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Am 11. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft. SWR Sport erklärt, wann Public Viewing in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz möglich ist.

Tausende Fans, ohne Abstand, kollektives Jubeln: Das klassische Public Viewing wird es in Zeiten der Corona-Pandemie nicht geben. Darauf müssen sich Fans während der Fußball-Europameisterschaft vom 11. Juni bis 11. Juli einstellen. Dennoch ist gemeinsames Fußballgucken in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg innen und außen möglich. SWR Sport fasst alles Wichtige für Sie zusammen.

Public Viewing: Das gilt in Rheinland-Pfalz

Das Land Rheinland-Pfalz hat zum 2. Juni die Corona-Regeln gelockert. Dadurch ist Public Viewing innen und außen möglich.

Möglichkeit 1: Public Viewing in der Gastronomie

Bei einer stabilen Inzidenz unter 100 dürfen in Rheinland-Pfalz seit 2. Juni gastronomische Betriebe auch im Innenbereich öffnen. Gäste müssen einen negativen Test vorlegen. Im Außenbereich, zum Beispiel in einem Biergarten, wird kein Test benötigt. Am Platz kann die Maske abgesetzt werden. Eine Sperrstunde gibt es in der aktuellen Corona-Verordnung des Landes RLP nicht. Maßgeblich ist die Regelung in der jeweiligen Kommune.

Für Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Rheinland-Pfalz, sind die Lockerungen “sehr, sehr gute Signale”. Die Stimmung bei den Gastronomen sei gut. “Ich gehe davon aus, dass wir bei einem glücklichen Turnierverlauf am Ende in ganz, ganz vielen Betrieben die Möglichkeit haben werden, gemeinsam Fußball an der frischen Luft zu schauen”, sagt Haumann im Gespräch mit SWR Sport.

Möglichkeit 2: Public Viewing als Kulturveranstaltung

Auch Public Viewings auf öffentlichen Plätzen oder in kulturellen Einrichtungen können theoretisch stattfinden. Sie fallen dann unter Kulturveranstaltungen, die unter Auflagen möglich sind. Bei einer Inzidenz unter 100 sind innen und außen 100 Zuschauer zugelassen. Bei einer Inzidenz unter 50 im Freien bis zu 250 Zuschauer. Zum 8. Juni lag in ganz RLP die Inzidenz nur in der kreisfreien Stadt Zweibrücken über 50. Im Innenbereich gilt die Testpflicht. Fraglich ist aber, ob Veranstalter ein solches Public Viewing unter den gegebenen Umständen überhaupt umsetzen.

Kein Rudelgucken

Generell gelten die üblichen Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen (fünf Personen egal aus wie vielen Haushalten – plus vollständig Geimpfte, Genesene und Kinder bis einschließlich 14 Jahre können ohne Abstand zusammensitzen). Außerdem müssen Veranstalter dafür sorgen, dass sie die maximale Zuschauerzahl einhalten - zum Beispiel durch Absperrungen. Ein "Rudelgucken" ohne Abstand wie in Zeiten vor der Corona-Pandemie ist nicht möglich.

Public Viewing in RLP wohl nur in der Gastronomie

Größere Public Viewing Events mit Leinwänden außerhalb der Gastronomie wird es nach aktuellem Stand aber wohl nicht geben. In den großen rheinland-pfälzischen Städten liegen keine Anmeldungen von Veranstaltern vor. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (Stand: 6. Juni).

Ein Beispiel: Die Arena Trier, wo bei den vergangenen großen Fußballtrunieren häufig ein klassisches Public Viewing angeboten wurde. "Wir haben früh gesagt: Ein großes Public Viewing sehen wir diesen Sommer einfach noch nicht", sagt Vincenzo Sarnelli, Pressesprecher der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft (MVG) Trier.

Ein Grund liegt in der fehlenden Planbarkeit: "Wir wissen nicht, was in zwei Wochen ist", sagt Sarnelli, der außerdem glaubt, "dass die Leute auch noch nicht bereit dazu sind, sich mit vielen Leuten auf einem Platz zu versammeln". Im Bistro "Front of House" in der Arena Trier können Gäste die Spiele aber verfolgen. "Wir glauben, dass das ein Ambiente und eine Umgebung ist, wo wir das sicher darstellen können", sagt Sarnelli.

