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Fußball-Nationalspieler Matthias Ginter kann nicht mehr viel schocken. Der Freiburger hat zwei Anschläge miterlebt und stellt sich jetzt der Corona-Krise. Statt zu resignieren, packt er an und hilft.

Eigentlich kann ihn nichts mehr schocken. Matthias Ginter hat in den vergangenen Jahren schlimme Dinge miterlebt. Da waren im November 2015 die Terroranschläge in Paris. Während Ginter mit dem DFB-Team das Testspiel gegen Frankreich absolvierte, wurden in unmittelbarer Umgebung des Stadions Menschen in die Luft gesprengt. Ginter musste mit seinen Spielerkollegen aus Sicherheitsgründen die Nacht im Stadion verbringen.

Zwei Jahre später erlebte der in Freiburg geborene Fußballprofi als Spieler von Borussia Dortmund einen weiteren Anschlag. Vor dem Champions League-Spiel gegen den AS Monaco wurde am voll besetzten Dortmunder Mannschaftsbus ein Sprengsatz gezündet. Ginter blieb unverletzt; sein Mitspieler Marc Bartra wurde am Arm verletzt. 2018 sagte Ginter als einer von drei Spielern neben Bartra und Roman Weidenfeller vor Gericht aus.

Deutliches Zeichen

Und jetzt die nächste Krise: Das Corona-Virus hat das öffentliche Leben lahmgelegt. Die Welt hält den Atem an. Der Fußball spielt in diesen Tagen das, was er von sich schon immer behauptet hat: eine Nebenrolle. Die Profiklubs haben ihren Trainingsbetrieb eingestellt, auch Ginters aktueller Verein Borussia Mönchengladbach. Während viele Profis und Vereinsfunktionäre sich erst noch sortieren mussten, ehe sie mit klaren Aussagen und Entscheidungen an die Öffentlichkeit gingen, war für den intelligenten Abiturienten schnell klar, worum es jetzt geht.

Matthias Ginter ruft zur Solidarität auf

In aller Deutlichkeit äußerte sich der Familienvater (Ginter ist seit dem 19. Januar 2020 Vater eines Sohnes) auf Instagram zur Corona-Krise und der 2,5-Millionen-Spende des Nationalteams: "Selten war die Welt in so einem Ausnahmezustand wie jetzt gerade. Sehr stark, wie ihr euch gegenseitig unterstützt. Auch wir als Nationalmannschaft wollen durch unsere Spende unseren Teil dazu beitragen. Lasst uns in der Situation gegenseitig helfen und einfach ein Zeichen setzen, in dem wir zusammenstehen in dieser schwierigen Zeit. Nie war Solidarität wichtiger als heute."

Herz im Takt der Mitmenschlichkeit

Ginter ist keiner, der plötzlich auf den Solidaritäts-Zug aufspringt, um den Beifall der Fans zu erhaschen. Das Herz des 1,91-Meter-Abwehrhünen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schlägt schon seit Jahren im Takt der Mitmenschlichkeit. Vor zwei Jahren hat der "Nationalspieler des Jahres 2019" (Wahl DFB-Fanclub Nationalmannschaft) gemeinsam mit seiner Frau Christina Raphaella eine eigene Stiftung gegründet. Die Stiftung unterstützt geistig, körperlich und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Raum Freiburg durch verschiedene Projekte. Auch in diesen schweren Zeiten hilft der Fußball-Weltmeister von 2014 mit seiner Organisation. Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn wies jetzt darauf hin, dass die Matthias Ginter Stiftung ihm zugesichert habe, einen "nennenswerten Gundstock" zur Verfügung zu stellen, um kreative und coronaverträgliche Projekte für die Menschen in Freiburg zu fördern.

Ginter hat mit seinen 26 Jahren schon einiges durchgemacht. Nach den zwei Anschlägen jetzt also die Corona-Krise. Die einen würden resignieren. Matthias Ginter packt an und hilft.

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