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Julia Metzner kommentiert am Sonntag als erste Frau das EM-Finale im ARD-Hörfunk. Im Interview mit SWR Sport spricht sie über das Erlebnis Europameisterschaft und das Gefühl, in ein volles Wembley-Stadion zu fahren.

SWR Sport: Julia, du bist die erste Frau, die für ARD/ZDF ein Endspiel bei einer Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft kommentiert. Kannst du vor lauter Final-Last überhaupt noch gerade stehen?

Julia Metzner: Ich sitze Gott sei Dank, aber ich muss auch sagen: Wir haben als Sportreporter und Sportreporterinnen viele Highlights in unseren Karrieren und da ich inzwischen schon viele Jahre auf dem Buckel habe, ist es natürlich ein Highlight, aber es haut mich nicht vom Sockel und von den Socken! Es lässt mich immer noch schlafen, ich freue mich einfach drauf. Ein EM-Finale habe ich noch nie kommentiert. Ob ein Mann oder eine Frau reportiert - diese Diskussion versuche ich einfach mal zur Seite zu legen, weil es nicht meine Diskussion ist. Und anders als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bin ich in Wembley dabei.

SWR Sport: Du musst jetzt vermutlich ganz viele Interviews geben in dieser Phase...

Nö! Ich lehne sehr viel ab, muss ich ganz ehrlich sagen. Warum soll denn ich Interviews geben? Ich bin ja dazu da vom Fußball zu berichten und nicht über mich zu berichten. Es geht doch um Fußball und nicht um Julia Metzner, und es ist schön, dass ich SWR Sport und auch anderen berichten kann, wie es bei der EM ist.

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SWR Sport: Nimmst du dir da extra viel vor fürs Endspiel? Machst du extra Final-Sprechübungen?

Natürlich ist es ein großes Spiel, das ist ja klar, es ist das EM-Finale. Ich hab schon das olympische Finale der Frauen reportiert, hab' die Mädels in Rio bei der Gold-Jagd begleitet, aber Frauen-Fußball steht natürlich nicht so im Fokus wie es der Männer-Fußball tut und darum reden wir jetzt auch darüber, aber deswegen mache ich jetzt trotzdem keine Extra-Sprechübungen. Natürlich bin ich und ist mein Kollege Holger Dahl (WDR-Hörfunk, Anm. d. Red.) mit dem ich die Vollreportage - also die 90 Minuten plus X - durchreportieren werde, auch aufgeregt, das ist doch völlig klar, das wäre ja furchbar wenn nicht! Das pusht uns dann so ein bisschen, aber wir machen deswegen jetzt nicht Extra-Sprechübungen. Das einzige, was wir üben, sind die Aussprache der Namen.

SWR Sport: Verantwortung und Aufregung also, vor dem Endspiel für dich?

Das ist ja eine Verantwortung, die auf mich übertragen wurde und ich bin ja nicht alleine da. Wir sind insgesamt drei Reporter und Reporterinnen, die dieses Finale machen. Wir sind insgesamt acht in dieser Gruppe der Nationalmannschaftsreporter- und Reporterinnen und da sind halt alle mal dran, und dieses Jahr bin ich unter anderem mit dran und das ist natürlich einen Schulterklopfer wert und da bin ich auch stolz drauf. Das haben wir uns alle erarbeitet, wenn wir dahin kommen und natürlich ist eine gewisse Grundaufregung da, aber es ist jetzt nicht so, dass ich heute Nachmittag nochmal auf die Knie falle und allen danke, dass ich dabei sein darf, sondern das ist einfach ein Highlight im Leben einer Sportreporterin und ich freu' mich brutal drauf!

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SWR Sport: Die Corona-Infektionszahlen für London sind nicht ganz so beruhigend, um es vorsichtig auszudrücken (Inzidenz 285,3, Stand 08. Juli, Anm. d. Red.). Wie sicher fühlst du dich?

