Public Viewing Reutlingen (Foto: SWR, SWR)

Fußball | Katar 2022

Deutschland verliert gegen Japan - Niederlage auch für Public-Viewing-Veranstalter

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Pirmin Styrnol

Menschenrechtsverletzungen, Verbot der One-Love-Kapitänsbinde, Boykottaufrufe im Vorfeld - die Fußball-WM in Katar steht unter keinem guten Stern. Trotzdem bieten einige Veranstalter im Südwesten Public-Viewing-Veranstaltungen an. Wir waren während des Auftaktspiels der deutschen Nationalelf in Reutlingen und in Bad Kreuznach vor Ort.

Rund eine Stunde vor dem Anpfiff sitzen geschätzt 70 Gäste vor der Leinwand. Ein wenig verloren sehen sie aus, im ehemaligen Bauhaus-Baumarkt in Reutlingen. Immerhin wurden Bierbänke und Tische für rund 2.500 Zuschauer aufgestellt. Eine Stunde später, als das Spiel beginnt, sind vielleicht doppelt so viele da. 150 schätzt der SWR-Sport-Kollege vor Ort - es können auch weniger sein. Als der japanische Angreifer Daizen Maeda in der achten Minute aus Abseitsposition den Ball über die deutsche Torlinie drückt, wird es trotzdem kurz laut beim Public Viewing. Was weniger an der Menschenmenge liegt, als am Hall, in der gefühlt leeren Halle. Der angekündigte WM-Boykott vieler Deutschen, er ist hier visuell greifbar.

Die wenigen Anwesenden lassen sich vom geringen Zuspruch die Freude am Spiel trotzdem nicht kaputtmachen. "Ich gucke einfach gerne Fußball", erklärt eine Zuschauerin am SWR-Mikrofon. "Den Boykott müssen nicht die Fans austragen", findet ein anderer.

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Rund 30 Public-Viewing-Gäste in Bad Kreuznach

Auch im rheinhessischen Bad Kreuznach ist der Andrang für den Veranstalter enttäuschend. Rund 600 Personen hätten im Biergarten im Brauwerk bei bestem Wetter das Auftaktspiel der deutschen Nationalelf sehen können, doch die meisten Tische bleiben leer. Das 1:0 durch Ilkay Gündogan sehen im Brauwerk nur rund 30 Besucher. Der Veranstalter und Chef des Brauwerks, Andreas Röth, zeigt sich pragmatisch: "Es ist natürlich schwach", sagt er am SWR-Mikrofon, "aber wir haben gesagt, wir ziehen es trotzdem durch - egal was kommt."

Die Diskussionen um Kapitänsbinden und Menschenrechte könne er zwar generell nachvollziehen, "man hätte sich aber vor zehn, zwölf Jahren aufregen sollen und nicht eine Woche vor der ganzen Sache", findet er. Dennoch zeigt er sich vor dem Spiel optimistisch: "Ich denke, der Spaß kommt eben, wenn sie weiterkommen." Die Stimmung im Biergarten bleibt dennoch während des Spiels eher lau - Japans 1:1-Ausgleich durch den Freiburger Ritsu Doan in der 76. Minute hilft da auch nicht besonders. Sieben Minuten später erzielt der Ex-Stuttgarter Takuma Asano des 2:1 für Japan. Die WM-Stimmung in Bad Kreuznach beflügelt dieser Treffer freilich nicht.

Protestaktion - 15.000 Pässe für Katar

Rund 125 Kilometer südlich bekommt vom japanischen Siegtreffer sowieso niemand etwas mit. Auf dem Schulhof des Evangelischen Gymnasiums in Bad Marienberg wird nicht geguckt, sondern gekickt. Hunderte Menschen treffen sich hier während des Spiels, um selbst den Ball laufen zu lassen - unter dem Motto "15.000 Pässe für Katar". Die Zahl soll den rund 15.000 Gastarbeiter gedenken, die seit Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Katar im Emirat ums Leben kamen. Anstatt den Anfpiff der deutschen Nationalelf in Katar zu sehen, findet hier eine Schweigeminute statt. Danach werden 70 Bälle 15.000 Mal hin und her gespielt.

Eine Schweigeminute gibt es in Reutlingen und in Bad Kreuznach nicht. Laut ist hier nach Abpfiff trotzdem niemand. Die Deutsche Nationalmannschaft verliert ihr Auftaktspiel gegen Japan mit 1:2. Eine Niederlage, auch für die Public-Viewing-Veranstalter. Und ein weiterer Dämpfer für die ohnehin schon ganz schön kleine Fußball-Euphorie im Südwesten.

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Pirmin Styrnol

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