Spieler-Berater Karlheinz Förster (Foto: Imago, imago sportfotodienst)

Fußball | Nationalmannschaft "Bei all dem Druck den Spaß nicht verlieren"

In einem Interview mit dem Spiegel spricht Per Mertesacker über den Druck unter dem er immer wieder gelitten hat. Ex-Profi Karlheinz Förster hat dazu Stellung genommen.

SWRsport: Per Mertesacker beklagt den extremen Druck im Profi-Fußball. Als Beispiel nennt er die WM 2006. Demnach ist Mertesacker froh gewesen, als die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Italien ausgeschieden ist. Können sie das nachvollziehen?

Karlheinz Förster: Er hat das, glaube ich, etwas extrem ausgedrückt. Er hat von Brechreiz und Übelkeit gesprochen. Das ist, na klar, eine Form von Druck. Er war total ehrlich, das muss man ihm zugutehalten. Ich habe auch zwei Weltmeisterschaften gespielt, und natürlich ist da Druck da. Das äußert sich bei den Spielern aber unterschiedlich. Ich habe dafür Verständnis; bei mir selber war es nicht so.

Können sie das, was ihre Person betrifft, etwas konkretisieren. Wie viel Druck war da?

Karlheinz Förster: Ich persönlich habe mir in den Tagen vor dem Spiel immer schon Gedanken über den Gegner und den Gegenspieler gemacht. Klar hat sich die Anspannung Richtung Spiel gesteigert. Ich bin da nicht locker reingegangen. Wenn das einer erzählt, dann lügt er. Auf diesem Niveau kommt der Druck automatisch. Beim Einen mehr, beim Anderen weniger. Bei mir hat sich der Druck gezeigt, dass ich dann vor dem Spiel einfach häufiger "Wasser lassen" musste.

Sie haben Verständnis für Mertesacker. Lothar Matthäus hat ja gesagt, dass Mertesacker es sich ausgesucht habe. Er hätte das nicht machen müssen. Ist das für Sie ein nachvollziehbares Argument?

Eher nicht. Natürlich hätte er es nicht machen müssen. Aber wenn Per Mertesacker jetzt gesagt hätte: "Ich trete aus der Nationalmannschaft zurück, weil mir da der Druck zu groß ist", hätte er auch ganz aufhören können. Das hätte so viel Aufruhr und Diskussionen gegeben, da wäre seine Karriere vorbei gewesen. Er hat sich nicht beklagt, er hat einfach ein ehrliches Interview gegeben. Von daher sollte man den Ball flach halten.

Sie sind ja selbst heute Spielerberater. Was können sie denn den jungen Spielern vermitteln, damit sie lernen, mit Druck umzugehen?

Der eine kann es von Haus aus besser, der andere schlechter. Ich sage zu meinen Spielern, dass sie mit Freude zum Training gehen und Spaß haben sollen, auch wenn viel auf dem Spiel steht. Und dass sie sich im Klaren sein sollen, dass sie eine tolle Situation haben. Sie können Fußball spielen und noch viel Geld verdienen. Daran muss man sich nur selbst immer wieder erinnern. Ich sage denen schon, dass Fußball wichtig ist, dass aber am Ende der Fußball nicht alles ist.

Gibt es auch kritische Töne, die jungen Spielern den Spaß an der Freude nehmen können?

Ja, ich nenne mal ein Beispiel. Timo Werner, den ich ja betreue, nach dieser Schwalben-Situation damals. Es war extrem schwierig für ihn zu verkraften, überall ausgepfiffen zu werden. Das war natürlich überhaupt nicht gerecht, aber der Spieler musste damit umgehen. Man konnte diese Welle gar nicht aufhalten. Das war eine Situation die er aber super gemeistert hat. Oder nehmen wir als Beispiel den HSV; was auf die Spieler von Seiten der Fans alles einprasselt. Da ist jetzt richtig Druck.

Also Spaß und Freude haben und sich aber auch ein dickes Fell zulegen…

So ist das. Das ist nicht immer so durchzusetzen, aber wenn man diesen Plan hat, dann wird man auch relativ erfolgreich durch seine Profi-Karriere gehen können.

Das Interview führte Esther Uhrig

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