Ich fühle mich deshalb sicher, weil wir ein relativ kleines Risiko auf uns nehmen. Wir werden mit einem Auto nach Calais (Frankreich) fahren und dort übernachten und dann am Samstagmorgen mit dem Auto-Reisezug direkt ins Stadion fahren, das Spiel reportieren und direkt nach dem Spiel wieder zurückfahren. Das heißt, wir kommen kaum in Kontakt mit anderen Menschen, denn auf einer Pressetribüne sind ja auch nicht die geballten Fans zugegen, sondern die sind in ihren Bereichen. Deswegen ist das eine sehr tolle Variante, die für uns ausgearbeitet werden ist und da fühle ich mich, zumindest für mich, relativ sicher. Ich muss auch dazu sagen: Ich bin auch schon doppelt geimpft, das hilft natürlich auch so ein bisschen. Generell ist es natürlich aber schon etwas komisch, sich vorzustellen, dass da gut 60.000 Menschen im Stadion sein werden. Das Maximum, was ich bisher erlebt habe bei dieser EM waren München und Rom, das waren 14.000 bis 16.000 Fans. Das war angenehm, weil man gesehen hat, dass da viel eingehalten wurde und eine große Disziplin war und die haben wir alle zuletzt ja aus den Bildern aus London nicht gesehen, und die Sorge gilt dann den Menschen, die sich in diesen Gruppen aufhalten.

SWR Sport: Was macht denn deine Kondition? Ich kann mir vorstellen: Ein Spaziergang ins Finale war das für dich auch nicht, als Reporterin, oder?

Nein, das ist dann jetzt mein elftes Spiel. Das ist 'ne Menge Holz, denn man kennt ja auch nicht jede Mannschaft. Ich verfolge natürlich den Fußball, wie wir alle in unserem Beruf, aber ich sehe ja nicht regelmäßig Länderspiele von etwa Tschechien und von kleineren Mannschaften. Das heißt: Das ist eine auch eine große Vorbereitung, das ist eine große Mentalarbeit vor so einem Spiel. Da macht man dann eher keine Stimm- oder Sprachübungen, sondern man muss sich natürlich inhaltlich unglaublich vorbereiten, weil man natürlich auch inhaltlich gut vorbereitet sein will, wenn man da sitzt und da will man sich natürlich auch keine Blöße geben und entsprechend intensiv ist es auch zwischen den Spielen. Die Reiserei war diesmal doch deutlich weniger aufgrund von den Corona-Pandemiezeiten, aber am Ende eines Turniers bin auch ich dann ein bisschen müde - aber jetzt kommt nochmal der große Push mit dem Finale!

SWR Sport: Was war bisher denn EM-Highlight vor dem eigentlichen Highlight am Sonntag?

Das 4:2 der Deutschen gegen Portugal war eines der Highlights, weil ein deutscher Sieg ist immer ein Highlight und wenn man dann live dabei ist: Klasse Stimmung, tolles Wetter, das war super. Aber ich muss sagen: Rom und die Italiener haben mich sehr beeindruckt. Nicht nur die Fußballer, sondern auch die Menschen dort, weil man doch sehr gemerkt hat wie sehr dieses Land in der Corona-Zeit gebeutelt war, wie sehr sie diesen nächsten Schritt zurück ins Leben vorsichtig und bedächtig gehen. Das finde ich bewundernswert, wie dieses Land damit umgegangen ist und sich jetzt so langsam auch mit dem Fußball zurück ins Leben arbeitet.

SWR Sport: Und du könntest dir auch vorstellen, dass Italien Europameister wird? Was glaubst du, dramatisch im Elfmeterschießen für die Italiener?

Wenn wir sagen, es geht ins Elfmeterschießen: Da hat der englische Nationalkeeper Jordan Pickford doch eher gewackelt zuletzt. Der ist zwar groß rausgekommen bei der WM 2018 als Elfmeter-Killer, aber ich glaube, wenn es ins Elfmeterschießen geht, macht es Italien. Und ich glaube, man hat es inzwischen auch so ein bisschen durchgehört: Ich würde es Italien auch gönnen. Den Engländern sei gegönnt, dass sie endlich mal in ihr EM-Finale gekommen sind, aber es wäre dann doch ein bisschen zu viel, oder?!

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