EM, Frankreich - Deutschland, Vorrunde, Gruppe F, 1. Spieltag. Ein Aktivist von Greenpeace landet im Stadion. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Matthias Balk)

Fußball | EM 2021

SWR Sport-Reporter Brinkhoff: "Es hätte sehr traurig ausgehen können"

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SWR-Sportmoderator Lennert Brinkhoff war Augenzeuge der völlig missglückten Aktion eines Greenpeace-Aktivisten aus Baden-Württemberg kurz vor Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich. Der Mann war mit einem Motorschirm ins Stadion eingeflogen. Dabei wurden zwei Menschen verletzt.

Lennert Brinkhoff hat schon viel erlebt in seiner Laufbahn als Sportjournalist, Reporter und Moderator. Was aber am Dienstagabend kurz vor dem Anpfiff in der Münchner EM-Arena passierte, war auch für den 36-Jährigen erschreckend. Um 20:56 Uhr beobachtete Brinkhoff, der für die ARD über das DFB-Team berichtet, wie ein Motorschirm-Flieger ins Stadion einschwebte, dabei in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach geriet und ins Trudeln kam.

"Er flog sehr nah über unsere Tribüne. Dann schlug er auf, gewann wieder an Höhe und kam dann in der Nähe von Antonio Rüdiger auf dem Rasen auf." Wenig später erfuhr der Reporter, dass nur etwa 15 Meter entfernt von ihm auf der Tribüne ein Techniker von dem Flieger getroffen worden war.

Knapp am Kopf von Trainer Deschamps vorbei

Während Antonio Rüdiger kurz zu dem Mann hinging, reagierten die anderen Spieler der deutschen Mannschaft kaum auf diese außergewöhnliche Aktion. Brinkhoff hatte den Eindruck, dass das deutsche Team gar nicht richtig mitbekommen hatte, was passiert war. "Vielleicht konnten sie es auch gar nicht einordnen." Die Franzosen waren dagegen weitaus stärker betroffen. Der Reporter erinnert sich: "Wenn der Flieger nicht mit dem Techniker zusammengeprallt wäre, hätte er sehr wahrscheinlich die Ersatzspieler der französischen Mannschaft getroffen. Corentin Tolisso, der das alles sehr gut beobachten konnte, stand geschockt auf der Tribüne. Dann flog der Motorflieger noch knapp über Trainer Didier Deschamps drüber, der versuchte, sich in Sicherheit zu bringen."

Auch am Tag danach muss Brinkhoff noch mal kurz durchschnaufen, wenn er daran denkt, was alles hätte passieren können. "Wenn die Aktion noch mehr schiefgelaufen wäre, dann wäre sie wahrscheinlich mit mehr Verletzten sehr traurig ausgegangen." So wurden nach Polizeiangaben zwei Männer am Kopf verletzt, die zwar nicht notärztlich versorgt werden mussten, aber zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus gebracht wurden.

"Kein Kavaliersdelikt"

Mittlerweile ermittelt die Polizei wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch - und dem Luftverkehrsgesetz. Das teilte das Polizeipräsidium München am Mittwoch mit. Der Pilot wurde festgenommen, sein Flieger sichergestellt. Auch von anderen Seiten hagelte es Kritik an der missglückten Aktion der Umweltorganisation Greenpeace, die als Protest gegen den Sponsor Volkswagen geplant war. Die Umweltorganisation entschuldigte sich für die missglückte Aktion.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte Konsequenzen an. "Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist kein Kavaliersdelikt." Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) fordert nach der umstrittenen Protestaktion eine Überprüfung der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Nach dem Vorfall von gestern mit einer ernsthaften Gefährdung der Stadionbesucher wird es Zeit, die Gemeinnützigkeit von #Greenpeace zu überprüfen", twitterte Merz am Mittwoch.

Greenpeace entschuldigt sich

Die Europäische Fußball-Union UEFA sprach von einer "rücksichtslosen und gefährlichen Aktion", die schwerwiegende Folgen für viele Menschen hätte haben können. Auch der Deutsche Fußball-Bund verurteilte den Protest. Eigentlich hätte laut Greenpeace alles ganz anders ablaufen sollen. Die Umweltorganisation forderte bei Twitter von Volkswagen, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen. Dazu sollte der Pilot vor Spielbeginn einen großen gelben Ball in die Arena sinken lassen.

Ein Sprecher räumte noch während des laufenden Spiels ein, dass die Aktion missglückt sei - und entschuldigte sich. "Das tut uns wahnsinnig leid", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: "Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzen."

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