Marcus Sorg beim Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (Foto: Imago, Hübner)

Fußball | Nationalmannschaft Bundestrainer-Assistent Marcus Sorg: Tief aus dem Ulmer Westen

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Seit 2016 ist Marcus Sorg Assistent von Joachim Löw. Im Juni vertrat der gebürtige Ulmer den Bundestrainer sogar bei zwei EM-Qualifikationsspielen. Am Sonntag (21:50 Uhr) ist Marcus Sorg zu Gast bei "SWR Sport" im SWR Fernsehen BW.

Es war im Juni dieses Jahres. Plötzlich stand er im Blickpunkt, mitten im Scheinwerferlicht der Medien. Marcus Sorg musste den Bundestrainer vertreten. Für neun Tage und zwei EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Estland. Joachim Löw hatte sich bei einem Sportunfall verletzt und fiel aus, also musste Sorg ran, Jogis Assistent. "Natürlich ist das Etwas ganz spezielles, etwas nicht Alltägliches", bestätigte der gebürtige Ulmer die Besonderheit der damaligen Situation, "aber der Bundestrainer hat seinen Mitarbeitern schon immer sehr viel Vertrauen entgegengebracht".

Entsprechend gut und erfolgreich lief die Vertretung von Löw: Unter Marcus Sorg gewann das Nationalteam beide Partien souverän gegen die Weißrussen mit 2:0 und gegen die Esten sogar mit 8:0. Rein statistisch gesehen ist Marcus Sorg damit der erfolgreichste Bundestrainer der Historie: Zwei Spiele, zwei Siege und 10:0-Tore...

Bierhoff: "Sorg ist ein Teamplayer"

Aber bitte keine vorschnellen Vermutungen: In den EM-Qualifikationsspielen Anfang September gegen die Niederlande und in Nordirland wird wie gewohnt der wiedergenesene Joachim Löw als Cheftrainer agieren, Marcus Sorg wieder zuarbeiten. Und das in bester Manier, wie Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff schon im Juni betonte: "Das ist ein Vollbluttrainer mit hoher Kompetenz und klarer Vorstellung. Und er ist ein unglaublicher Teamplayer, er lebt die Rolle als Assistent von Joachim Löw zu hundert Prozent".

Die Karriere begann einst in Ulm

Begonnen hatte das Fußballerleben des Marcus Sorg einst tief im Ulmer Westen. Der Stadtteil Söflingen, 11.000 Einwohner. Hier, bei der örtlichen Turn- und Sportgemeinde, startete der damals fünfjährige Marcus Sorg mit dem Fußball. Der schnelle Junge reifte zum Talent und wechselte mit zwölf Jahren zum Ulmer Vorzeige-Klub, zum großen SSV 1846.

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Marcus Sorg, der gebürtige Ulmer, war Stürmer. Flink und torgefährlich. Mit 18 Jahren bereits gelang ihm mit den Ulmern der Sprung in den Profifußball, der Aufstieg in die 2. Liga. Sorg und der spätere Freiburger Uwe Spieß bildeten seinerzeit ein junges und erfolgreiches Stürmer-Duo.

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Sorg war ein gefürchteter Oberligastürmer

Der ganz große Sprung nach oben aber blieb dem Fußballspieler Marcus Sorg verwehrt. Nach dem Wechsel zu den Amateuren des VfB Stuttgart begann er parallel zum Fußball ein Studium der Bauphysik. Die damalige Amateur-Oberliga und die neu gegründete Regionalliga blieben die sportliche Heimat von Marcus Sorg. Für viele Tore sorgte er bis zu seinem Karriere-Ende 1999 auch in Ditzingen und beim VfR Mannheim.

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"Wie die Jungfrau zum Kinde Trainer geworden"

Sorg wechselte an die Seitenlinie. "Ich bin eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde zum Trainer geworden", erinnerte sich der Schwabe vor einigen Jahren an die Anfänge, "ich hatte eigentlich nie das Ziel, Trainer zu werden". Der Vollständigkeit halber machte er am Ende seiner Zeit als Fußballer dennoch die Trainerscheine komplett. Während der Prüfungswochen wurde er angesprochen: "Ich sei doch der perfekte Trainer", so Sorg. Und wie es so oft im Leben kommt: "Der Zufall spielte eine große Rolle dabei, dass ich Trainer wurde".

Seine Vorstellungen vom Trainer-Job beschrieb Sorg einmal wie folgt: "Der Spieler muss wissen, was er zu tun hat, aber er braucht auch gewisse Freiheiten". Allerdings weiß Sorg auch: "Freiheit geht nur soweit, dass sie der Gruppe nicht schadet". Und: "Die Entscheidungen des Trainerteams müssen bedingungslos umgesetzt werden".

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Zunächst ohne größere Ausschläge nach oben und unten wuchs Sorg in seine neue Rolle als Trainer. Und wieder war er ausschließlich in Baden-Württemberg unterwegs: Stuttgarter Kickers, Ditzingen, SB Heidenheim, SSV Ulm.

Parallel dazu betrieb er ein Ingenieursbüro. Erst 2008 kam richtig Dynamik in die Vita des Profitrainers. Sorg wechselte zum SC Freiburg, arbeitete sich im Breisgau kontinuierlich in die erste Reihe. Scout, U17-Trainer, Coach der Amateurmannschaft.

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Schnelles Ende in der Bundesliga beim SC Freiburg

Am 21. März 2011 gaben die Freiburger Marcus Sorg als neuen Cheftrainer der Bundesligamannschaft bekannt, als Nachfolger von Robin Dutt. "Vor allem die Medien-Aufmerksamkeit", machte Sorg damals als größten Unterschied zu seiner vormaligen Tätigkeit als Amateur-Coach aus. Und: "Die Arbeit in der Bundesliga ist sehr ergebnisorientiert, das ist im Amateur- und Jugendbereich anders, da geht es mehr um langfristige Ausbildung".

Das Glück der Beförderung im Breisgau hielt leider nicht lange. Am 29. Dezember 2011 trennte sich Freiburg schon wieder von Sorg, der Sportclub war Tabellenletzter. Sein Nachfolger hieß Christian Streich.

Seit sechs Jahren arbeitet Sorg beim DFB

Das Show-Bussiness-Bundesliga? Das war dann doch irgendwie nicht die Wunsch-Welt des Marcus Sorg. Den zog es vielmehr zurück in die Nachwuchsarbeit. Über die U-17 des FC Bayern landete der heute 53-Jährige 2013 als U-19-Coach beim DFB, gewann ein Jahr später mit dem Team die Europameisterschaft. Seit der EM in Frankreich vor drei Jahren zählt der Ulmer zur Trainergruppe von Joachim Löw.

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