Weitere Lockerungen in RLP ab 18. Juni

Mit dem weiteren Öffnungsschritt am 18. Juni wird die Zahl der erlaubten Zuschauer bei Kulturveranstaltungen noch einmal erhöht. Bei einer Inzidenz unter 50 auf bis zu 250 Zuschauer im Innenbereich mit Test und bis zu 500 Zuschauer im Freien ohne Test.

Ab 2. Juli werden zudem die Kontaktbeschränkungen gelockert. Dann dürfen sich 10 Personen treffen - egal aus wie vielen Haushalten, plus eine unbegrenzte Zahl an Geimpften, Genesenen und Kindern unter 15.

Im Innenbereich sind ab 2. Juli bei einer Inzidenz unter 100 bei Kulturveranstaltungen bis zu 350 Zuschauer erlaubt, im Freien bis zu 500. Die Fußball-Europameisterschaft beginnt am 11. Juni und endet am 11. Juli.

Public Viewing: Das gilt in Baden-Württemberg

Aller Voraussicht nach ist auch in Baden-Württemberg Public Viewing innen und außen möglich. Das Land hat jüngst die Corona-Verordnung zum 7. Juni geändert. Je nach Inzidenz gelten durch den Stufenplan des Landes aber andere Regeln. In den meisten Städten können Fans im öffentlichen Raum nach derzeitigem Stand aber nur im Innen- oder Außenbereich von Gaststätten die Spiele verfolgen.

Möglichkeit 1: Public Viewing in der Gastronomie

Public Viewing ist nach der aktuellen Verordnung für Fans in Gaststätten möglich. Je nach Inzidenz im Stadt- oder Landkreis dürfen Gaststätten aber unterschiedlich lange öffnen.

Öffnungsschritt 1: Gastronomie bis 21 Uhr

Wenn die Inzidenz eines Stadt- oder Landkreises fünf Werktage in Folge unter 100 liegt, dürfen Gaststätten, Shisha- und Raucherbars innen und außen bis 21 Uhr öffnen (Öffnungsschritt 1). Zwei der drei deutschen EM-Gruppenspiele beginnen um 21 Uhr. Steigen die Inzidenzen wieder auf über 100, könnten Fans nur die 18 Uhr-Spiele in gastronomischen Betrieben anschauen.

Öffnungsschritt 2: Gastronomie bis 22 Uhr

Sinkt die Inzidenz 14 Tage nach Öffnungsschritt 1 weiter, dürfen Gaststätten, Shisha- und Raucherbars innen und außen bis 22 Uhr öffnen (Öffnungsschritt 2). Bei 21 Uhr-Spielen müssten Gastwirte ihre Gäste nach der ersten Halbzeit wieder nach Hause schicken.

Öffnungsschritt 3: Gastronomie bis 1 Uhr

Sinkt die Inzidenz 14 Tage nach Öffnungsschritt 2 weiter, dürfen Gaststätten, Shisha- und Raucherbars innen und außen bis 1 Uhr öffnen. Das gilt automatisch auch dann, wenn die 7-Tages-Inzidenz im Stadt- oder Landkreis an fünf Tagen hintereinander unter 50 liegt.

Allerdings können nicht beliebig viele Fans für die Fußballspiele in die Gaststätten. Im Innenbereich von Gaststätten gilt: 1 Gast pro 2,5m² und jeweils 1,5 Meter Abstand zu den anderen Tischen. Die Abstandsregelung von 1,5 Metern gilt auch im Außenbereich. Rudelgucken ohne Abstand ist nicht möglich.

Daniel Ohl, Pressesprecher des DEHOGA BW, teilt mit: "Es ist damit zu rechnen, dass es auf Grund der geltenden Restriktionen und der Unsicherheit bezüglich der Inzidenzlage weniger Public-Viewing-Angebote in der Gastronomie geben wird als in ‘normalen’ Jahren." Je nach dem wie lange die deutsche Nationalmannschaft im Turnier ist und wie sich die Inzidenzen entwickeln, könne sich dies aber auch wieder ändern, sodass manche Gaststätten später im Turnier doch noch Spiele der deutschen Mannschaft zeigen könnten.

