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Robin Koch wurde von Bundestrainer Joachim Löw trotz einer Saison mit langer Verletzungspause für den EM-Kader nominiert. Wie viel Einsatzzeit der frühere FCK- und SC-Freiburg-Profi allerdings bekommt, ist offen. Die Konkurrenz im Team ist jedenfalls groß.

15 Wochen Spielpause, dazu die zweite Corona-Welle in einem fremden Land, weit weg vom gewohnten Umfeld. Robin Koch hat in seiner ersten Saison in der Premier League bei Leeds United gleich mal die Härten des Profi-Daseins im Ausland erfahren müssen. Dabei fing alles so gut an. Nach seinem Wechsel von Freiburg nach Leeds wurde der gebürtige Lauterer schnell zum Stammspieler. In den ersten zehn Saisonspielen verpasste er keine Minute. Ab dem elften Spiel, beim FC Chelsea, war dann aber alles anders. Ein Schlag aufs Knie, Diagnose Meniskusriss, Operation unvermeidbar.

Immer an EM-Nominierung geglaubt

Die Fußball-Europameisterschaft schien da in weite Ferne zu rücken, erst im März kehrte der Sohn von FCK-Urgestein Harry Koch zurück auf den Platz. Und nun sitzt er im DFB-Quartier in Herzogenaurach neben Toni Kroos in der Pressekonferenz und beantwortet die Fragen der Journalisten. Zum Beispiel wie es war, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel per Videoschalte zu chatten. "Das war schon etwas Besonderes, der Kanzlerin direkt Fragen stellen zu können und sie auch ein wenig privat zu erleben. Das hat viel Spaß gemacht", gibt der EM-Debütant zu Protokoll. Dass Robin Koch es tatsächlich bis in den EM-Kader geschafft hat, war nicht unbedingt zu erwarten, aber er selbst hat immer dran geglaubt.

Vertrauen des Bundestrainers

Er hat hart dafür gearbeitet, damit er doch noch auf den EM-Zug aufspringen konnte. Zu Bundestrainer Joachim Löw behielt er Kontakt auch während der langen Auszeit. Mitte März wurde er erstmals wieder in der Schlussphase des Spiels gegen den FC Fulham eingewechselt. Danach spielte er zweimal 90 Minuten durch. Aber zum Saisonfinale in der Premier League bremste ihn erneut eine leichte Verletzung aus. Trotzdem reichten die Einsatzzeiten offensichtlich, um das Vertrauen von Joachim Löw zu bekommen. Sein Wechsel in die Premier League könnte dabei ein Vorteil sein. "Das Spiel dort ist schneller und robuster als in der Bundesliga. Außerdem hat es mich in meiner Persönlichkeit weitergebracht, eine fremde Sprache und Kultur zu erleben", sagt Koch. Vor allem aber glaubt er, dass seine bisherigen Auftritte in der Nationalmannschaft Löw überzeugt haben.

Innenverteidiger mit Spielmacher-Qualitäten

Die Stärke von Robin Koch ist seine Qualität als Aufbauspieler. Der gelernte Innenverteidiger wurde schon des öfteren auf der Sechser-Position eingesetzt. Nicht nur von Leeds-Coach Marcelo Bielsa, sondern auch schon von Christian Streich in Freiburg und auch von Joachim Löw im Nations-League-Spiel gegen die Ukraine. "Ich war im Jugendbereich viel im Mittelfeld unterwegs und liebe es, einen gepflegten Ball zu spielen und das Spiel zu eröffnen", erklärt Koch seine Vorzüge in diesem Bereich. Allerdings besteht gerade auf dieser Position im Mittelfeld ein Überangebot an herausragenden Spielern in der DFB-Elf: Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich und Leon Goretzka sind seine Mitbewerber.

Ungewöhnlicher Karriereweg

Im Vergleich zu diesen Spielern gilt Robin Koch mit bisher acht Einsätzen in der A-Nationalmannschaft als vergleichsweise unerfahren. Das mag auch damit zu tun haben, dass er nicht den klassischen Weg über Nachwuchsmannschaften von Bundesligisten und die U-Nationalmannschaften des DFB nutzte, um sich in den Vordergrund zu spielen. Sein Weg führte ihn aus der Rheinland-Liga beim SV Dörbach zur Regionalligamannschaft des 1. FC Kaiserslautern. Erst 2016 gab es dann den ersten Profivertrag für die zweite Liga mit dem FCK. Sein Bundesligadebüt folgte im Oktober 2017 für den SC Freiburg, zwei Jahre später dann seine Premiere im Nationaltrikot unter Joachim Löw gegen Argentinien. Jetzt spielt er wenige Wochen vor seinem 25. Geburtstag sein erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft.

EM-Rolle als Joker

Mit der Frage ob, und wenn ja, wie oft er bei der EM zum Einsatz kommen wird, will sich Robin Koch nicht zu sehr beschäftigen. "Jeder kann im Turnierverlauf wichtig werden. Deshalb gibt jeder alles, wir pushen uns gegenseitig und gehen an unsere Grenzen", beschreibt er die Situation im Team. Dass er gegen Frankreich im ersten Spiel vermutlich noch nicht auf dem Platz stehen wird, ist dabei zweitrangig. Er will in jeder Hinsicht die Mannschaft unterstützen. "Wir wissen natürlich um die Stärke der Franzosen, aber wir müssen uns nicht verstecken", so die Einschätzung von Koch vor dem Spiel gegen den Weltmeister. Positiv denken ist das Motto. Er möchte schließlich bei seinem ersten großen Turnier die Tage mit der Nationalmannschaft so lange wie möglich genießen.

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