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Mit Amtsantritt versprach Fritz Keller als DFB-Präsident eine "externe Generalinventur" des krisengeschüttelten Verbands. Leider hat er jetzt seinen internen Gegnern in die Hände gespielt, meint SWR-Sportredakteurin Julia Metzner.

Als Fritz Keller am 27. September 2019 sein Amt als DFB-Präsident antrat, war das auch ein vermeintlicher Schritt in die Zukunft. Ein Schritt, um das arg ramponierte Ansehen des Verbands wieder aufzupolieren. Keller selbst sprach damals von einer "externen Generalinventur" und davon, dass "alles auf den Prüfstand" gestellt werde. Nach den skandalträchtigen Rücktritten seiner Vorgänger Reinhard Grindel und Wolfgang Niersbach war da plötzlich einer von "Außen", der sich in den Sumpf hineintraute.

Widerstände und Machtkämpfe

Fritz Keller erlebt seitdem stete Widerstände. Wer im Sumpf wühlt, muss damit rechnen. Daraus ist inzwischen ein öffentlicher Machtkampf vor allem mit Generalsekretär Friedrich Curtius geworden, in dem teilweise kindergartenreife Peinlichkeiten ans Licht kommen. Das, was wir alle inzwischen schon schulterzuckend den Schlagzeilen entnimmt. Frei nach dem Motto, "Der DFB halt...".

Verbale Entgleisung, großes Entsetzen

Das was jetzt durchgesickert ist, hat eine andere Qualität. Leider. Nein, keiner von uns war dabei. Aber Fritz Keller hat es mit seinen Entschuldigungen bestätigt. Deswegen müssen wir darüber reden. Fritz Keller hat seinen Vize-Präsidenten Rainer Koch mit dem ehemaligen Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Er hat ihn nicht einfach in einer hitzigen Diskussion "Du Depp" genannt. Er hat scheinbar ganz gezielt den Vergleich gesucht. Um ganz gezielt zu verletzten. Freisler hat im Namen von Adolf Hitler tausendfach Todesurteile verkündet. Auch gegen die Geschwister Scholl als Teil der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Rainer Koch war vor seinem Ruhestand Strafrichter am Oberlandesgericht München.

Nicht mit Emotionalität zu entschuldigen!

Jeder, der Fritz Keller schon mal im Stadion erlebt hat, als Präsident des SC Freiburg, aber auch bei Spielen der Nationalmannschaften, weiß, welch Emotionalität in dem so gemütlich daherkommenden Winzer schlummert. Aber das, was jetzt passiert ist, ist nicht mit Emotionalität in einer hitzigen Diskussion zu entschuldigen. Ich diskutiere auch gern hitzig und emotional. Ich kann auch nachvollziehen, dass man sauer wird. Aber Äußerungen dieser Art sind in meinem Wohnzimmer nicht akzeptabel. An meinem Arbeitsplatz nicht, in der Politik nicht und auch nicht an der Spitze des Deutschen Fußball Bundes.

Es gibt kein zurück, leider!

Keller selbst denkt nicht an Rücktritt. Ja, er hat sich entschuldigt. Öffentlich, ausführlich und selbstkritisch. Er will die Aufräumarbeiten im DFB zu Ende bringen. Es wäre so wichtig! Aber leider hat er seinen Konkurrenten mal so richtig schön in die Hände gespielt. Was nicht nur schade der Sache wegen ist, sondern fahrlässig war. Denn er hat sich zu etwas hinreißen lassen. Hat sich in in eine Sackgasse manövriert, aus der er nicht rauskommt. Wenn doch, dann ist nicht nur sein Image beschädigt, sondern der DFB hätte zum wiederholten Male seine Glaubwürdigkeit verloren. Selbst Keller-Unterstützer sind entsetzt. Zu Recht. Leider. Aber verbale Entgleisungen dieser Art gehen nicht. Punkt. Ganz nebenbei sind sie der Rolle eines DFB-Präsidenten nicht angemessen. Schade, Herr Keller!

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