STAND
AUTOR/IN

Aufregung in der Oberliga Baden-Württemberg. Dort wo eigentlich der Ball seit Anfang November ruht, rollt er wieder. Zumindest teilweise. Durch eine Sondergenehmigung durften die Stuttgarter Kickers das Training wieder aufnehmen, der SGV Freiberg zog nach. Bei manchen Vereinen stößt diese Entscheidung auf Unverständnis.

Seit dem 28. Oktober muss der Amateur- und Breitensport wieder pausieren. Corona-bedingt dürfen seitdem nur noch Spitzenathlet*innen oder Profimannschaften trainieren und spielen. Im Fußball bedeutet das, dass der Ball nur noch von der ersten bis zur dritten Liga rollt. Doch seit knapp einer Woche, seit dem 10. November, trainieren auch die Oberliga-Fußballer der Stuttgarter Kickers wieder. Sie erhielten eine Sondergenehmigung der Stadt Stuttgart. Grund dafür ist "ein sehr gutes und in der Praxis auch bewährtes Hygienekonzept", wie Geschäftsführer Matthias Becher gegenüber SWR Sport erklärt. Ein weiterer und wohl entscheidender Grund liegt allerdings in den Verträgen der Spieler. So seien die Spieler der "Blauen" überwiegend Profis und verdienen den Großteil ihres Lebensunterhaltes mit dem Fußball.

Das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart bestätigte dies auf Nachfrage von SWR Sport. In dem Schreiben heißt es im Wortlaut: "Training und Wettkämpfe im Profisport dürfen unter Einhaltung der strengen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen stattfinden, so sieht es die Corona-Verordnung des Landes vor. Profi- und Spitzensportler sind Sportlerinnen und Sportler, die einen Arbeitsvertrag haben, der sie zu einer sportlichen Leistung gegen ein Entgelt verpflichtet und dieses überwiegend zur Sicherung des Lebensunterhalts dient. Die Spieler der Stuttgarter Kickers sind Profisportler vor dem Hintergrund, dass der weit überwiegende Kaderanteil aus Vollprofis besteht. Die Verträge der Spieler sehen eine Trainingsverpflichtung vor." Außerdem heißt es, dass der Stadt ein umfassendes Hygienekonzept der Stuttgarter Kickers vorliege und die Hygienestandards "aufgrund der professionellen Vereinsstruktur und des bestehenden Trainingsgeländes" auch durchgängig gewährleistet seien.

Unverständnis bei anderen Vereinen über die Entscheidung der Stadt Stuttgart

Neben den Stuttgarter Kickers machte auch Ligarivale SGV Freiberg von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch. Bei anderen Vereinen der Oberliga Baden-Württemberg lösten diese Sondergenehmigungen hingegen Unverständnis aus. Der 1. CfR Pforzheim ließ in den sozialen Medien ordentlich Dampf über diese Entscheidung ab: "CORONA-LOCKDOWN? NICHT ÜBERALL...", lautete die Überschrift eines Facebook-Posts. "Es heißt, Weihnachten, so wie wir es kennen, wird dieses Jahr nicht möglich sein und dann bekommen zwei Oberliga-Vereine eine Sondergenehmigung zur Wiederaufnahme des Trainings? Das ist ein hartes Stück", sagte der Vorstandsvorsitzende des 1. CfR, Markus Geiser, gegenüber SWR Sport.

Kickers-Geschäftsführer Matthias Becher kann den Unmut der anderen Vereine verstehen: "Es soll unter fairen Voraussetzungen weitergehen und es ist natürlich fair, wenn alle Mannschaften im November trainieren dürfen. Wir würden es toll finden, wenn auch die anderen Vereine wieder trainieren dürfen." Becher hofft eine Vorreiterrolle eingenommen zu haben und möchte andere Vereine bei der Antragsstellung unterstützen. Denn Ziel sei es, dass alle Mannschaften wieder zeitnah trainieren können.

Antrag des 1. CfR Pforzheim wurde abgelehnt

Auch der CfR stellte in der Folge einen Antrag bei der Stadt Pforzheim, für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs. Doch anders als in Stuttgart und Freiberg erhielt man beim 1. CfR Pforzheim eine Absage. Die Pforzheimer beschäftigen keine Profi-Fußballer und der aktuelle Inzidenzwert der Stadt Pforzheim sei mit 196,9 (Stand 16.11) aktuell zu hoch. "Ich kann die Entscheidung nachvollziehen", sagt Markus Geiser. Wütend ist er trotzdem nach der Entscheidung der Stadt Stuttgart und enttäuscht, dass sich die einzelnen Fußballverbände in Baden-Württemberg nicht einigen können: "Das was mich an der Sache am meisten stört ist, dass sich der badische, südbadische, und württembergische Fußballverband nicht auf eine einheitliche Lösung einigen können."

"Wir machen als Verband nicht die Regeln"

Beim Württembergischen Fußballverband (WFV) ist man über die aktuell unterschiedlichen Trainings-Voraussetzungen nicht glücklich: "Das ist sicherlich nicht optimal. Doch wir machen als Verband nicht die Regeln", sagte Heiner Baumeister, Pressesprecher des WFV. Zuständig seien die jeweiligen Behörden und Ordnungsämter, wenn es darum gehe, ob ein Verein eine Sondergenehmigung erhalte oder nicht.

Wie geht es in der Oberliga weiter?

Ein Wettbewerbsvorteil entstünde für die Mannschaften, die aktuell wieder im Mannschaftstraining sind, ohnehin nur dann, wenn zeitnah wieder gespielt werden würde. Für den Dezember sind in der Oberliga noch Spiele angesetzt. Ob diese aber tatsächlich ausgetragen werden können, entscheide sich erst nach der erneuten Sitzung von Bund und Ländern, wie Heiner Baumeister sagte. Falls wieder gespielt werden könnte sei es auch möglich, dass ohne Winterpause und mit einem Boxing Day an Weihnachten gespielt wird.

Matthias Becher hofft indes auch auf eine baldige Fortsetzung des Spielbetriebs, möchte aber vor allem, dass dann wieder ein fairer Wettbewerb entsteht. Sollten weitere Anträge der Vereine abgelehnt werden, wie jener der Pforzheimer, dann werde man sich mit den Vereinen solidarisch zeigen und das Training ebenfalls wieder einstellen, um keinen Vorteil zu generieren.

Die meistgeklickten Artikel auf swr.de/sport

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Nicolas Gonzalez am teuersten: So wertvoll sind die Jungen Wilden des VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart überrascht mit seiner jungen Mannschaft und erfrischendem Fußball die Bundesliga. Die aktuellen Erfolge haben auch den Marktwert des Teams und einzelner Spieler kräftig nach oben getrieben.  mehr...

Kaiserslautern

Fußball | 3. Liga FCK-Idol Jean Zimmer ist wieder daheim

Jean Zimmer ist wieder daheim. Daheim bei seinem FCK. Ein Überraschungscoup, der aber von langer Hand eingefädelt wurde. Schon im vergangenen Jahr hatte es Gespräche zwischen Zimmer und seinem Heimatverein gegeben. Damals noch ohne Ergebnis.  mehr...

Freiburg im Breisgau

Fußball | Bundesliga Keven Schlotterbeck - aus der Verbandsliga zur Abwehrgröße des SC Freiburg

Vor dreieinhalb Jahren spielte Keven Schlotterbeck noch in der Verbandsliga. Jetzt ist der Innenverteidiger einer der Protagonisten beim zurzeit furios aufspielenden SC Freiburg in der Bundesliga.  mehr...

STAND
AUTOR/IN