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Nach zwei Jahren als Co- und 15 Jahren als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft verabschiedet sich der gebürtige Badener von seiner Trainerkarriere beim DFB. SWR Sport blickt auf insgesamt 43 Jahre Löw-Fußball zurück.

Joachim Löw ist ein Mann aus der Region. Am 3. Februar 1960 wird der heutige Bundestrainer in Schönau im Schwarzwald (Kreis Lörrach) geboren. Der Kurort ist umgeben von den Bergen des südlichen Schwarzwaldes. In Schönau kickt er für die beiden Dorfvereine TuS 1896 und FC.

Seine Profikarriere beginnt im 40 Kilometer entfernten Freiburg: 1978 wechselt der Mittelstürmer von den Sportfreunden Eintracht Freiburg zum SC Freiburg, der gerade in die zweite Bundesliga aufgestiegen war. Der 18-Jährige Löw gilt als eines der großen Fußballtalente im Land. Zwei Mal verlässt Löw den SC Freiburg, um in der ersten Liga zu spielen. In der Saison 1980/81 spielt er für den VfB Stuttgart in der ersten Liga, verletzt sich aber noch vor Saisonbeginn: Nach seinem Schienbeinbruch spielt Löw nur vier Mal für den VfB. Auch bei seinen anderen Erstliga-Stationen bei Eintracht Frankfurt (Saison 1981/82) und dem Karlsruher SC (1984/85) bleibt Löw der Durchbruch in Liga eins verwehrt: In 52 Bundesligaspielen schießt er als Angreifer magere sieben Tore.

Freiburg ist Löws (sportliche) Heimat

In seiner sportlichen Heimat Freiburg ist Löw dagegen erfolgreich. Zwei Mal kehrt Löw in seiner Spielerkarriere zum SC Freiburg zurück. Mit 82 Treffern ist Jogi bis heute der Zweitliga-Rekordtorschütze des SC-Freiburg. Dem SC Freiburg bleibt Löw eng verbunden: 2010 wird er zum Ehrenspielführer des Vereins ernannt.

Freiburgs Abwehrspieler Joachim Löw (l) im Zweikampf mit dem Berliner Blau-Weiß-Stürmer Thorsten Schlumberger. Archiv: 20.05.1989 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Rolf Haid)
Freiburgs Abwehrspieler Joachim Löw (l) im Zweikampf mit dem Berliner Blau-Weiß-Stürmer Thorsten Schlumberger. Archiv: 20.05.1989 picture alliance/dpa | Rolf Haid

27 Jahre Trainerkarriere

Nach Stationen in der Schweiz beendet Löw 1995 seine Spielerkarriere. 1994 startet seine Karriere als Fußballtrainer noch im selben Schweizer Verein, bei dem er für ein weiteres Jahr als Spieler angestellt war. Von einem Jahr als Jugendtrainer des FC Winterthur über eine Saison als Spielertrainer beim FC Frauenfeld geht es 1995 zurück in die Heimat – als Co-Trainer und später als Cheftrainer des VfB Stuttgart. In dieser Zeit bereits einer seiner größten Erfolge: Der bislang letzte Pokalsieg des VfB im Jahre 1997. Mit einem 2:0 Sieg gegen den damaligen Finalisten Energie Cottbus gewannen die Stuttgarter damit zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den DFB-Pokal. Die Feier danach eine Erinnerung für sich: der damalige VfB-Verteidiger und später Assistent Löws als Co-Trainer der Nationalmannschaft Thomas Schneider verpasste Löw nach dessen Wette mit der Mannschaft eine Glatze.

Bis 1998 blieb Löw im Schwabenland. Darauf folgten Stationen als Trainer bei Fenerbahçe Istanbul, zwei Jahre beim Karlsruher SC, beim türkischen Verein Adanaspor sowie zwei Aufenthalte in Österreich: beim FC Tirol Innsbruck und dem FK Austria Wien. Erst dann begann 2004 seine Karriere bei der deutschen Nationalmannschaft. Bis 2006 agierte Löw an Seite von Jürgen Klinsmann als Co-Trainer, bevor er 2006 als der zehnte Bundestrainer in dessen Fußstapfen trat. Löw ist einer der wenigen Bundestrainer, die während ihrer Spielerkarriere nie selbst A-Nationalspieler waren.

Weltmeister aus dem Schwarzwald

Löw holte in 189 Spielen insgesamt 121 Siege mit der Nationalmannschaft - mehr als jeder andere Bundestrainer zuvor (Stand 27.11.2020). Seinen höchsten Sieg erhielt Löw bereits in seinem dritten Spiel: Im September 2006 gelang der deutschen Mannschaft ein 13:0 gegen San Marino.

Bis auf die WM 2018 erreichte die Nationalmannschaft in allen Turnieren mit Löw als Trainer mindestens das Halbfinale. Die Krönung ist und bleibt allerdings der Weltmeistertitel 2014, der Deutschland den vierten Stern brachte. Den Grundstein legte der bis heute unvergessene 7:1 Sieg im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien.

Der FC Schönau 08 aus Jogi Löws Geburtsort benannte seine Heimspielstätte nach dem Weltmeistertitel in "Jogi-Löw-Stadion" um.  (Foto: Imago, IMAGO / Arnulf Hettrich)
Der FC Schönau 08 aus Jogi Löws Geburtsort benannte seine Heimspielstätte nach dem Weltmeistertitel in "Jogi-Löw-Stadion" um. Imago IMAGO / Arnulf Hettrich

Der FC Schönau 08 aus Löws Geburtsort benannte seine Heimspielstätte nach dem Weltmeistertitel in "Jogi-Löw-Stadion" um. Die Heimat ist Löw sehr wichtig: "Wenn ich in Freiburg bin, kann ich gut abschalten", sagte Löw dem SWR 2014. Hier finde er seine Ruhe und könne sich in der Nähe seiner Familie und Freunde zurückziehen. Zeit dürfte er dafür nach seinem Rücktritt vorerst genug haben.

Viele Hintergrund-Infos in SWR Sport-Diskussion vom 9.3.2021 bei Facebook

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