Nico Schlotterbeck und David Raum trainieren bei der Nationalmannschaft (Foto: Imago, IMAGO / Sven Simon)

Fußball | Nationalmannschaft

Plötzlich Nationalspieler: Wer sind Nico Schlotterbeck und David Raum?

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Am 27. August gab Hansi Flick seinen ersten Nationalkader bekannt. Überraschend standen Nico Schlotterbeck und David Raum auf seiner Liste und damit zwei neue Nationalspieler aus dem Südwesten.


Südwest-Groundhopper Nico Schlotterbeck


Im Südwesten kennt sich Nico Schlotterbeck aus. Von seinem Jugendverein SG Weinstadt ging es über die Stuttgarter Kickers, den VfR Aalen und den Karlsruher SC nach Freiburg. Dort feierte er 2019 sein Bundesliga-Debüt. In der vergangenen Saison verließ er erstmals Baden-Württemberg und wechselte leihweise für ein Jahr zu Union Berlin. Verletzungsbedingt verpasste er dort den Großteil der Hinrunde, doch im letzten Saisondrittel spielte er sich in der Berliner Innenverteidigung fest.

Zurück beim SC Freiburg traf Nico auf seinem älteren Bruder Keven, vor dem er von Christian Streich zuletzt den Vorzug erhielt. Dieser meinte zur Nominierung des 21-Jährigen: "Ich freue mich brutal für ihn, aber ich war auch verwundert." Streich mahnt, dass eine frühe Berufung ins Nationalteam besonders für junge Spieler eine Herausforderung sei. Doch bei Nico Schlotterbeck sei er zuversichtlich, "dass alles stabil bleibt. Wir bleiben in Freiburg auf dem Boden, so dass das gut wird."

DFB statt VfB

Schlotterbeck ist seit 2017 U-Nationalspieler und bestritt beim EM-Erfolg der U21 in diesem Sommer jedes Spiel in der Startelf. Dabei zeigte er sich als extrem kopfball- und zweikampfstark sowie einfallsreich in der Spieleröffnung.

In der Sommerpause buhlte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat erfolglos um den Freiburger. Der Wechsel zu Schlotterbecks sechstem Südwest-Team scheiterte wohl an den Ablöseforderungen des SC. Hansi Flick gelang es, Nico Schlotterbeck doch noch nach Stuttgart zu locken: Dort bereitet sich nämlich die Nationalmannschaft auf die kommenden WM-Qualifikations-Spiele gegen Liechtenstein (2. September), Armenien (5. September) und Island (8. September) vor. Ganz problemlos lief das jedoch nicht: Als Flick die Nummer von Nico Schlotterbeck wählte, stand dieser auf dem Freiburger Trainingsplatz und verpasste die mehrmaligen Anrufe des Nationaltrainers. "Ich habe mittags zurückgerufen und war überrascht, wer dran war", wird Schlotterbeck auf der Homepage des SC Freiburg zitiert.

David Raum: ein Nürnberger bei Fürth

Der zweite Neuling im Nationaltrikot, David Raum, wurde in Nürnberg geboren. Trotzdem ging er mit acht Jahren ins Nachwuchsleistungszentrum von Greuther Fürth. Er durchlief dort die U-Mannschaften der Kleeblätter und schnupperte als 18-Jähriger das erste Mal Zweitliga-Luft. Seit der Saison 2017/2018 wurde er regelmäßig bei den Profis eingesetzt, meistens als linker Mittelfeldspieler.

Nachdem der Fürther Kapitän Maximilian Wittek die Franken 2020 verließ, setzte Trainer Stefan Leitl David Raum auf die frei gewordene Linksverteidigerposition. Ein Glücksfall fürs Kleeblatt, denn in Leitls 4-4-2, mit einer Raute im Mittelfeld, waren beiden Außenverteidiger stark in das Offensivspiel eingebunden. Auf dieser Position konnte Raum seine Lauf-, Pass- und Zweikampfstärke ideal einbringen. Als bester Vorlagengeber der Liga war er maßgeblich am Aufstieg der Fürther beteiligt.

Ein Jahr - viele Erfolge

2021 kam Raum nicht aus dem Feiern raus: Nach dem Aufstieg mit Fürth gewann er die U21-EM. Im Team von Stefan Kuntz stand er dabei in fünf von sechs Spielen von Beginn auf dem Platz und bereite zwei Tore vor. Kurz darauf reiste er nach Tokio und spielte bei Olympia sein zweites Turnier in einem Sommer. Danach kehrte er nicht nach Mittelfranken zurück, sondern wechselte zur TSG Hoffenheim. Trainer Sebastian Hoeneß stellte ihn in den ersten drei Partien in die Anfangself. "Er hat ein rasantes Jahr hinter sich. Das ist die Krönung", sagt Sebastian Hoeneß über die Nominierung seines Neuzugangs.

Nur wenige Wochen nach seinem Bundesligadebut gibt Neu-Nationaltrainer Hansi Flick dem 23-Jährigen nun die Chance sich in der Nationalmannschaft zu beweisen. Dort tritt er in der neuen Viererkette in Konkurenz mit Robin Gosens. Der Linksverteidiger von Atalanta Bergamo ist ähnlich offensiv ausgerichtet wie Raum.

Auch die Mailbox des Hoffenheimers hörte Flick mehrmals. David Raum konnte die Anrufe zunächst nicht annehmen, da er auf dem Weg zum Training war. Doch die Telefon-Ausdauer des Bundestrainers hat sich gelohnt: Beide Verteidiger erfuhren rechtzeitig von ihrer Nominierung und reisten zum Trainingsstart des DFB-Teams nach Stuttgart.

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