Bundestrainer Hansi Flick bei der FIFA Fußball-WM 2022 in Katar. (Foto: IMAGO, IMAGO/Sven Simon)

Fußball | WM 2022

SWR-Sportreporter Tom Bartels: "Ich hoffe, dass Flick weitermacht"

STAND
INTERVIEW
Kersten Eichhorn

Nach der Vorrunde der FIFA Fußball-WM 2022 in Katar war für die deutsche Nationalmannschaft schon Schluss. Diese Schlüsse zieht SWR-Sportreporter Tom Bartels aus dem WM-Desaster.

SWR Sport: Ist Fußball-Deutschland nur noch ein Scheinriese?

Tom Bartels: Also, wenn man solche Turniere jetzt in Serie abliefert, dann muss man sich der Realität stellen. Ich sage ehrlich, ich habe auch gedacht, dass unsere Mannschaft Weltmeister werden kann. Aber die Realität sieht dann wohl doch anders aus. Wahrscheinlich muss zunächst Mal die Erwartungshaltung der Realität angepasst werden.

SWR Sport: Manche behaupten "Es waren ja nur 20 schlechte Minuten gegen Japan, sonst war doch alles gut". Ist das zu einfach?

Bartels: Ich denke, so einfach darf man es nicht machen. Wir hatten ja nicht nur gegen Japan 20 schlechte Minuten von der deutschen Mannschaft gesehen, sondern eigentlich in jedem Spiel - 15, 20 Minuten, wo die Mannschaft extrem geschwommen ist. Auch in dem sehr guten Spiel gegen Spanien. Zwei Gegentore gegen Costa Rica - eine Mannschaft, die man völlig im Griff hatte. Als Zuschauer meinte man, die deutsche Mannschaft könne das zweite oder dritte Tor schießen. Aber wie gegen Japan, kriegt man auf einmal zwei Gegentore. Wir haben zwar noch gewonnen, aber fünf Gegentore in der Vorrunde, das ist die Realität. Das passiert den Top-Nationen nicht. Deswegen ist die Mannschaft ausgeschieden.

SWR Sport: Jetzt laufen viele Personaldebatten - vor allem um Bundestrainer Hansi Flick. Ist Flick noch der richtige Mann?

Bartels: Ich finde die Debatten zu diesem Zeitpunkt verständlich, ganz klar. So funktioniert die Fußballwelt. Aber wenn ich weiterkommen möchte, muss der DFB sich aus meiner Sicht jetzt wirklich Zeit nehmen, erst einmal Abstand gewinnen und sagen, wir machen jetzt wirklich eine ehrliche, harte, sachliche Analyse. Das funktioniert aber meiner Ansicht nach nicht innerhalb von 20 Stunden und auch nicht dadurch, dass jeder weiß, wer noch hätte mitgenommen werden müssen und wie Flick hätte wechseln sollen.

Viele von den Wechseln, die kritisiert werden, ergeben aus meiner Sicht durchaus Sinn, wenn man sie sich nüchtern anguckt. Die Zielscheibe war ganz lange Jogi Löw. Jetzt ist sie zum Teil Hansi Flick. Aber den kann man eigentlich nicht so richtig kritisieren, da er erst kurz da ist. Dann also ist Oliver Bierhoff die Zielscheibe. Das ist eine sehr simple Analyse. Natürlich hat jeder seinen Anteil daran, dass sie jetzt ausgeschieden sind. Aber ich finde, man muss doch wirklich aufarbeiten. Hansi Flick ist aus meiner Sicht auch nicht ein Trainer, der zu lieb ist oder nicht entsprechend durchgegriffen hat. Er ist einer, der weiß, was er tut. Das hat er bei den Bayern bewiesen. Ich finde, er hat weiteres Vertrauen verdient. Aber sowas muss eben eine Analyse ergeben.

SWR Sport: Eine erste Analyse soll es schon in der kommenden Woche geben, beim "Krisengipfel" mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Was kann da passieren? Könnte da sein, dass Flick sagt, er habe die Faxen dicke und hört von sich aus auf?

Bartels: Gerade bei meinem Gefühl, da würde ich sagen, dass Hansi Flick nicht von selbst aufhört. Ich hoffe, dass er weitermacht. Ich glaube, dass er einen guten Draht zur Mannschaft hat, dass da was in Gang gekommen ist - auch innerhalb dieses Turniers. Das letzte Turnier war auch nicht besser. Ich finde, es war sogar eine Steigerung insgesamt zu erkennen. Die deutsche Mannschaft hat 32 Torschüsse gehabt gegen Costa Rica. Das ist zwar nicht der Maßstab, aber ich glaube, sie hatte sich auch in den Spielen davor die meisten Chancen rausgespielt - überhaupt im ganzen Turnier.

Es hat nicht gereicht. Aber vielleicht sollte man sich in Erinnerung rufen, dass auch die deutschen Mannschaften in der Champions League in den vergangenen Jahren einen schweren Stand hatten. Wir sprechen ja über die WM, aber auch die Bayern, die mit Abstand die meisten Nationalspieler stellen, sind gegen Villareal ausgeschieden. Manchmal ist es eben etwas schwieriger zu sagen, wo die Gründe liegen. Ich glaube, dass es Oliver Bierhoffs Position betreffen könnte, um ein neues Gesicht zu zeigen und zu sagen: Wir machen einen kleinen Neuanfang mit anderen Gesichtern in Richtung Europameisterschaft.

SWR Sport: Diese EM findet schon in 18 Monaten im eigenen Land statt. Bleibt da überhaupt Zeit für Veränderungen?

Bartels: Das ist die Frage. Und die nächste Frage lautet: Haben wir bessere Spieler? Ich glaube nicht. Das ist dann sicherlich der Bereich, in dem Oliver Bierhoff ins Spiel kommt, also mit den Nachwuchsleistungszentren in Deutschland.

Ich glaube, da muss aus meiner Sicht feinjustiert werden. Ob das aber reicht bis 2024, das weiß ich nicht. Trotzdem ist die Mannschaft so schlecht auch nicht. Es ist leider maximal unglücklich gelaufen - mit diesem schlechten Start gegen Japan.

STAND
INTERVIEW
Kersten Eichhorn

Mehr Fußball

Kaiserslautern

Fußball | 2. Bundesliga "Geiles Gefühl": FCK setzt seine Siegesserie fort

Der FCK bleibt nach dem Sieg gegen Holstein Kiel als Aufsteiger in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga. Für Neuzugang Aaron Opoku ein "geiles Gefühl".

Freiburg

Fußball | Bundesliga Zwei Mal Gelb-Rot ist rabenschwarz - SC Freiburg geht in Dortmund unter

Der SC Freiburg kassiert beim 1:5 (1:1) bei Borussia Dortmund zwei Gelb-Rote Karten, eine davon für Trainer Christian Streich. Es war ein gebrauchter Tag für den Sport-Club.

Freiburg im Breisgau

Fußball | Frauen-Bundesliga SC Freiburg mit deutlicher Pleite im Spitzenspiel gegen den VfL Wolfsburg

Herber Dämpfer für die Frauen des SC Freiburg: Am elften Spieltag der Bundesliga unterlagen die Breisgauerinnen im Spitzenspiel im heimischen Dreisamstadion dem VfL Wolfsburg mit 0:4 (0:3).