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Nach 15 Jahren hört er auf. Die EM 2021 ist die letzte große Mission des Bundestrainers Joachim Löw. In seiner Heimatstadt Schönau hofft man auf einen krönenden Abschluss.

Wer durchs idyllische Wiesental nach Schönau im Schwarzwald fährt, der kommt an Joachim Löw einfach nicht vorbei. An jedem der beiden Ortseingänge an der Bundesstraße 317 steht eine große Tafel mit dem Bild des Weltmeistertrainers von 2014. Auch sieben Jahre nach dem Titelgewinn von Rio ist man in Schönau mächtig stolz auf den berühmtesten Sohn der Kleinstadt.

Viel Wehmut in der Schwarzwald-Stadt

Nach der EM 2021 heißt es allerdings: Abschiednehmen vom Titel "Bundestrainer-City", Joachim Löw hört auf. Schönau muss den Stab nach 15 Jahren an Hansi Flicks Heimatort Bammental in Nordbaden abgeben: "Da ist natürlich schon viel Wehmut dabei", sagt Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn im Gespräch mit SWR Sport, "wir verlieren nicht nur einen der besten Bundestrainer überhaupt, sondern auch ein Aushängeschild der Stadt Schönau. Aber es war schön, dass wir das so lange erleben durften."

Schönau ist durch Löw auch für Touristen interessant

Spätestens mit dem Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat der in Schönau geborene und aufgewachsene Löw (61) seine Heimat berühmt gemacht. Viele Schwarzwald-Touristen interessieren sich seither auch für die kleine 2.500-Einwohner-Stadt am Fuße des Belchen, einem der markanten Schwarzwaldberge neben dem Feldberg.

Unvergessen, auch bei Bürgermeister Schelshorn, der WM-Empfang nach dem Titelgewinn mitten in Schönau: "Ich habe die Bilder immer noch vor Augen, Tausende Menschen sind gekommen." Löw wurde nicht nur zum Ehrenbürger ernannt, er bekam auch eine eigene Arena: Seit 2014 heißt der Fußballplatz in Schönau "Jogi-Löw-Stadion".

Beim FC Schönau begann die große Karriere

Beim FC Schönau, wo der Bundestrainer einst in der D-Jugend mit dem Kicken begann, bevor ihn die Fußball-Karriere unter anderem über den SC Freiburg und den VfB Stuttgart bis in die Nationalmannschaft führte, drücken ihm alle die Daumen, dass die EM 2021 ihrem Jogi noch einmal einen erfolgreichen Abschied beschert: "Wir sind stolz und waren immer stolz auf ihn", sagt Stefan Nopper, der Vorstand des Bezirksligisten. "Vielleicht ist es jetzt aber ganz gut, etwas Neues zu machen."

Löws Cousin sieht den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören

So ähnlich sieht es auch Christian Lais. Er ist nicht nur der Trainer des FC Schönau, sondern auch der Cousin von Jogi Löw: "Vom Zeitpunkt her war es richtig, dass er den Entschluss gefasst hat, aufzuhören", meint Lais, "15 Jahre sind eine lange Zeit. Und in den letzten Jahren war es nicht einfach für ihn. Er wurde von den Medien ganz schön durch den Kakao gezogen. Manchmal zu Recht, oft aber auch zu Unrecht". Schließlich, sagt der Löw-Cousin, "stehen ja die Spieler auf dem Platz und nicht der Trainer".

Der Bundestrainer ist oft zu Besuch in der Heimat

Und so hoffen jetzt alle in Löws Heimat Schönau, dass der allseits beliebte Bundestrainer mit einem großen Titel abtritt. "Er ist öfters hier bei uns im Ort", weiß Bürgermeister Peter Schelshorn, dass der Noch-Bundestrainer immer wieder in Schönau bei seiner Mutter und bei seinen Brüdern zu Besuch ist, "aber er zeigt sich nicht immer. Seit 2014 kennt ihn jeder auf der Welt, das macht es für ihn schwierig, wegzugehen".

Peter Schelshorn ist wie Löw in Schönau aufgewachsen und kennt ihn deshalb schon seit vielen Jahren: "Er ist ein sehr bodenständiger Mensch. Wenn wir uns sehen, reden wir Alemannisch. Aber meistens nicht über Fußball; das schätzt er sehr."

Die Tafeln mit dem Bild von Jogi bleiben stehen

Übrigens: Die großen Tafeln an den Schönauer Ortseingängen mit dem Bild von Joachim Löw werden auch nach der EM und dem Ende als Bundestrainer stehen bleiben: "Wir können sie ja noch mit dem EM-Titel ergänzen", sagt Bürgermeister Schelshorn lachend. "Er darf aber auch kommen, wenn er die EM vergeigt. Er ist und bleibt unser Jogi und immer herzlich willkommen."

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