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Fußball | Nationalmannschaft

DFB-Team: Ist Freiburgs Christian Günter wieder raus?

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Vor der EM wurde Freiburgs Linksverteidiger Christian Günter überraschend und verdient nach sieben Jahren wieder für die Nationalmannschaft nominiert. Nach Joachim Löws Abgang verzichtet DFB-Trainer Hansi Flick aber wieder auf den SC-Kapitän - war es das endgültig?

"Wieso spielt eigentlich Christian Günter nicht für Deutschland?" Sätze, die man öfter vor der EM hören konnte, wenn es um die jahrelange Nicht-Berücksichtigung von Freiburgs Kapitän für das DFB-Team ging. Wenn es rein um die Zeitspanne von Günters Einsätzen ginge, wäre er schon über sieben Jahre Nationalspieler. Seinen ersten Einsatz bekam er unter Joachim Löw im Mai 2014 vor der erfolgreichen WM in Brasilien und zwei weitere bei Testspielen vor der EURO dieses Jahr. In Freiburg ist er ein Dauerbrenner, eine feste und zuverlässige Abwehrgröße für Trainer Christian Streich. Was können aber die Gründe für die erneute Nicht-Berücksichtigung durch Bundestrainer Hansi Flick sein? 

Ist er zu alt? 

Während der 28-Jährige Instagram-Videos seiner mit Bauklötzen spielenden Tochter postet, bereiten sich im Training viele junge Verteidiger für die kommenden drei Länderspiele vor. Neben den "alten Hasen", wie Antonio Rüdiger (28) und Robin Gosens (27), sind es in der Defensive Lukas Klostermann (25), Niklas Süle (25), Thilo Kehrer (24), Nico Schlotterbeck (21), Ridle Baku (23) und David Raum (23), die die Verjüngung beim DFB-Team unter Flick vorantreiben können. Dass Flick gerne eine junge Truppe beisammen hat, ist kein Geheimnis. Deswegen werde man erst recht in Zukunft schauen, "welche Spieler das Potenzial haben, wenn sie sich entwickeln, dann als Nationalspieler eine große Karriere zu machen", so Flick bei RTL. Außerdem habe Flick durch seinen ständigen Austausch mit U21-Trainer Stefan Kuntz den guten Eindruck von Hoffenheims Raum (23) und Freiburgs Schlotterbeck (21) "bestätigt bekommen". 

Gibt es taktische Gründe? 

Flick berief mit Nico Schlotterbeck (21) und David Raum (23) das gesetzte Verteidiger-Duo der U21-EM in den Kader. Beide spielten bis zum gewonnenen Titel mit nur einer Ausnahme jedes Spiel zusammen - Schlotterbeck als linker Innenverteidiger und Raum ganz links.

In der Nationalmannschaft wird Flick wohl seine beim FC Bayern erfolgreich gespielte 4-2-3-1-Taktik einführen. Antonio Rüdiger, der in der EM-Dreierkette meist als Linksverteidiger spielte, könnte dann wieder auf seine gewohnte Position als rechter Innenverteidiger rutschen. Damit wäre der Weg frei für Nico Schlotterbeck und David Raum, als eingespieltes Duo ihre Qualitäten in der A-Nationalmannschaft zu beweisen.

Es wäre nur ein Lösungsansatz für die seit Jahren bestehenden Probleme der Linksverteidiger beim deutschen Team. Hinzu kommt, dass auch Bergamos Robin Gosens als Linksverteidiger zur Verfügung stünde. Da bleibt letztlich für Günter auf der linken Seite nur noch wenig Platz.

Ist es seine Leistung?

Beim SC Freiburg ist Günter Bundesliga-Rekordspieler und unumstrittener Kapitän, glänzt als sympathischer und bodenständiger Leader, der ein Näschen für Offensiv-Aktionen hat und die Seiten beackert und zugleich beflügelt. Bei der Nationalmannschaft dagegen spielte er vor der EM nur insgesamt 40 Minuten in den Testspielen gegen Dänemark und Lettland (1:1 und 7:1). Bei beiden Spielen zeigte Günter ordentliche Leistungen, stach zwar nicht herausragend aus der Masse heraus, machte aber genauso keine schwerwiegenden Fehler. Er selbst "habe gesehen, dass ich mithalten kann", so der Familienvater nach dem Turnier. Das kann er auch - in der Bundesliga sowieso und auch in der DFB-Elf.

War es das endgültig?

Dass Günter nach seinem kurzen Intermezzo bei der Nationalelf auf weitere Berufungen durch Flick hoffte, scheint nur allzu logisch. Der in Villingen-Schwenningen geborene Günter muss sich jedoch wieder gedulden. Und das, obwohl er bei der EM "extrem viel mitnehmen und von großen Spielern lernen" konnte. Sollte Coach Hansi Flick weiter konstant auf eine Verjüngung des Kaders pochen, und sollten sich Schlotterbeck und Raum auch in der A-Nationalmannschaft als ein harmonisches Duo entpuppen, kann der Weg für Günter zurück zu Flicks Elf schwierig werden. Das muss aber bei Günters Leistungen nicht das endgültige Ende seiner Nationalmannschafts-Karriere bedeuten. Vielleicht dauert es nur bis zu nächsten Nominierung etwas kürzer als sieben lange Jahre.

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