Marcus Sorg beim Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (Foto: Imago, Hübner)

Fußball | Nationalmannschaft "Ersatz-Jogi" Marcus Sorg - tief aus dem Ulmer Westen

Bundestrainer Joachim Löw ist im Krankenstand. Deshalb wird er bei den EM-Qualifikationsspielen gegen Weißrussland und Estland von seinem Assistenten Marcus Sorg, einem gebürtigen Ulmer, vertreten.

Begonnen hat alles tief im Ulmer Westen. Der Stadtteil Söflingen, 11.000 Einwohner. Hier, bei der örtlichen Turn- und Sportgemeinde, startete der damals Fünfjährige Marcus Sorg mit dem Fußball. Der schnelle Junge reifte zum Talent und wechselte mit zwölf Jahren zum Ulmer Vorzeige-Klub, zum großen SSV 1846.

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Marcus Sorg, der gebürtige Ulmer, war Stürmer. Flink und torgefährlich. Mit 18 Jahren bereits gelang ihm mit den Ulmern der Sprung in den Profifußball, Aufstieg in die 2. Liga. Sorg und der spätere Freiburger Uwe Spieß bildeten seinerzeit ein junges und erfolgreiches Stürmer-Duo.

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Sorg war ein gefürchteter Oberligastürmer

Der ganz große Sprung nach oben aber blieb dem Fußballspieler Marcus Sorg verwehrt. Nach dem Wechsel zu den Amateuren des VfB Stuttgart begann er parallel zum Fußball ein Studium der Bauphysik. Die damalige Amateur-Oberliga und die neugegründete Regionalliga blieben die sportliche Heimat von Marcus Sorg. Für viele Tore sorgte er bis zu seinem Karriere-Ende 1999 auch in Ditzingen und beim VfR Mannheim.

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"Wie die Jungfrau zum Kinde Trainer geworden"

Sorg wechselte an die Seitenlinie. "Ich bin eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde zum Trainer geworden", erinnerte sich der Schwabe vor einigen Jahren an die Anfänge, "ich hatte eigentlich nie das Ziel, Trainer zu werden". Der Vollständigkeit halber machte er am Ende seiner Zeit als Fußballer dennoch die Trainerscheine komplett. Während der Prüfungswochen wurde er angesprochen: "Ich sei doch der perfekte Trainer", so Sorg. Und wie es so oft im Leben kommt: "Der Zufall spielte eine große Rolle dabei, dass ich Trainer wurde".

Seine Vorstellungen vom Trainer-Job beschrieb Sorg einmal wie folgt: "Der Spieler muss wissen, was er zu tun hat, aber er braucht auch gewisse Freiheiten". Allerdings weiß Sorg auch: "Freiheit geht nur soweit, dass sie der Gruppe nicht schadet". Und: "Die Entscheidungen des Trainerteams müssen bedingungslos umgesetzt werden".

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Zunächst ohne größere Ausschläge nach oben und unten wuchs Sorg in seine neue Rolle als Trainer. Und wieder war er ausschließlich in Baden-Württemberg unterwegs: Stuttgarter Kickers, Ditzingen, SB Heidenheim, SSV Ulm.

Parallel dazu betrieb er ein Ingenieursbüro. Erst 2008 kam richtig Dynamik in die Vita des Profitrainers. Sorg wechselte zum SC Freiburg, arbeitete sich im Breisgau kontinuierlich in die erste Reihe. Scout, U17-Trainer, Coach der Amateurmannschaft.

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Schnelles Ende in der Bundesliga beim SC Freiburg

Am 21. März 2011 gaben die Freiburger Marcus Sorg als neuen Cheftrainer der Bundesligamannschaft bekannt, als Nachfolger von Robin Dutt. "Vor allem die Medien-Aufmerksamkeit", machte Sorg damals als größten Unterschied zu seiner vormaligen Tätigkeit als Amateur-Coach aus. Vielleicht fremdelte der Bundesliga-Newcomer Sorg auch deshalb. Und auch sportlich lief wenig zusammen: "Die Arbeit in der Bundesliga ist sehr ergebnisorientiert, das ist im Amateur- und Jugendbereich anders, da geht es mehr um langfristige Ausbildung".

Und so hielt das Glück der Beförderung im Breisgau nicht lange. Am 29. Dezember 2011 trennte sich Freiburg schon wieder von Sorg, der Sportclub war Tabellenletzter. Sein Nachfolger: Christian Streich.

Seit sechs Jahren arbeitet Sorg beim DFB

Das Show-Bussiness-Bundesliga? Das war dann doch irgendwie nicht die Wunsch-Welt des Marcus Sorg. Den zog es vielmehr zurück in die Nachwuchsarbeit. Über die U-17 des FC Bayern landete der heute 53-Jährige 2013 als U-19-Coach beim DFB. Seit der EM in Frankreich vor drei Jahren zählt der Ulmer zur Trainergruppe von Bundestrainer Joachim Löw.

Gegen Weissrussland und Estland sitzt der frühere Söflinger Marcus Sorg ausnahmsweise mal wieder in der ersten Reihe. Der "Ersatz-Jogi" aus dem UImer Westen.

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