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Aufgrund von langwierigen Kniebeschwerden musste Kim Kulig im Alter von 25 Jahren ihre aktive Profikarriere beenden. Doch anstatt dem Fußball den Rücken zu kehren, schlägt die gebürtige Herrenbergerin einen neuen Weg ein.

Die Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden, die großen blauen Augen und der aufgetragene rosa Lippenstift stechen aus dem lockeren Gesichtsausdruck heraus und auf dem dunklen Eintracht-Frankfurt-Oberteil ist eine Kette mit einem Kreuz zu erkennen.

In der Fernsehsendung SWR-Sport hat Kim Kulig auf jede der gestellten Fragen eine klare Antwort. Ihre Aussagen sind bedacht, ohne dass die Leichtigkeit in ihrer Stimme verloren geht. Insbesondere wenn es um den Fußballlehrer-Lehrgang beim DFB geht, wird die Stimme noch ein wenig leichter und auf dem Gesicht ist ein Lächeln zu erkennen.

Anfang Mai hat Kim Kulig am Fußballlehrer-Lehrgang des DFB teilgenommen und die Prüfung erfolgreich bestanden. Die Tage seien zwar sehr anstrengend und intensiv gewesen, doch insbesondere die vorgelebte Struktur während des Lehrgangs könne sie für ihre weitere Laufbahn optimal nutzen.

Eine Trainerkarriere war nicht absehbar

Mit der DFB-Trainerlizenz kann Kulig den nächsten Schritt ihrer Trainerkarriere machen. Im Sommer wechselt die 30-Jährige als Co-Trainerin zum VfL Wolfsburg, an die Seite von Cheftrainer Tommy Stroot. Bislang ist Kulig Trainerin der Zweitligafrauen von Eintracht Frankfurt. Dort coachte sie seit 2017, zunächst als Co-Trainerin, seit Dezember 2017 als Cheftrainerin.

"Das ist ein guter Weg nach der Karriere und es macht riesig Spaß, als Trainerin zu arbeiten".

Die gebürtige Herrenbergerin steckt bereits während ihrer aktiven Karriere die eigenen Ziele hoch, wechselt nach zwei erfolgreichen Jahren beim VfL Sindelfingen über den Hamburger HSV zum 1. FFC Frankfurt. Insgesamt absolviert sie 33 A-Länderspiele, wird mit Deutschland 2009 Europameister.

Gezwungen die Karriere zu beenden

Doch die vielversprechende Karriere wird ausgebremst. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2011 erleidet Kulig einen Kreuzbandriss, von dem sie sich nie nachhaltig erholt. Die Verletzung zwingt sie 2015, mit gerade mal 25 Jahren, zum Karriereende.

Anstatt sich dem Fußball abzuwenden, entscheidet sie sich anschließend für eine Trainerlaufbahn und erwirbt 2016 zuerst die Elite-Jugend-Lizenz und später die A-Lizenz. Wie zu ihren Zeiten als Spielerin setzt sie auch in der Trainerlaufbahn die eigenen Ziele hoch an.

Keine Frauen als Cheftrainer in den Bundesligen

Den Fußballlehrer-Lehrgang absolviert sie unter anderem mit Miroslav Klose, Hanno Balitsch und Andreas "Zecke" Neuendorf. Gemeinsam mit Sabrina Eckhoff ist sie eine von nur zwei Teilnehmerinnen. Den Umgang und Austausch miteinander hat sie in der gesamten Zeit als sehr respektvoll und auf Augenhöhe wahrgenommen.

Der Weg als Profitrainerin ist kein einfacher. Weder in der Männer- noch in der Frauenbundesliga sind Frauen als Cheftrainer einer Profimannschaft vertreten. Dennoch - oder gerade deswegen - will sich Kulig in der Männerdomäne Profifußball behaupten und sieht sich in der Rolle eines Vorbilds.

Richtungsweisende Schritte

Wohin die Reise von Kim Kulig noch führen wird ist noch nicht abzusehen. Doch mit der DFB-Trainerlizenz und dem Wechsel nach Wolfsburg ist sie bereit, die ersten richtungsweisenden Schritte in einer erfolgreichen Karriere als Profitrainerin zu machen.

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