trauriger deutscher Fußball-Fan (Foto: SWR)

Nationalmannschaft | Meinung DFB-Elf: Eben noch zahnlos - bald wieder mit Biss?

AUTOR/IN

Die WM 2018 war eine Katastrophe, die Champions-League der Bundesligisten auch. Kurz gesagt: Dem deutschen Fußball geht's nicht gut, meint SWR-Sportredakteur Jens Wolters.

Joachim Löw geht’s nicht gut. Am Sontag musste der Bundestrainer noch einen kurzfristigen Zahnarzt-Termin einschieben. Und vielleicht hat er auch noch ein paar Kopfschmerzen. Denn die Lage ist ernst. Der deutsche Fußball leidet. Und so souverän sich Löw auch auf seiner Rechtfertigungs-PK zur Ausbootung der Herren Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels verkaufte - so richtig sicher sitzt er längst nicht mehr im Stuhl.

Der Mann ist vom Erfolg abhängig und für den Erfolg der Nationalmannschaft verantwortlich. Doch den gab es schon länger nicht mehr. Die Topleistung der WM 2014 zu bestätigen, war viel schwieriger, als den Titel in Brasilien zu holen.

Miese Saison in der Champions League

Es ist auch nicht nur die Nationalmannschaft, die schlecht dasteht. Das frühe Aus sämtlicher Bundesligisten in der Champions League war ebenfalls nicht gut. Da haben Bayern, Hoffenheim und Co der letzte Biss gefehlt. Stattdessen klapperten eher die Zähne vor Angst - vor allem vor den Clubs aus England.

Die deutlich größeren finanziellen Möglichkeiten auf der Insel sind es aber nicht allein. Zur Erinnerung: England stand bei der Weltmeisterschaft im Sommer im Halbfinale - auch ohne die ausländischen Superstars der Premier League. Sondern Dank eigener Top-Talente. Und Deutschland so? Da gab's ein peinliches Vorrunden-Aus.

Wurzelbehandlung beim DFB

Jetzt ist eine Wurzelbehandlung nötig. Es muss richtig tief gebohrt werden. Die Bolzplatz-Typen sollen jetzt auf die Schnelle gefunden werden. Die, die auf dem Rasen auch mal wieder etwas Überraschendes machen und nicht nur bei der Anreise zur Nationalmannschaft mit einer überraschend hässlich-bunten Jacke daherkommen. Und das, nachdem Löw in den vergangenen Jahren eher auf Spieler gesetzt hat, die seit der Jugend das gleiche Spielsystem verpasst bekamen. Jetzt ist also wieder mehr Individualität gefragt.

Alles nicht neu; ging anderen Ländern auch so. Die Niederländer und Franzosen haben ihre Teams bereits verjüngt. Ruhe und Zeit ist jetzt wichtig. Aber beides scheinen die DFB-Verantwortlichen nicht zu haben. Verbandsdirektor Oliver Bierhoff meinte diese Woche, die Fans mögen doch bitte Geduld aufbringen, und schoss im übernächsten Satz hinterher: Der Umbruch müsse doch schneller als etwa beim aktuellen Weltmeister bewerkstelligt werden. Kann sein, dass die anderen uns weiter ihr bestes Lächeln zeigen, wenn sie über Neuer, Kroos und Co schmunzeln. Mit 1-A-Zähnen und 1-A-Fußball.

AUTOR/IN
STAND