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Leistungsträger, Kapitän, Sprachrohr. Christian Günter vom SC Freiburg ist einer der beständigsten Spieler der Bundesliga. Zudem spielt er auf einer Position, die in der deutschen Nationalmannschaft seit Jahren vakant ist.

Die Augenbrauen etwas hochgezogen, das Kinn leicht nach unten gerichtet, auf den Lippen ein verschmitztes Lächeln. Christian Günter wirkt nach seinem ersten Doppelpack in der Bundesliga am vergangenen Wochenende gegen den FC Schalke 04 (4:0) sichtlich entspannt.

Mit seinen Saisontoren zwei und drei krönte der SC-Kapitän eine starke Leistung und sicherte seiner Mannschaft nach zuvor zwei Niederlagen gegen Bielefeld und Gladbach einen wichtigen Heimsieg. Durch den Erfolg und das Erreichen der "40-Punkte-Marke" sind die letzten Restzweifel am Freiburger Klassenerhalt endgültig beseitigt.

Nach den wechselhaften Ergebnissen der letzten Wochen kann der Blick somit endlich wieder nach oben gerichtet werden. Doch laut SC-Kapitän Günter ist der Fußball manchmal wie eine Berg- und Talfahrt. In einem Moment sei alles super und dann gehe es wieder in die andere Richtung.

Höhen und Tiefen

Mit dem ständigen Auf und Ab musste Günter selbst früh in seiner Karriere zurechtkommen. Mit 13 Jahren wechselt er zum SC Freiburg in die Nachwuchsabteilung. Von da an pendelt er fast jeden Tag von Tennenbronn aus dem Schwarzwald ins 65 Kilometer entfernte Freiburg.

Der Traum von der Profikarriere droht zu platzen. In der U17 kommt er als älterer Jahrgang kaum noch zum Einsatz, fängt zudem eine Ausbildung als Industriemechaniker an. Schlussendlich übernimmt ihn der Verein doch in die U19. Sein damaliger Trainer ist Christian Streich.

Streich setzt auf Günter, der sich als jüngerer Jahrgang in der A-Junioren-Bundesliga einen Stammplatz erkämpft. Plötzlich ist der Profi-Traum wieder zum Greifen nah. Kurze Zeit später gelingt der Durchbruch über die zweite Mannschaft. 2012 gibt er sein Bundesligadebüt unter dem neuen Trainer der Profimannschaft: Christian Streich.

Lob und Anerkennung von Christian Streich

Die Beziehung der beiden ist innig. Auch oder gerade weil beide die Bodenhaftung nicht verloren haben. Seinen Schützling lobt Namensvetter Streich in höchsten Tönen.

"Der Christian hat nochmal eine Entwicklung gemacht. Auch wie er sich präsentiert auf dem Platz. Auch an Körperlichkeit hat er echt nochmal zugelegt und mit der Ruhe am Ball."

Mittlerweile hat er für den SC über 200 Bundesligaspiele absolviert und sich zu einem der stärksten Linksverteider der Bundesliga entwickelt. Seit letzten Sommer trägt er die Kapitänsbinde. Günter ist die Beständigkeit in Person, hat in den letzten sieben Spielzeiten nur sechs Spiele verpasst!

Der Freiburger Dauerrenner auf der linken Seite

Der 28-Jährige ist robust, zweikampfstark und schnell. Zudem ist er enorm fleißig, beackert seine linke Außenbahn in jedem Spiel. In Freiburg ist er der laufstärkste Spieler und verzeichnet die meisten Sprints in der Saison. Zudem spielt er zielstrebig im Spiel nach vorne und aufmerksam in der Rückwärtsbewegung.

Attribute, die der Nationalmannschaft aktuell fehlen? Günter ist bei diesem Thema gelassen. Für ihn sei Joachim Löw der richtige Mann an der richtigen Stelle und er selbst nicht in der Position, Ratschläge zu geben, wer mit zur Europameisterschaft fährt und wer nicht.

Debüt vor sieben Jahren

Die Linksverteidigerposition ist in der Nationalelf seit Jahren vakant. Für die anstehende Europameisterschaft dürfte Robin Gosens von Atalanta Bergamo gesetzt sein. Ansonsten wird es dünn. Weder die beiden Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg, noch der Dortmunder Emre Can konnten links hinten nachhaltig auf sich aufmerksam machen.

Das Trikot der Nationalmannschaft durfte Günter bisher einmal überstreifen, vor sieben Jahren in einem Freundschaftsspiel gegen Polen. Beim Heimsieg gegen Schalke 04 war Bundestrainer Joachim Löw zwar im Stadion, aber bei Günters Toren nicht mehr auf seinem Platz. Für Günter entscheide aber nicht ein einziges Spiel, sondern die Leistung einer ganzen Saison.

EM-Teilnahme wäre ein Traum

Für den SC Freiburg geht es noch bis Ende Mai um Punkte in der Bundesliga. Danach ist für die meisten Profis erst einmal Urlaub angesagt. Den würde Christian Günter laut eigener Aussage dann auch verschieben, schließlich sei die Teilnahme bei einer Europameisterschaft ein echter Traum.

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