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Die UEFA verschiebt im Zuge der Coronakrise die EURO 2020 um ein Jahr. Dazu ein Kommentar von Thomas Wehrle.

Weltfußball – Willkommen in der Wirklichkeit!

Der Fußball und seine Funktionäre überschätzen sich auch angesichts der verschärften Coronakrise immer noch – und wir Beobachter fallen darauf auch noch rein: erst tut gestern die DFL so, als könne sie entscheiden, wie es in den Profiligen weitergeht, heute verschiebt die UEFA die EURO und erweckt den Eindruck, sie sei Herr des Verfahrens. Das sind die Fußballer definitiv derzeit nicht. Und das sind sie definitiv nicht gewohnt. Die Menschen, die in der Blase Profisport leben und von ihr profitieren, werden von den Verhältnissen ins richtige Leben zurück geholt. Und das ist auch gut so.

Alle Entscheidungen der letzten Tage im Fußball sind nämlich schlicht alternativlos. Der Sport kann sich nicht außerhalb der Gesellschaft stellen. Die Spielregeln bestimmen Virologen, Politiker, Gesundheitsämter - längst nicht mehr die Sportfunktionäre. Hätten DFL und UEFA anders entschieden, wären sie von den staatlichen Autoritäten schlicht weggefegt worden. Das sind Fußballfunktionäre nicht gewohnt, das kann durchaus heilsam sein - so eine ganz normale menschliche Erfahrung.

Was wird aus der Club-WM?

Abzuwarten bleibt, ob das alle im Fußball auch begriffen haben. Ich bin jetzt echt gespannt, was die FIFA zur UEFA Entscheidung sagt. Denn im Sommer 2021 soll eigentlich die neue Club-WM Premiere haben. Eine zig Millionen schwere Veranstaltung in China. Lukrativ für die reichsten Clubs und die reiche FIFA, ursprünglich ein bisschen verbrämt als WM-Test. Ich konnte mir fast nicht vorstellen, dass die FIFA um Gianni Infantino dieses Lieblingskind einfach so dem Virus und den Wünschen der UEFA opfert. Zumal sich FIFA und UEFA überhaupt nicht grün sind. Aber diesmal waren Infantino und die anderen Herren im Fußballolymp einsichtig genug, die nächste Lektion durch die virus-rauhe Wirklichkeit zu vermeiden und sich zusammen zu raufen. Die Euro wird tatsächlich um ein Jahr verschoben. Die FIFA weicht mit der Club WM aus. Und auch das ist gut so!

Angesichts todkranker Menschen, einer drohenden Weltwirtschaftskrise und bis vor wenigen Tagen ungeahnter Einschränkungen der Freiheitsrechte müssen die Herren der Fußballwelt - Frauen gibt es tatsächlich so gut wie keine im Spitzenfußball - schließlich vor allem eines verinnerlichen: Fußball, genau wie der gesamte Sport ist eine der schönsten Nebensachen der Welt. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist erst recht gut so.

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