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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt seinem angeschlagenen Bundestrainer Joachim Löw Zeit. Löw soll laut eines Präsidiumsbeschlusses "die emotionale Distanz" zur 0:6-Schmach in Spanien bekommen, um "die aktuelle Situation der Nationalmannschaft grundlegend aufzuarbeiten. Dennoch gibt es bereits Diskussionen um eventuelle Nachfolger. Einige Kandidaten stammen aus dem Südwesten.

Das Ziel ist klar: Mit Joachim Löw als Bundestrainer eine möglichste erfolgreiche EM 2021 zu spielen. Doch nach dem 0:6 in Spanien steht der DFB-Coach im Zentrum der Kritik. Bis zum 4. Dezember muss Löw sich gegenüber den Verbandsbossen erklären. Nachfolgediskussionen werden indes laut. Sollte es zum Bruch kommen, wer wären die Kandidaten auf das prestigeträchtige Amt - und wie realistisch wäre ihre Verpflichtung?

Jürgen Klopp

"Es hängt von Jürgen Klopp ab: Er ist einer der wenigen Trainer, die selbst entscheiden, wann sie Bundestrainer werden wollen", sagte Rudi Völler. "Irgendwann", da ist sich der einstige Teamchef sicher, "wird es Jürgen Klopp". Aber nicht jetzt. Der aus dem Schwarzwald stammende Coach des FC Liverpool ist für die meisten Fans und sicher auch für die DFB-Verantwortlichen der beste Kandidat - doch der frühere Mainzer Trainer hat aktuell kein Interesse: "In Zukunft, vielleicht. Jetzt? Nein, weil ich keine Zeit habe." Sein Vertrag bei den Reds läuft bis 2024, Klopp genießt auf der Insel Heldenstatus.

Hansi Flick

Nüchtern betrachtet der logische Nachfolger. Flick assistierte Löw beim WM-Triumph 2014, er kennt den DFB auch als früherer Sportdirektor in- und auswendig. Durch den Triple-Gewinn mit Bayern München bewies er, dass er die Fähigkeit und die Autorität für den Bundestrainerposten besitzt. Das meint sogar Löw: "Dass ich ihm das zutraue, ist keine Frage." Aber: Auch Flick, der unter anderem bei der TSG Hoffenheim in verschiedenen Positionen tätig war, ist gebunden, bis 2023. "Derzeit stimmt vieles, insofern müssen wir uns keine Gedanken über andere Positionen machen", sagte er jetzt.

Ralf Rangnick

Auch Rangnick hat im Südwesten seine Spuren hinterlassen, zum Beispiel bei der TSG Hoffenheim, dem VfB Stuttgart und dem SSV Ulm. Das Hindernis eines laufenden Vertrags gibt es bei ihm nicht. Der frühere Architekt des Erfolgsprojekts von RB Leipzig hat sich vom Red-Bull-Imperium gelöst und ist offen für neue Aufgaben. "Grundsätzlich ist das Amt des Bundestrainers für keinen deutschen Trainer ein Amt, das ihn nicht interessiert", sagte er kürzlich. Fachlich ist Rangnick über jeden Zweifel erhaben, doch der bekennende Reformer würde sich nicht nur auf die Trainer-Aufgaben stürzen. Der DFB müsste sich fragen, ob er Oliver Bierhoff bewusst schwächen will. Zudem könnte Rangnicks nicht selten pedantische Art und Detailversessenheit den Spielern aufstoßen.

Thomas Tuchel

Perfektionismus bis an die Grenzen des Erträglichen wurde auch Tuchel lange nachgesagt. Doch bei Paris St. Germain scheint sich der frühere Mainzer Trainer eine gewisse Entspanntheit angeeignet zu haben, auch im Umgang mit Superstars wie Neymar und Kylian Mbappe. An den fachlichen Qualitäten würde ein Engagement beim DFB sicher nicht scheitern, Tuchel gilt als Taktikfuchs und Motivator. Sein Vertrag in Paris läuft im Sommer aus, bislang gibt es von Klubseite keine Anzeichen auf eine Verlängerung. Tuchels jüngste Aussagen zeugen von Frust. Er sieht sich "unter ständigem Beschuss" und dürfte offen für Angebote sein.

Stefan Kuntz

Die bequemste und günstigste Lösung - und wohl nur für einen gewissen Übergang. Der U21-Nationaltrainer genießt aufgrund seiner Erfolge und seines loyalen Auftretens hohes Ansehen im DFB. Löw selbst hatte den früheren Nationalspieler vor einem Jahr als einen möglichen Nachfolger ins Gespräch gebracht: Kuntz leiste "hervorragende Arbeit" und habe "eine sehr gute Ansprache an die Mannschaft" mit sehr viel Empathie. Die kumpelhafte Art der FCK-Ikone, der mit den Roten Teufeln als Spieler 1991 Meister wurde, könnte sich bei den Stars jedoch schnell abnutzen. Auf ein neues taktisches Niveau dürfte Kuntz das DFB-Team auch nicht heben.

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