Klara Bühl vom SC Freiburg (links) und die Ex-Freiburgerin Giulia Gwinn (rechts) haben bei der WM in Frankreich mehr Einsatzzeiten als gedacht. (Foto: Imago, imago)

Fußball | Frauen-WM Klara Bühl und Giulia Gwinn: Unverhofft spielt oft

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Vor dem Viertelfinale gegen Schweden heißt es: cool bleiben trotz Hitze. Shootingstar Giulia Gwinn (Ex-SC Freiburg) und Klara Bühl (SC Freiburg) sorgen bei der WM in Frankreich für frischen Wind im DFB-Team.

Die Sahara-Hitzewelle hat jetzt auch die Bretagne erfasst und die schwedische Presse heizt die Stimmung noch zusätzlich auf. Doch die "Next Generation" der deutschen Fußballerinnen bleibt ganz cool. "Solche Sachen blenden wir komplett aus. Wir fokussieren uns auf uns und möchten Kritiker vom Gegenteil überzeugen", sagte die erst 19-jährige Giulia Gwinn auf der bislang am besten besuchten Pressekonferenz vor dem WM-Viertelfinale gegen Schweden. "Es wird viel gesprochen, aber das Spiel geht bei null los", betonte auch die 18-jährige Klara Bühl.

"Das zählt alles nicht. Am Samstag steht's 0:0. Dann geht's los und wir wollen das Spiel für uns entscheiden."

Klara Bühl zu den Sticheleien der schwedischen Boulevardpresse

Die schwedische Zeitung "Aftonbladet" hatte vor dem Klassiker am kommenden Samstag (18.30 Uhr/ARD) gegen Angstgegner Deutschland schon gestichelt: "Das Beste, was die deutsche Mannschaft bislang gezeigt hat, war ihr viel zitierter Werbefilm." Gwinns abgebrühte Reaktion: "Ich fand den auch gut."

Gwinn: "Können uns von der Vergangenheit nichts kaufen"

Die erfolgreiche deutsche Turnier-Historie gegen Schweden (seit 1995 jedes Pflichtspiel gewonnen, darunter Final-Siege bei der WM 2003 und Olympia 2016) hin oder her - die Youngster des zweimaligen Weltmeisters wollen laut Gwinn in Frankreich ihre ganz eigene Geschichte schreiben. "Wir halten diese Serie, aber die zählt jetzt nichts. Von der Vergangenheit können wir uns nichts kaufen", so der Shootingstar der deutschen Mannschaft.

Aber vielleicht von einem zusehends wachsenden Bekanntheitsgrad: Seit ihrem Treffer beim 1:0-Auftaktsieg gegen China steigt der sogar messbar. Hatte die in Ailingen am Bodensee geborene Gwinn vor dem Turnier 12.000 Abonnenten im Netzwerk Instagram, sind es drei Wochen später über 100.000 mehr. Nur ihre zukünftige Teamkollegin Melanie Leupolz (143.000) hat im Bilder-Netzwerk mehr Gefolgschaft. "Das ist eine schöne Wertschätzung", sagte Gwinn lächelnd, "ich bin gerne auf Instagram, aber das ist nicht das Wichtigste. Mein Fokus liegt hier auf dem Fußball."

Eben noch Abiturientin, jetzt plötzlich bei der WM: Klara Bühl durfte schon überraschend viele WM-Minuten sammeln. "Wir freuen uns über unsere Einsatzzeit und versuchen, der Mannschaft mit unserem Spielwitz und Unbekümmertheit weiterzuhelfen", so der Offensiv-Wirbelwind.

Gwinn spielt bisher eine Hauptrolle

Giulia Gwinn, die zur neuen Saison vom SC Freiburg zu Bayern München wechselt, kam in den bisherigen vier WM-Spielen sogar eine unerwartete Hauptrolle zu. Als eine von sechs DFB-Spielerinnen hat die Außenbahn-Allrounderin jede Partie durchgespielt. "Das gibt mir natürlich Selbstvertrauen." Sie ist die Drittjüngste im Team. Das Riesentalent kann auf beiden Außenpositionen offensiv wie defensiv wirbeln, hat zudem gehörigen Zug zum Tor. Für Freiburg erzielte sie in 83 Spielen 29 Tore. In der DFB-Elf wird sie von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg als Rechtsverteidigerin eingesetzt.

Klara Bühl ist auf dem Platz eine gefährliche wieselflinke Angreiferin, abseits gibt sie sich eher defensiv. Sie ist nach Lena Oberdorf mit 18 Jahren die Zweitjüngste im Team. Ihre Abiturklausuren hat sie gerade geschrieben und wartet derzeit auf die Noten. Die mündliche Prüfung steht erst Anfang Juli an. Die Freiburgerin hofft, dass sie die Prüfung verschieben muss. Denn das hieße, dass sie mit der DFB-Elf im Halbfinale wäre. Voraussetzung dafür: ein Sieg gegen die erfahrenen Schwedinnen.

Am freien Dienstag hatte sich das DFB-Team abends den Achtelfinal-Sieg der Niederlande gegen Vize-Weltmeister Japan (2:1) im Stadion von Rennes angeschaut. Ganz entspannt als WM-Fans inklusive standesgemäßer Teilnahme an der "La Ola" im Roazhon Park. Der überaus glückliche Last-Minute-Erfolg der Europameisterinnen war vor dem bevorstehenden zweiten K.o.-Spiel perfekter Anschauungsunterricht für Bühl und Gwinn. "Es war ein schönes Spiel und Werbung für den Frauenfußball. Aber", sagte Gwinn mit Blick auf die in der zweiten Hälfte überlegenen Japanerinnen, "man hat eben auch gesehen, wie schnell alles vorbei sein kann."

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