Diese Public Viewing-Möglichkeiten gibt es in Stuttgart

Die Stadt Stuttgart schreibt am 9. Juni: "Eine größere Übertragung gibt es nach unseren Erkenntnissen im Biergarten von Sonja Merz im unteren Schlossgarten. Es gelten die Regelungen für die (Außen-)Gastronomie. Daneben haben Römerkastell und Mercedes-Benz-Museum kleinere Veranstaltungen (weniger als 500 Personen, Hygienekonzept, 3G) im Rahmen der geltenden Rechtslage angemeldet und genehmigt bekommen. Ansonsten gibt es lediglich Übertragungen im kleineren Rahmen in der Außengastronomie."

Möglichkeit 2: Public Viewing als Kulturveranstaltung

Auch Public Viewings auf öffentlichen Plätzen oder in kulturellen Einrichtungen können theoretisch stattfinden, wenn sie unter Kulturveranstaltungen fallen. Diese sind unter Auflagen möglich. Wann aber zählt Public Viewing außerhalb der Gastronomie als Kulturveranstaltung? "Das bloße Aufstellen einer Leinwand auf einem öffentlichen Platz ohne zum Beispiel durch Ordner kontrollierten und kontrollierbaren Zugang" sei "nicht ausreichend" schreibt das Sozialministerium Baden-Württemberg auf Anfrage von SWR Sport.

"Die Organisationsform muss mindestens mit einem Freiluftkino unter Sicherstellung der Abstandgebote und Hygienevorgaben vergleichbar sein. Kontrollierter Zutritt ist erforderlich, da nach den Regelungen der Corona-Verordnung für Kulturveranstaltungen die Pflicht zur Datenverarbeitung und ggfs. Vorlage der sog. 3-G-Nachweise gilt", heißt es weiter. Nicht möglich seien Public Viewing Veranstaltungen, bei denen sich "Menschen dicht gedrängt um eine frei zugängliche Leinwand in der Öffentlichkeit scharen".

Je nach Inzidenz sind in Baden-Württemberg Kulturveranstaltungen innen mit bis zu 250 und außen mit bis zu 750 Zuschauern erlaubt:

  • Öffnungsschritt 1: 100 Personen im Freien
  • Öffnungsschritt 2: 250 Personen im Freien oder 100 Personen in geschlossenen Räumen
  • Öffnungsschritt 3 / stabile Inzidenz unter 50: 500 Personen im Freien oder 250 Personen in geschlossenen Räumen
  • stabile Inzidenz unter 35: 750 Personen im Freien

Bisher kaum Public Viewing-Veranstaltungen außerhalb der Gastronomie

In vielen Städten in Baden-Württemberg werden nach bisheriger Erkenntnis aber ohnehinn nur Gaststätten die Spiele übertragen. In Karlsruhe, Ulm, Freiburg, Pforzheim und Heidelberg wurde bisher kein Public Viewing beantragt respektive angemeldet. Ähnlich dürfte es in den anderen größeren Städten in Baden-Württemberg sein.

Doch es gibt auch Ausnahmen. Im Römerkastell in Stuttgart-Bad Cannstatt können sich Fans im Rahmen der Kulturveranstaltungsreihe des Kastellsommers alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft anschauen. Im Freien auf einer großen Leinwand.

Die Stadt hat die Kulturveranstaltung genehmigt. Der Eintritt ist frei, es gibt aber feste Sitzplätze, weshalb im Voraus Tickets gebucht werden müssen. Auf dem Platz kann die Maske abgenommen werden, es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

200 Zuschauer bei Public Viewing im Stuttgarter Römerkastell

Ursprünglich war die Zuschauerzahl auf 100 Zuschauer begrenzt. "20 Minuten hat es gedauert, dann waren die drei Vorrundenspiele ausgebucht", erzählt Heiko Blattert, Sprecher des Kastellsommers. Nun wären aufgrund der neuen Verordnung bei Kulturveranstaltungen außen 500 Zuschauer zugelassen, weil die Inzidenz in Stuttgart zum 8. Juni weiterhin stabil unter 50 liegt.

Die Veranstalter machen bei 200 Zuschauern aber Schluss: “Mehr machen wir nicht. Es muss alles handlebar sein und mit 200 Personen ist es handlebar, in dem Set Up wie wir es fahren mit den Inseln, mit den zugewiesenen festen Plätzen", sagt Heiko Blattert. Bei mehr Personen "wird’s dann irgendwann schwer, die Kontrolle zu behalten".

Die weiteren Tickets für die Vorrundenspiele waren laut Veranstalter am Mittwochmorgen, 9. Juni, nach zehn Minuten ausgebucht.

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