DFB und Nationalspieler einigen sich auf 400.000 Euro pro Kopf für den Titelgewinn in Katar (Foto: IMAGO, Imago/Zink)

Fußball | Meinung

Sind üppige WM-Prämien für Fußball-Millionäre zeitgemäß?

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AUTOR/IN
Stefan Kersthold

Während überall in der Welt über den Krieg in der Ukraine, über die Klima- und Energiekrise gesprochen wird, hat sich der Deutsche Fußball Bund mit seinen Nationalkickern auf eine Prämienregelung für die WM geeinigt. Die Meinung dazu von SWR Sportredakteur Stefan Kersthold.

Es war ein typisches, bundesligafreies Wochenende in der SWR Sportredaktion. Auf der Suche nach Themen für den Sportblock im Programm von SWR 1 ploppte am Sonntagnachmittag um 14.43 Uhr eine Pressemitteilung des Deutschen Fußball Bundes auf. Überschrift:

"Leistungsbezogene Prämienregelung für die WM 2022 in Katar"

Spontan dachte ich, ein doch eher seltsamer Zeitpunkt für solch eine Mitteilung - hatte ich doch nicht erst einige Minuten vorher die Reaktionen nach dem äußerst schwachen Auftritt beim 0:1 der DFB-Elf gegen Ungarn versendet. Und anstatt über die "Nichtleistung", über die vielen Fehler beim Kick in Leipzig zu diskutieren, hatten die Herren Nationalspieler, namentlich Manuel Neuer, Thomas Müller, Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan, mit der DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf um WM Sonderboni gefeilscht.

DFB Elf vor dem 0:1 in der Nations League gegen Ungarn (Foto: IMAGO, Imago/ Ulmer Pressebildagentur)
DFB-Elf vor dem 0:1 in der Nations League gegen Ungarn Imago/ Ulmer Pressebildagentur

Jetzt kann man argumentieren, Prämien hat es schon immer gegeben. Sozusagen als Gewinnbeteiligung für das Personal eines Verbandes, der ja auch von den Erfolgen profitiert. Aus gleich mehreren Gründen sehe ich das aber in diesem Fall ein klein wenig anders. Zum einen halte ich den Zeitpunkt der Veröffentlichung für nicht gerade glücklich gewählt. Sich zwei Tage nach einer ungenügenden Arbeitsleistung - nichts anderes war das am Freitagabend in Leipzig - auf mögliche Sonderboni von insgesamt 10,4 Millionen Euro zu einigen (400.000 Euro im Falle eines Titelgewinns für den 26er Kader), das ist mehr als grenzwertig. Einmal ganz unabhängig von der Tatsache, dass die DFB-Frauen für ihre EM Finalteilnahme jeweils 30.000 Euro kassierten - im Falle des Titelgewinns wären es 60.000 Euro gewesen.

Falscher Ansatz in Zeiten der Krise

Was für mich aber viel entscheidender ist die Frage, ob es sich in Zeiten der weltweiten Krisen überhaupt gehört, die Konten der Fußball- Millionäre weiter aufzustocken. Auch wenn die Jungs von Bundestrainer Hansi Flick, bei der aktuellen Leistung durchaus vorstellbar, nur den Sprung ins Achtelfinale schaffen sollten, müsste der DFB für jeden Akteur 50.000,-, also insgesamt 1,3 Millionen Euro lockermachen.

Eine Ansage wäre gewesen, wenn die Kicker auf sämtliche Prämien verzichtet hätten und der DFB das Geld in einen Spendenfonds deponieren würde. Ob es dann den bedauernswerten WM-Gastarbeitern in Katar oder eher den heimischen Vereinen, die sich ihre Strom- oder Heizkosten nicht mehr leisten können, zu Gute kommen soll - eine andere Frage.

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Stefan Kersthold

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