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Der überraschende Punktgewinn Ungarns gegen Frankreich bei der EM lag nicht zuletzt an Roland Sallai vom SC Freiburg. Der Offensivmann knüpft damit an seine starke Bundesliga-Saison an .

Intuitiv, gedankenschnell, präzise: So lässt sich die Vorarbeit von Roland Sallai vor Ungarns Führungstor gegen den scheinbar übermächtigen Favoriten Frankreich beschreiben. Nach einer Seitenverlagerung köpfte Attila Fiola auf Sallai. Der Stürmer des SC Freiburg spitzelte daraufhin den Ball an Raphael Varane vorbei wieder in den Lauf von Fiola, der seinen Gegnern entwischte. Der Rest ist schon jetzt ungarische Fußballgeschichte.

Das "totale Wildpferd" musste gezähmt und geschliffen werden

Vor dem Aufeinandertreffen zwischen Ungarn und Deutschland am Mittwoch (21 Uhr, ZDF) Anruf bei Freiburgs Sportdirektor Klemens Hartenbach, der Sallai 2018 von Apoel Nikosia aus Zypern in den Breisgau lotste. Hartenbach kennt den Freiburger Offensivmann gut. Roland Sallai sei ein Spieler, der beim Sportclub erst geschliffen werden musste. "Er war ein totales Wildpferd am Anfang", erzählt Hartenbach. Das lag nicht zuletzt daran, dass er bei seiner vorherigen Station US Palermo (heute FC Palermo) in einem Jahr gleich fünf (!) Trainer hatte.

"Es ging zu Beginn nicht darum, ihm seine Stärken zu nehmen, sondern ihn in die richtigen Bahnen zu lenken", so Klemens Hartenbach weiter. Zu Beginn sei sich Sallai nicht immer seiner eigenen Wertigkeit bewusst gewesen, zudem auch noch zu wild am Ball. "Dass er auch ohne Tor oder ohne Assist der Mannschaft helfen kann." Das habe er gelernt, zudem täglich an Stabilität und Klarheit gewonnen. Der Lohne der Entwicklung: die dritte war seine beste Bundesligasaison bisher mit 15 Torbeteiligungen (acht Tore, sieben Assists).

Dennoch ist die Intuition weiter ein wichtiger Baustein seiner Spielweise. "Bei ihm nimmt das Intuitive einen größeren Anteil ein. Das darf man ihm auch nicht ganz nehmen."

Karriere-Highlight in Sallais Geburtstadt Budapest

Roland Sallai war der wundersame Wegbereiter für das zumindest kleine Wunder von Budapest in der brodelnden Puskas-Arena. Das 1:1 hat die Brisanz in der Gruppe F erhöht, auch wenn Ungarn zum Weiterkommen nichts weniger als einen Sieg gegen die Deutschen benötigt. Dennoch eine ordentliche Ausgangslager vor dem letzten Gruppenspiel in der "Todesgruppe" um Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und den 2014er-Weltmeister Deutschland.

Stolz ist Freiburgs Sportdirektor auch auf die Leistung Sallais in der brodelnden Puskas-Arena, nachdem der Ungar in Freiburg eineinhalb Jahre quasi ohne Fans gespielt hat. "In der positiv-hitzigen Atmosphäre der Arena mit 60.000 Zuschauern noch gute Entscheidungen zu treffen, alle Achtung!"

"Wir haben uns den Punkt verdient"

Im Gespräch mit dem "kicker" berichtete Sallai, angesprochen auf das 1:0 gegen die "Equipe Tricolore", dass man solche Konter geübt habe. "Gott sei Dank ist es gelungen. Wir sind stolz auf uns, wir haben das Maximum gegeben." Außerdem betonte der 24-Jährige: "Wir haben uns den einen Punkt verdient."

"Wir wollen ins Achtelfinale!"

Hund Hugo - ausgerechnet eine französische Bulldogge

Nun gibt Roland Sallai sogar das große Ziel Achtelfinale aus. Eine forsche Zielsetzung. wirkt. Neben dem Platz wirkt der ehrgeizige und fleißge Sallai eher ruhig. Goldene Steaks oder dicke Karren sucht man auf seinem Instagram-Profil vergeblich. Stattdessen taucht Hund Hugo des Öfteren auf Fotos auf und hat sogar selbst einen eigenen Instagram-Auftritt. Nicht übermittelt ist, wie Hugo - ausgerechnet eine französische Bulldogge - den Auftritt seiner Landsleute verfolgt hat.

Inzwischen, so betont Klemens Hartenbach, ist Freiburg für den Ungarn zur Heimat geworden, die er früher - zumindest fußballerisch - nicht hatte. Geholfen bei der Integration hat ihm seine Freundin, ebenfalls Ungarin. Sie hatte Deutsch in der Schule.

Dass es wirklich klappt mit dem Ziel Achtelfinale für Sallai & Co. scheint nicht unmöglich angesichts des couragierten Auftritts gegen den Titelfavoriten. Es ziehen ja auch vier der sechs Gruppendritten in die Runde der letzten 16 ein. Doch ein Sieg gegen Deutschland ist wie gesagt Pflicht. Ein Nachteil sicherlich: Sallai und sein Team spielen erstmals nicht in der hitzigen Atmosphäre der Puskas-Arena in Budapest, sondern "auswärts" in München.

Egal, wie Roland Sallai mit Ungarn am Mittwoch gegen die Weggefährten aus Deutschland spielt: Den Traum vom Punktgewinn gegen Frankreich in der Geburtsstadt kann dem Stürmer vom SC Freiburg jetzt schon niemand mehr nehmen.

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