Nico Schlotterbeck vom SC Freiburg vor seinem Länderspiel-Debüt (Foto: imago images, Imago)

Nationalmannschaft | Länderspiel in Sinsheim

"Mucki-Mann" Nico und die Schlotterbeck-Festspiele von Sinsheim

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Es war ein ganz besonderer Tag für Nico Schlotterbeck. Der Abwehrmann des SC Freiburg feierte am Samstagabend in Sinsheim gegen Israel sein Länderspiel-Debüt für Deutschland.

Er hat lange darauf warten müssen. Schon mehrfach war Nico Schlotterbeck in den Kader der Nationalmannschaft berufen worden, spielen durfte der Abwehr-Hüne des SC Freiburg bislang aber noch keine Minute.

Das änderte sich an diesem Samstagabend endlich. Beim Länderspiel in Sinsheim durfte sich der Schwabe aus Weinstadt dann auch offiziell Nationalspieler nennen. Denn der Bundestrainer ermöglichte ihm gegen Israel sein Startelf-Debüt im Abwehrzentrum neben dem Ex-Freiburger Matthias Ginter: "Jetzt bin ich schon zum vierten Mal dabei", so Schlotterbeck vor seinem ersten Länderspiel, "das macht mich unglaublich stolz und glücklich, für mein Land zu spielen".
Und Hansi Flick war voll des Lobs über den 22-Jährigen: "Er will immer den Ball haben, er ist sehr selbstbewusst, er agiert sehr selbstbewusst, das gefällt mir. Auch gegen den Ball verteidigt er sehr hoch", so der Bammentaler Bundestrainer vor dem Testspiel im Kraichgau, "er hat sich enorm entwickelt".

Schlotterbecks steile Entwicklung diese Saison beim SC Freiburg

Das kann man wohl sagen. Noch vor einem Jahr hätten viele Fußballfans- und Experten wohl nur milde gelächelt, hätte man Nico Schlotterbeck mit der A-Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Damals war der Neffe des früheren Bundesligaspielers der Stuttgarter Kickers, Niels Schlotterbeck, vom SC Freiburg an Union Berlin ausgeliehen. Im Tausch mit seinem älteren Bruder Keven, der die Saison davor in Köpenick unter Vertrag gestanden hatte. Bei den "Eisernen" in Berlin sollte auch Nico wichtige Spielpraxis sammeln und sich in der Bundesliga akklimatisieren.

Wichtiger Reifeprozess bei Union Berlin

Das gelang beeindruckend, trotz langwieriger Oberschenkelverletzung in der ersten Saisonhälfte. Letztlich ein kluger personeller Schachzug des Sport-Clubs: Denn mit 16 Bundesligaspielen nach einer starken Rückrunde für die Berliner und einem durch zahlreiche Überstunden im Kraftraum gestählten Körper kehrte Nico Schlotterbeck letzten Sommer in den Breisgau zurück. Und er startete in Freiburg, gestärkt auch durch den Europameister-Titel mit der U21, weiter voll durch.

Muskelspiele nach Torerfolgen

Der junge Mann mit dem auffallend hell gefärbten Haarschopf entwickelte sich zur zentralen Figur in der starken Freiburger Defensive. Er ragt heraus, nicht nur durch seine Größe von 1,91 Metern und seinem wuchtigen Körper, der ihn immer wieder zu dynamischen Vorstößen, gepaart mit klugem Spielaufbau, animiert. Seine vier Saisontreffer zeigen auch die enorme Torgefährlichkeit des "Mucki-Mannes", der nach Torerfolgen gerne den prall gespannten Bizeps in die Kameras reckt. "Sechsmal die Woche" gehe er "pumpen", so der eher extrovertierte Nico Schlotterbeck kürzlich in einem Interview, "nur an Spieltagen nicht".

Objekt der Begierde beim FC Bayern und beim BVB?

Die erfolgreichen "Muskelspiele" auf dem Rasen sind nicht verborgen geblieben. Dem Bundestrainer nicht, und natürlich auch nicht den Top-Vereinen Bayern München und Borussia Dortmund, denen verstärktes Interesse an einer Verpflichtung Schlotterbecks nachgesagt wird. In seiner Winter-Rangliste stufte ihn der "kicker" sogar als besten Innenverteidiger der Bundesliga ein. Gemeinsam mit Noch-Bayern-Nationalspieler Niklas Süle. Ein Profi übrigens, den sich Nico Schlotterbeck als eines seiner sportlichen Vorbilder genommen hat: "Ruhig, auf dem Feld total seriös, er bringt immer seine Leistung".

Die ganze Familie sitzt in Sinsheim auf der Tribüne

Jetzt also folgte mit dem Länderspiel-Debüt, ausgerechnet in seiner Heimat Baden-Württemberg, der nächste Karriere-Höhepunkt für Nico. Und klarer Fall, dass die fußballbegeisterte Familie Schlotterbeck am Samstagabend vollzählig in Sinsheim auf der Tribüne saß und sich wohl auch die eine oder andere Träne der Freude und Rührung aus den Augenwinkeln rieb: Die stolzen Mama und Papa aus Weinstadt, dazu Oma und Opa, Bruder Keven aus Freiburg, außerdem viele Freunde und Bekannte, die ihm die Daumen drückten, dass es mit dem Adler auf der Brust genauso gut klappen wird wie im Dress des SC Freiburg. Sozusagen die Schlotterbeck-Festspiele von Sinsheim.

Hansi Flick: "Manchmal noch zu bequem"

Denn noch gibt es auch bei Nico Schlotterbeck fußballerische Defizite zu bearbeiten: "Nico ist manchmal einen Tick bequem und nimmt sich aus dem Spiel raus, aber dafür, wie wir Fußball spielen wollen, muss er immer aktiv sein. Daran arbeiten wir", hob Bundestrainer Hansi Flick vor dem Spiel mahnend den Zeigefinger, will ihn im Nationaltrikot immer unter Volldampf sehen. Auch er will, wie sein Freiburger Kollege Christian Streich, diesen Rohdiamanten von Abwehrspieler weiter für eine große Zukunft fördern und fordern.

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