt Pohjanpalo nur kurz zum Jubellauf an, bremst dann ab, nimmt seine Arme runter und lässt sich zurückhaltend von seinen Teamkollegen beglückwünschen. Aus Respekt vor dem dänischen Mittelfeldstar Christian Eriksen, der kurz vor Ende der ersten Halbzeit auf dem Platz kollabierte und nach einer Herzdruckmassage und minutenlanger Behandlung ins Krankenhaus gebracht worden war. Das Spiel wurde fortgeführt, Eriksen, so war zu hören, sei stabil.

Pohjanpalo war schon früh sehr weit, fußballerisch und menschlich

Dass Joel Pohjanpalo einmal ein derartig geschichtsträchtiges Tor hätte erzielen können, ist für Stefan Ruthenbeck keine Überraschung. Ruthenbeck hat Pohjanpalo einst beim VfR Aalen trainiert und die Fähigkeiten des damals 19-Jährigen früh gesehen. Pohjanpalo kam 2013 als Leihspieler nach Aalen, war allerdings verletzt und stieg erst im Herbst ins Mannschaftstraining ein. In der Rückrunde entwickelte er sich zum Stammspieler und war mit fünf Toren zweiterfolgreichster Aalener Torschütze.

"Ich habe selten einen Spieler erlebt, der so einen Riecher hatte im Sechzehner, in der Box, der aus allen Lagen, aus jedem Winkel torgefährlich sein konnte, mit beiden Füßen und mit dem Kopf."

Genau so klar dürfte Ruthenbeck aber auch gewesen sein, dass Pohjanpalo ein Mensch ist, der in einem solchen Moment nicht an sich denkt, sondern an das Wohl seines Kollegen Eriksen. Und der deshalb aus Respekt auf einen Jubel verzichtet. Mit dem Wort "loyal" erinnert sich Ruthenbeck im SWR-Interview an Pohjanpalo. Der Finne sei ein Mensch, der ihm und dem gesamten Trainerteam gegenüber immer aufrichtig gewesen sei.

"Er hat die Dinge umgesetzt, bei Auswechslungen wurde nicht geschimpft, hat im nächsten Training wieder Gas gegeben."

Pohjanpalo sei schon als 19-Jähriger sehr weit gewesen. Als Fußballer, aber eben auch als Persönlichkeit.

"Er ist einer von den Fußballern, von denen ich Fan bin. Ein ganz toller Typ."

Als Joel Pohjanpalo nach dem Spiel gegen Dänemark zum Interview antrat, zeigte er sich sichtlich bewegt. Nicht von seinem Tor oder dem Erfolg seines Teams, sondern davon, dass Christian Eriksen sich zu diesem Zeitpunkt wieder auf dem Weg der Besserung befand. Und so sagte er einen Satz, der wohl typisch ist für den 26-Jährigen Finnen.

"Die beste Nachricht des Tages ist, dass es ihm gut geht. Das ist das Einzige, das mir etwas bedeutet."

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