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Marcus Sorg ist seit März 2016 Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Im SWR-Sport-Podcast "Steil" spricht der 54-Jährige über die Bedeutung der Corona-Krise für den Profifußball, die verschobene EM 2020 und sein Verhältnis zu Bundestrainer Joachim Löw.

Das Coronavirus wirbelt auch den Kalender des Profifußballs durcheinander. Derzeit ruht der Ball. Ob nationale Ligen und internationale Wettbewerbe beendet werden können, steht in den Sternen. Nationen-Turniere finden in diesem Jahr nicht statt, die UEFA hat bereits vor Wochen die für Sommer geplante Europameisterschaft auf 2021 verschoben. Bereits die Länderspiele im März waren der Pandemie zum Opfer gefallen.

"Unser täglich Brot ist aktuell nur bedingt möglich"

Dieser Stillstand habe natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit im Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft, so Sorg im Gespräch mit den SWR-Sportredakteuren Philipp Sohmer und Jens Wolters. "Gegner beobachten, Spielanalysen - unser täglich Brot ist aktuell nur bedingt möglich. Das Salz in der Suppe ist die Arbeit mit der Mannschaft - und die haben wir aktuell nicht", sagte der Ex-Profi.

"Als Mannschaft hilft uns die EM-Verschiebung nicht weiter"

Die Verschiebung der EM auf das Jahr 2021 sei sehr schade, so Sorg weiter. Einen positiven Effekt auf die in den letzten beiden Jahren verjüngte deutsche Nationalmannschaft, die bis zum Turnier noch ein Jahr reifen kann, sieht der DFB-Coach nicht: "Vielleicht tut es dem ein oder anderen Spieler, der lange verletzt war, gut. Ich denke da etwa an Niklas Süle oder Leroy Sane. Aber als Mannschaft würde uns die Verschiebung nur dann weiterhelfen, wenn wir spätestens im September unseren Stamm zusammen haben, damit wir wieder Abläufe trainieren und sie im Spiel umsetzen können."

Sorg erwartet weitere Auswirkungen der Corona-Krise auf den Profifußball - allerdings nicht, was Ablösesummen und Gehälter auf Spitzenniveau betrifft. "In den Top-Ligen und bei den Top-Vereinen glaube ich nicht unbedingt an eine Regulierung. Top-Spieler werden immer gesucht und dann auch entsprechend bezahlt werden", sagt er: "Ich glaube eher, dass die Auswirkungen eins, zwei Stufen weiter unten zu spüren sein werden. Dort gibt es Spieler, die bereits vor der Corona-Krise Probleme hatten, ihren Lebensunterhalt vom Fußball zu bestreiten. Für die wird es dann noch schwieriger", sagte Sorg.

Sorg über Löw: "Sprachlich haben wir keine Probleme"

Sorg sprach zudem über sein Verhältnis zu Bundestrainer Joachim Löw. Es sei kein Problem, als Schwabe (Sorg) mit einem Badener (Löw) zusammenzuarbeiten. "Sprachlich haben wir keine Probleme", sagte Sorg mit einem Lachen: "Menschlich schon gar nicht."

"Die Entscheidungen muss der Cheftrainer treffen"

Die Rollenverteilung zwischen Assistenzcoach und Cheftrainer sei klar: "Die größte Herausforderung für einen Co-Trainer ist, dass man seine Meinung sagt, ohne dass sie aufgezwungen wirkt. Und dass man weiß, wann es 'Stop' heißt. Es dauert seine Zeit, bis man als Team zusammenwächst und weiß, wie weit man gehen kann oder wann man aufhören sollte. Entscheidungen muss der Cheftrainer treffen, weil er am Ende des Tages auch verantwortlich ist."

Ganz zum Schluss des Gesprächs äußerte Sorg dann noch einen Wunsch, was die Zusammenarbeit mit Löw angeht: "Es macht mir wirklich viel Spaß und ich hoffe, es wird noch lange so andauern."

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